Samstag, 23. April 2016

Kreta

Nur langsam schmilzt der Schnee
über der kleinen Flamme
und es dauert seine Zeit,
bis wir die kleine Tasse heißer Tütensuppe
voller Wohlgefühl mit etwas Brot und Käse
als Köstlichkeit genießen .

Herabgestiegen von der noch schneebedecktenSchulter des Melidau
waren wir in dieses Paradies gelangt.
Vor uns lag eine kleine Alm voll satten Grases,
bedeckt mit hunderttausenden blühenden Krokussen,
unberührte Märchenlandschaft von unglaublicher Schönheit.

Jetzt stand inmitten dieses Blütenfeldes
unser kleines blaues Zelt.
Zerstörerische Spuren unserer schweren Stiefel waren nicht zu übersehen.

Späte Sonnenstrahlen tauchten das schneebedeckte Pachnesmassiv in sanftes Rot,
unser Ziel für morgen betrachteten wir mit zunehmenden Respekt.
Die weißen Blüten um uns her hatten sich in Erwartung der Nacht geschlossen,
weit weg am Gipfel des Melidau kreisten noch ein paar Gänsegeier.
Und verschwanden. Absolute Stille umfing das Tal.

Die Kälte der Nacht zeigt uns dann deutlich wieder Grenzen.
Wir steigen ab, statt weiter auf.






Einen Zweig pflücken



Schon immer waren Streifzüge durch die frühlingshafte Natur fester Bestandteil meines  Lebens gewesen. Mein hingeworfenes Rad  neben einem  Feldweg, zwei drei Schritte die Böschung hoch, wo ich mir im Knick ein paar  weiß blühende Zweige abbrach,ein Sprung zurück auf den schmalen Pfad und wieder aufs Rad, die Zweige quer über dem Lenker und die zarten weißen Blüten baumelten über dem Vorderreifen.
Jetzt bin ich wieder in den Feldern unterwegs. Seit fast zwei Jahren war mir das nicht mehr möglich gewesen. An Stelle meines Fahrrads und meiner zwei Beinchen unter mir das leichte Beben meines neuen Gefährts, welches durch seine ausgeklügelte Balancetechnik fast wie etwas Lebendiges anmutet. Es folgt meinem Schenkeldruck und den Bewegungen meines Körpers wie ein Reittier.
Am Wegesrand das weiße Aufblitzen der Blüten. Zentaurisch schwinge ich mich die Böschung hinauf, durch leichte Verlagerung  des Körpers gebe ich meinem Tier die richtige Ausrichtung, meine Hände greifen  den Zweig, und noch einen, den da hinten auch noch. Eine leichte Wendung, ein Beugen des Oberkörpers und ich bin wieder auf dem Weg.

Ich setze meinen Streifzug fort. Die zarten weißen Blüten wippen über meinem leichten Herzen.