Es ist schon ein paar Wochen her. Ich
kam gerade vom Friedhof, radelte dahin, und war in Gedanken bei denen,
die ich dort besucht hatte, als ich plötzlich diese beiden
dort auf
einer Bank sitzen sah. Es war etwas Schnee gefallen, aber der war
größtenteils schon wieder weg. Nur
diese beiden Gestalten waren
geblieben. Es hatte etwas Rührendes. Ich stellte sie mir vor, die
Kinder, die am Nachmittag das bischen „Weiße Pracht“ genutzt
hatten um sie zu schaffen und hier hinzusetzten, um dann wohl etwas
traurig dem beginnenden Hinscheiden ihrer Geschöpfe zuzuschauen. Jetzt waren
diese allein, hatten ihre Ruhe und würden am morgen verschwunden
sein.
Ich mußte unwillkührlich an die
beiden alten Menschen denken, die das Haus direkt an der Autobahn in
der Nähe von Lübeck bewohnt hatten, und eigentlich immer, wenn wir
dort vorbeifuhren auf der kleinen alten Bank vor ihrem Haus saßen
und dem wilden Treiben auf der Straße zuzuschauen schienen. Wir
fuhren immer, wenn wir von der Ostsee, zu der Zeit meistens aus
Hemmelsdorf, wo wir in Hansis Wohnwagen, den er auf einem Hof am
Hemmelsdorfer See hatte, an diesem Haus vorbei, meisten stop and go,
weil es immer Sonntag nachmittags war und die Autobahn auch damals
schon voll.
Die Beiden saßen auf ihrer Bank, wie
aus einer anderen Zeit. Hier die Hektik der Autobahn, und da die Ruhe
zweier Menschen, die endlich Muße hatten. Auf der kleinen Wiese
neben dem Haus war Heu auf Reutern aufgeschichtet, was schon lange
nicht mehr üblich war, schien auch nicht mehr wirklich gebraucht zu
werden, ein paar Hühner kratzten herum, und auch sonst schien alles
hier in der Vergangenheit zu ruhen.
Und genau diese Ruhe strahlten die
beiden Schneefiguren aus, die mir hier in der Dunkelheit des
Dezemberabends begegneten, und ich war wohl auch ein wenig neidisch
darauf.
Auch das Haus an der Autobahn gibt es
nicht mehr. Irgendwann saß dann nur noch einer auf der Bank vor dem
Haus und dann keiner mehr. Das Haus verfiel, wurde dann nochmal als
Drehort für einen Film von Detlef Buck genutzt und fiel schließlich
dem Bau der A20 zum Opfer. Heute ist dort das Autobahnkreuz Lübeck
Süd. Von der Ruhe ist nichts geblieben, und doch schau ich immer
hin, wenn ich dort vorbeifahre, versuche die Stelle zu finden, wo
das Haus einmal stand.
Irgendwie steht es da noch immer, und
die beiden Alten sitzen auf ihrer Bank und schauen her.

