Dienstag, 25. Juni 2013

Glück




Runter zur Bushaltestelle. Wenn wir gleichzeitig  Schulschluss hatten, trödelten wir die  kleine enge, von dichtem Gehölz umstandene Straße entlang. Zu zweit oder in kleinen Gruppen von drei oder vieren. Den Namen der Straße hab ich vergessen.  K ...?
An ganz besonderen Tagen hörten wir auf halbem Wege ein sich langsam von hinten näherndes und von allen anderen vorbeifahrenden Autos  deutlich zu unterscheidendes  Motorengeräusch, erst nur ein wages entferntes Brummen, dann so klingelnd in unseren Ohren, dass wir uns gleichzeitig umsahen und in das verträumte Gesicht des grünen Froschs sahen, der sich mit seinen runden weit auseinander stehenden Augen und der weißen, etwas verlegen  lächelnden Zahnreihe seines Kühlergrills zutraulich näherte, sein Tempo drosselte und schließlich  ächzend und japsend  vor unseren strahlenden Augen zum Stehen kam. 
Vati... seine Hand mit dem zerschossenen Daumengelenk an der geöffneten Tür, den kleinen Tritt hoch, erst die Tochter dann der Sohn, ein triumphierendes stolzes Grinsen zurück zu den anderen weiter trottenden Klassenkameraden. So plumpsten wir in die ramponierten  Sitze, sogen den Duft von Schrott und Leder in unsere Nasen, schleuderten die Ranzen vor unsere Füße. Abgeholt!


Sonntag, 23. Juni 2013

Der grüne Frosch




So hat er ausgesehen,

der "güne Frosch"
wie wir Ihn nannten.




An der Seite war noch ein Schild angebracht: 

 Güternahverkehr
Standort Großhansdorf

Die Anzeige im Waldreiter las sich dann so:

   Kleintransporte aller Art
    auch Schutt

Freitag, 21. Juni 2013

Mufen




Es gab den Frühlingsweg und den Herbstweg. Der Frühlingsweg führte vorbei an Höppi`s gelbem Haus, die Sandstraße hoch und vorm Wasserwerk rechts rein in den Wald mit den Anemonen und Schlüsselblumen. Für den Herbstweg mussten längere Vorbereitungen getroffen werden. Wenn der Herbstweg dran war, dauerte es manchmal ziemlich lange, bis wir endlich loszogen, den Beimoorweg rauf, beim Puppendoktor vorbei. Beim Puppendoktor war es still, kühl und dunkel und es  roch nach Leim und Klebe. 
Zwischen erstem und zweiten Bahndamm bogen wir in die Mielerstede ab. Auf dem Rückweg durch die trübe, Nebel verhangene Dämmerung zeigten die Kopfweiden in den Knicks wilde Fratzengesichter und wir drängten uns dicht um den von sicherer Hand gelenkten großen Korbkinderwagen. 
Der Herbstweg war dran und der Kinderwagen wurde nach draußen geschoben, stand, geräumig wie ein Ställchen auf Rädern vor der zwei geteilten Tür. Lulu in einer Art Halfter, welches um ihre Brust in der grün- weiß melierten Wolljacke und unter ihren Ärmchen verlief und mit zwei Riemen an so kleinen runden Metallnupsis befestigt war, mit denen das Verdeck vor- und zurückgeschoben werden konnte. Drinnen suchten wir unsere Gummistiefel, Anoracks und Mützen zusammen für den Spaziergang.
Mufen spritzte und pisste, was das Zeug hielt und so auch an diesem Herbstnachmittag. Er strich um den Kinderwagen in immer enger werdenden Kreisen, stellte seinen buschigen schwarzen Schwanz auf, richtete sein Hinterteil aus und markierte mit kräftigem Strahl direkt auf das süße  kleine  Schutzblech.
Im Sommer und Winter gab es keine Spaziergänge, da waren wir einfach nur irgendwie draußen.  


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Mittwoch, 19. Juni 2013

Aufwachen



Das erste, was ich sah, waren die kleinen  Pinguine, die ich mit Wachsmalstiften auf die grobe Bretterverschalung meines Alkovens gemalt hatte. Alle sahen gleich aus, nach einem bestimmten einfachen Muster  gemalt, mit gelben breiten Schnäbeln, runden Körpern und kurzen Flügeln, die zur Seite und nach hinten abstanden.Erst war es nur einer, noch vorsichtig mit zarten Strichen versucht, irgendwann hatte ich alles dick voll gekritzelt. Immer der gleiche Pinguin. 
Das erste, was ich hörte, waren zarte gedämpfte Piepslaute, aus dem Alkoven neben mir. Wenn ich meinen Kopf etwas hob, mein Kissen an der Rückwand zu einer dicken Rolle getürmt hatte, sah ich ein aus mehreren Federdecken und Kopfkissen ringwurstartiges Nestgebilde, aus deren Tiefen  diese  kläglichen Laute drangen, die mich endgültig wach machten. Dann waren tapsende Schritte von der gegenüberliegenden Wand her zu hören, eine helle kleine Stimme die sich mit tröstenden Lauten dem  verzagten Bettwulst näherten. Die ersten Silben der Laute und Kosewörter kamen von  ganz oben, wie das Zirpen eines Vogels, eines Pinguins,  und fielen zum Ende hin ab, mündeten in einen beruhigenden warmen Singsang in der Mittellage, der das Fiepen und Piepen kurz verstummen ließ, bis es von neuem anschwoll und wieder besänftigt wurde.
Die Rollenverteilung blieb immer die gleiche, es wurde nie abgewechselt. 
Who is who?

Montag, 17. Juni 2013

Einschlafen

Erinnert Ihr Euch an den Raum oben in dem wir schliefen?
An die alte Treppe die dort hinauf führte,
unter der Klappe hindurch, die zum Boden ging, gesichert nur durch ein Stück zu verdrehender Dachlatte,
zum Boden, den zu betreten verboten war, wegen Durchbruchsgefahr?
Vorbei an dem dunklen Loch am Schornstein, in dem Kater Mufen immer hockte, der Don F. dann irgendwann auf den Kopf pisste. (War das dann sein Ende?)
An unsere Betten, zwei eingebaute Alkoven, unter den Sprungfederrahmen mit Stroh gefüllt,
und zwei einzeln aufgestellte Metallgestelle gegenüber?
An die Geschichten, die dann erzählt wurden?
An K., der mit dem Rücken rythmisch gegen die Wand bollerte, und dabei kehlige Laute von sich gab?
Wenn dann Mutti zum "Gute Nacht" sagen `raufkam?
Und es dann langsam still wurde, und nur noch ihr Klavierspiel zu hören war und wir damit langsam einschliefen?
 "Kinderscenen", "Chopin", "Das alte Schloß" und das "Große Tor von Kiew".

Noch eine sleeping pill?

        Addalin wie Alladin`s ..... in der Wirkung durchaus ähnlich!

List no 1: Altes Haus



Feuer, Strumpfhosen trocknen am Kamin, vergammelte Aeplel auf der Fensterbank, Rauch, Camel Ohne, Schach, Skat, Rum, laute Maenner Stimmen, Schmalzbrot, Claudius und die verlorene Brille, kalt, dickes Federbett, 4711, Summofen, kalte Fuesse, Havies, Alter Kuehlschrank mit vergammelter Milch, Katzen Klo, warme Katzen aller Art, Kohlrouladen aus der Dose, Tauchsieder, Splitter im Finger, Anzieh puppen,, Tannenbaum, doppel Hoden, Mister French, Klavier, Herr Richert, Muzorski, Gips, ton, mein Roller, Prinzenrolle, roter Ziegelstein, Gardinen mit Rittern oder ganz was anderes, Riegel zur Doppel Tuer, Besen, Maus, meine Scholaden Maenner am Dreiecksschrank, mein Hebel fuer gut und schlecht, abends die Treppe runter, im Nachthemd ,ganz leise, durch die Diele und das Bauerzimmer, durch die runde Tuer auf Muttis Schoss, ihre grosse Hand ganz sanft ueber meine Stirn, Vati und die Maenner tief imGespraech........Addalin!







Die Tuer war rot!



Sonntag, 16. Juni 2013

Schwindel


Es hatte noch ein bisschen Schnee auf dem Holzriegel der kleinen Tür zum Atelier gelegen und ich hatte meinen Teddy dabei gehabt. Anstelle des zweiten Teddyauges baumelte an  schwarzem Zwirn ein grauer Wäscheknopf und Don F. hatte so ganz flach zusammengedrückte Zigaretten geraucht, als wäre er aus Versehen drauf getreten. Aber er hatte es mir dann erklärt: Ägyptische! Er hatte mir meinen Teddy aus der Hand genommen, so dass ich  das Fellohr loslassen musste, an dem ich herumgezurrt hatte, dann hatte er sich über den Arbeitstisch gelehnt, die Zigarettenschachtel umgedreht und war langsam mit seinem braunen Zeigefinger die Buchstaben der Aufschrift entlanggefahren. Immer wenn der Finger über einem Buchstaben halt machte, sprach er den laut aus und zog den Finger einen Buchstaben weiter: Khhh...Y..hh..R..hh...Ihh...A..T...Z...I..
Der Rauch der Kyriatzi roch schöner und feierlicher als die anderen Filter Zigaretten wie Lux oder HB und mir wurde ein bisschen schwindlig davon. Schwindlich werden fand ich eigentlich gar nicht so schlecht, da war so ein kribbeliges Streichelgefühl, dass sich  die Körperhaare aufstellten, dann bekam mein Teddy und  Don F.s Hände weiche Umrisse  und mein Körper fühlte sich an wie so ein Strichmännchen, aus Ammas Malbuch. Im Atelier schwindlich werden war  noch besser als anderswo, weil hier waren keine Gerüche durcheinander gemischt,  sondern alles roch klar und deutlich und ganz für sich alleine.
Die grob verputzen Wände, die Farben, der nasse Ton in der Wanne, das Karbolineum, die Kyriatzi, das Holz und die Steine des Fußbodens und der Geruch von Don F. selbst. Sogar die unterschiedlichen Teile von ihm rochen für sich alleine. Seine Hände anders als sein Gesicht, das Hemd nicht wie der Hosenstoff und um die Augen herum   roch er am besten.

Freitag, 14. Juni 2013

Die Mauer

Das Monument unserer Kindheit. Die Mauer.
Ein skuriles Bauwerk. Einzigartig.
Die Mauer, die klar trennen sollte,  blieb durchlässig. Das alltägliche,  plebejische, "bürgerliche" Leben der Familie, zu trennen von der "Großen Kunst" und dem Geiste, war geplant, und durch den Bau der Mauer vollzogen, aber nicht vollendet.
Im Haus viel die Mauer uns nicht weiter auf. Die trennenden Wände  waren vorhanden, und die wenigen Durchlässe wurden geschlossen.
Im Garten dagegen entstand ein Monument. Zwei Meter hoch aus Stein gemauert, weiß gekalkt. Als Durchlaß eine Tür, aus Dielen genagelt, eingehängt in schwere Angeln, blau gestrichen.
Aus den Ferien heimgekehrt, durch diese Mauer auf "unsere Seite" verbannt, war nunmehr nur mit Erlaubnis  das Betreten der "Herrschaftlichen Seite" erlaubt.
Der Gartentisch unter den drei Birken befand sich dort, eine quadratische Betonplatte, in der Mitte durchbohrt und mittels einer Schraube auf einem Baumstumpf  befestigt. Viel Geredet wurde an diesem Tisch, debattiert, getrunken und gelacht.
Uns Kindern war das Hinzugesellen nur selten gestattet, nicht wegen der Mauer, diese hielt, wie gesagt, nicht, was sie versprach. Die Tür stand bald  meist offen und ein freies Bewegen rund ums Haus war wieder möglich. 
Aber die Mauer war da, und die Tür konnte jederzeit geschlossen werden, für Stunden, für Tage, selten für Wochen. Sie erfüllte uns mit Respekt und wurde als Symbol der Trennung anerkannt. Wir waren von etwas ausgeschlossen. Und dieses Ausgeschlossensein machte dieses "Andere" zu dem Besonderen.
Wir sehnten uns dorthin, dort teilnehmen zu dürfen, gleichwertig zu sein.
Selten gelang uns dieser Sprung, aber wenn, dann waren wir glücklich.

Donnerstag, 13. Juni 2013

Die Beamtenlaufbahn


Entlang des Damms mit abgestellten Zügen 
eilten
Beamte
zum Zug um Sieben nach Sieben ab Endstation.

Die Reihenfolge war stets die Gleiche. 
Die Schirme auch.
Es wurde meist allein geeilt.

Wir Schüler auch zusammen, jedoch nicht immer.
Es gab Empfindlichkeiten.

Die sanfte Kuppe schon genommen,das Ziel schon fast erreicht, 
von hinten das Geräusch.
Schapendes Pedal an rostigem Kettenschutz.
Eine Frau in "Grau" passierte. 
Oft nickend grüßend.

Das Fahrrad nahm Herr G. in Obhut.

Idiotenorgeln und anderer bourgeoiser Tand




Aus dem Dunkeln ans Licht befördert:
Familie Burke war die verächtliche Bezeichnung, die Don F.  in anfänglicher Hybris als Löwe von Grönwohld nach seinem Umzug in die Mühle seiner verlassenen Familie angehängt hatte, die in das "Papphaus" umgesiedelt war. Die  zwischen groß gemusterten Tapeten, Wick Vaporup, Creme Mouson und Tütenmilch, Sessel pfurzende, Bahlsen- Keks essende, Fernsehen guckende, Idiotenorgel  hörende, klassisch musizierende, "Möh" sagende,   jeden Morgen den Beamtentrampelpfad zu täglicher Verrichtung von Arbeit und Schule ( " wo man sich verdingt für das, was man täglich runterschlingt, was man bitter nötig haben muss...")  entlang trottende,  geist- und niveaulose  Bürgerfamilie, vor deren  Mittelmäßigkeit  er sich nun endlich befreit hatte. Tobias bemühte sich  fürsorglich, diesem Gift duchtränkten Bild   durch  augenzwinkernder Ironie die Boshaftigkeit zu nehmen und so auf diese Weise abgemildert und fast schon appetitlich angerichtet uns allen erträglicher erscheinen zu lassen.
Dieser Anfall einer Fehleinschätzung  dauerte allerdings nicht allzu lange und die Hütte der Familie Burke mitsamt seinen  Bewohnern kriegte wie durch Zauberhand berührt neuen Glanz  und Don F. schob in immer kürzer werdenden Abständen  sein Fahrrad erwartungsvoll milde gestimmt und voller guter Vorsätze  durch die kleine grün gestrichene Pforte. 

Mittwoch, 12. Juni 2013

Namensgebung

Familie Burke:

Der Name , den uns Tobias gab.
Wurd´ hingenommen ohne Widerspruch und anderes Getöse.

Ursprung und Aussage bis heute im Dunkeln.
Hab´mich auch nicht bemüht
es zu beleuchten.

Ein "Burke" eben.

Freitag, 7. Juni 2013

Frühstücksbrief XIII






Was mal so  begonnen, darf auf keinen Himmels Willen, beim Barte  um keineswegs Fall, nie und unmöglich, der Propheten nimmer und unter gar nicht Umständen,  unaussprechlicher Weise so







in die Sommerpause gehen....
Reißt euch zusammen  an allen Riemen und Riemchen, Schnürsenkeln und Haarschleifen, Bootstauen und Lelängerjelieber Schlingen ihr Hatifnatten von der Familie Burke, sonst kriege ich den heftigsten Schwächeanfall aller Sommerzeiten!

Euer Tobias