Dienstag, 16. Juni 2026

 

Pusteblumes Abgesang


Dottergelb suche ich nach Licht

Brenne vor Gier nach Sonne und Respekt


Irgendwann dann verbrannt

Schliesse ich meinen Leib vor der Welt


Zeige meinen Kindern dann diese als silberner Ball

Zart und zerbrechlich.

Übergeben dem Wind oder Kindermund


Segeln sie davon.


Zurückbleibend wie geschorener Kopf

Recke ich mich nochmal zur Sonne

Und lege mich zur Ruh´.

 

 


 

Donnerstag, 4. Juni 2020

Baikal

Hallo Liebes Schwesterchen,
Wir waren gestern abend wieder ganz in Deiner Nähe,
haben uns, wie Mittwochs immer, am Schmalenbeker getroffen.
Liv, war da, Peter, Andreas und ich.
Es war gewittrig, aber warm
und wir haben uns in das kleine Brunnenhäuschen auf dem Friedhof gesetzt.

Heute morgen wachte ich auf und war durcheinander.
Ich hatte geträumt.
Unterschiedlichstes Zeug an unterschiedlichen Orten.
An den letzten kann ich mich aber erinnern.
Ganz genau.
Wir waren gemeinsam auf Reisen.
Am Baikalsee in Sibirien.

Es war Sommer.
Du gingst einen kleinen Abhang hinunter zum Wasser,
und liefst auf den See hinaus.
Er war vereist. 
Im Sommer.
Du trugst ein rotes Kleid und schwarze Pömps.
Sie klackerten auf dem Eis.

Ich war völlig irritiert und wollte Dir hinterher.
Das Eis trug mich nicht.
Ich rief Dir hinterher,
aber Du gingst immer weiter.
Immer weiter.

Ich wartete dann am anderen Ende des Sees,
denn da mußtest Du ja ankommen.
Dort war eine kleine Badestelle.
Du kamst naß aus dem Wasser.
Ich nahm Dich auf den Arm und trug Dich weg.
Du warst ein kleines Kind.

Ich wollte Dir dann trockene Kleider anziehen,
aber Du drehtest Dich weg.
Du wolltest nicht, dass ich Dir helfe.





Mittwoch, 6. Mai 2020

Schmalenbeker

Hallo Liebes Schwesterchen,

es ist alles ziemlich verrückt.
Wir haben "Pandemie".
Das Wort kennst Du bestimmt, aber was es für uns alle bedeutet bestimmt nicht.
Und dabei ist es eigentlich gar nicht so schlimm.
Jedenfalls für uns nicht.
Alles kommt irgentwie zur Ruhe.
Die ganze Welt steht still.
Kein Flugzeug am Himmel.
Spielplätze, Schulen, Restaurants, Museen,  Theater, usw., alles geschlossen.
Keine Versammlungen, Sitzungen o.ä. mehr.
Seit Wochen geht das so.
Und das überall auf der Welt.
Vor ein paar Monaten noch unvorstellbar.
Heute normal.
Wir gehen Einkaufen mit Masken vorm Gesicht und halten brav Abstand zu anderen.
Normal!
Was wird daraus blos werden.

Langsam öffnet sich jetzt alles wieder, aber viel Unsicherheit bleibt, ob das alles gut geht.

Peter und ich treffen uns seit Anfang des "Lockdowns" jeden Mittwoch abend auf einer Bank am Schmalenbeker Teich in Gross Hansdorf.
Das ist enstanden aus dieser Situation und wir merken zusehens, welche Bereicherung das auch für uns ist. Wir sitzen dort, schauen den Wasservögeln zu und diskutieren über dies und das.
Die Zeit vergeht im Flug . Etwas unglaublich Schönes ist entstanden, und wir wollen das nicht mehr missen.

Heute kamen wir auf die Idee, das wir das fortführen werden.
Auch wenn die ganzen Beschränkungen aufgehoben werden:
Wir werden weiter da sein.
Am "Schmalenbeker", gleich an der ersten Bank gegenüber des Friedhofes.
Und wir müssen dort nicht allein bleiben.

Bringt was mit, oder auch nicht.
Es wird immer ein schöner Abend. 
Zu erzählen gibt es immer was.
Lernen gibt´s gratis, von jedem etwas.
"Alte Säcke" müssen nicht unter sich bleiben, aber sie haben was zu erzählen.
Machen wir doch aus dieser vertrackten Zeit etwas,
was wir sonst nie und nimmer erfahren hätten.

Sommer 2020 
ganz in Deiner Nähe








Sonntag, 26. April 2020

Die Zeit steht still


Time stands still with gazing on her face
Stands still and gaze for minutes
Houres and yeares, to give her place
All other things shall change
But shee ramaines the same
Till heavens changed have their course
And time hath lost his name.

                                                       John Dowland


Hallo Schwesterchen,
da bin ich mal wieder.
Das oben ist die erste Strophe eines Liedes von John Dowland.
Wir haben oft darüber gesprochen,
und ich finde es immer noch unglaublich schön.
Und es paßt auch gut in die Zeit und den Zustand der Welt.

Die Zeit steht still.
Die ganze Welt steht still.
Es geht ein unheimlicher und für viele Menschen gefährliches Virus um.
Wir haben hier Kontaktsperre, und dürfen uns nicht mit anderen treffen,
höchstens in kleinsten Gruppen mit nicht mehr als zwei Personen,
 müssen dabei ganz viel Abstand halten.
Viele Geschäfte waren für Wochen geschlossen, 
die Schulen und Kindergärten auch, und sind es immer noch.
Und keiner weiß, wie es eigentlich weiter gehen soll.
Uns geht es dabei noch gut.
In vielen anderen Ländern ist es alles viel schlimmer.

Dieses Wochenende wollten wir eigentlich unser Geschwistertreffen abhalten,
wollten zu Konstantin und von da aus auf ´ne Hallig fahren.
Aber es mußte ausfallen.
Lucie kommt gar nicht aus London raus,
und irgendwo hinfahren ist auch verboten.

Zu Peter fahre ich auch nicht.
Seit vier Wochen treffen wir uns aber jeden Mittwoch draußen am "Schmalenbeker".
Ganz bei Dir in der Nähe.
Wir sitzen da, gleich vorne, auf einer Bank,
mit einem Glas Wein und ner Zigarette
und schauen den Wasservögeln bei ihrem abendlichen Spektakel zu.
Die Gänse haben schon kleine Küken.

Samstag, 28. Dezember 2019

Asche

Hallo, mein Liebes Schwesterchen,

wo bist Du gerade?
Wenn Du magst, kannst Du Dich ja mal melden.
Als kleine Sternschnuppe vielleicht,
oder so.

Gestern abend hatten wir unser Familientreff im Galini.
Waren alle wieder dabei, bis auf  Linda, Dirk, Matze und Manja.
Kinder krank glaub ich, und noch zu klein.
Vor zwei Jahren warst Du noch dabei, erinnerst Du Dich?
Du warst schon sehr krank und hattest keine wirkliche Freude.
Du wusstest, dass es das letzte mal sein würde.

Gestern war ich vorher an Deinem Grab,
hab ein Lichtlein für Dich aufgesteckt.
Und eines für Tomschi.
Er ist vor zwei Wochen gestorben,
aber das weißt Du wohl schon.

Er war allein.
Hat sich in seiner Todesangst noch umgestöpselt
von seiner Sauerstoffpumpe an eine Flasche für den Notfall bei Stromausfall.
Ist dann gefallen und hat sich auch noch wehgetan.
Am Ende läuftst dann irgendwie nie richtig gut.
Als Sanne und Kathleen vom Einkaufen zurückkamen war er tot.

Vor einem Jahr war ich noch bei ihm
auf seiner kleinen Farm in Brasilien.
Beim Abschied wußten wir aber, dass wir uns nicht mehr wiedersehen würden,
und so ist es dann auch gekommen.
Nächstes Jahr flieg ich runter und dann verstreuen wir seine Asche,
so wie er es sich gewünscht hat.


Donnerstag, 17. Oktober 2019

Wie Lange Noch


Der Herbst hat es wieder freigegeben.
Verborgen wars hinter dem Sommerlaub der Linde.

Leuchtend rot war es mal vor vielen Jahren.
Heut ist es noch ein grauer Lumpen.
vom Wind zerrissen.
der Farbe beraubt.
Heute naß vom Regen.

Hängt hilflos im Geäst gefangen.

Wie lange noch?

Sonntag, 21. April 2019

Stimmung

Hallo Schwesterchen,
Ich war heute morgen, 
es war noch recht früh,
in dem kleinen Wald am Wasserwerk,
wo wir als Kinder so oft waren.
Es war ein wunderschöner Morgen.
Die Sonne flimmerte durch die noch kahlen Bäume
und spiegelte sich in dem kleinen Teich.
Der Boden war bedeckt mit Buschwindröschen
und Schlüsselblumen.
Es hatte sich eigentlich nicht viel verändert
seit damals.
Hier war immer eine etwas geheimnisvolle Stimmung.
Wir hatten das als Kinder schon immer so empfunden.
Und es war auch diesmal nicht anders.
Nur die kleine Brücke,
die wir uns aus Stöckern gebaut hatten, um über den kleinen Bach zu kommen,
ist durch eine kleine, fest gebaute, ersetzt worden.
Darüber führt jetzt ein schmaler Wanderweg.



Außer uns war aber niemand da.