Am Heiligabend war ich noch mal los, um letzte Kleinigkeiten zu kaufen.
An der Kasse eines Drogeriemarktes hatte ich dann eine Erscheinung:
An der Kasse saß eine Frau, so um die 50, etwas korpulent, wenig hübsch.
Auf dem Kopf trug sie eine Art Bügel in minzgrün mit braunen Ohren daran,und einem roten Rentiergeweih aus Filz, ein Teil davon etwas nach vorne gebogen.
Das Ganze schwankte bei jeder Bewegung. Die Frau machte nicht den Eindruck, dass sie diesen Schmuck freiwillig trug, weil sie gerade besonders lustig drauf war.
Sie wirkte eher angespannt.
Art 1 GG: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Das hatte der Arbeitgeber dieser Frau wahrscheinlich gerade mal vergessen. Und ein "Staatliches Organ" war auch gerade nicht in der Nähe.
Sonntag, 29. Dezember 2013
Montag, 23. Dezember 2013
Alles vorbei
Ich gehe spät nach hause
durch die jetzt menschenleere Stadt.
Die Weihnachtsbeleuchtung erhellt noch
wenige Straßen sehr,
drumherum ist es dunkel und still.
Morgen wird´s noch einmal kurz
lebendig.
Dann ist Ruhe.
Die Sache ist mal wieder gelaufen.
Fröhliche Weihnacht
Donnerstag, 19. Dezember 2013
Amok
Wenn ich so wie heute morgen an
meinem ersten Ferientag ein paar Tage vor Weihnachten noch vorm Zähneputzen und
in meinem Leopardenmuschelmorgenmantel meinen Apple aufsuche, mein Blick nach
kurzem Streifen von Mails, Blog und
Gesichtsbuch durch das trübe Glasrechteck
zwischen den Fenstersprossen nach draußen auf die von Bindfadenregen getränkten
schwarzen Äste der Bäume schweift, auf
den verdreckten gelben Fußball zwischen den neu entstandenen Maulwurfshügeln, überkommt
mich das anmaßende und ungerechte Verlangen diese Welt zu zerstören, eine alles
umfassende Abschaffraserei.
Bei aller Anstrengung und dem
Einsatz sämtlicher mir zur Verfügung stehender Vorstellungskräfte, trotz besseren
Wissens und lebenslanger Erfahrung,
gelingt es meiner Phantasie nicht, ein
Bild von knospendem Leben, von strahlendem Neubeginn herauf zu beschwören.
Angestachelt durch meine Zerstörungsgelüste,
scheinen Äste, Maulwurfshügel und Fußball sich bereit zu machen gleich
klirrend durch die Fensterscheibe auf
mich zu stürzen, ihre eigene Winterverlorenheit an mir auszulassen.
Wie vor dem Angriff eines Rudels
mich schützend, auf einer Stelle stehend wild um mich selbst kreiselnd, den
Prügel in der Faust herumwirbeln.
Ich hab es nicht mal geschafft,
die angewärmte Milch aus dem kleinen Milchtopf in meinen Kaffeebecher zu gießen ohne zu kleckern. Obwohl der
Milchtopf an einer Seite eine kleine Tülle hat.
Mittwoch, 18. Dezember 2013
Wir vermissen Dich
Heute wärest Du 100 Jahre alt geworden,und alle Zeitungen sind voll von Dir.
Wir durften damals zum erstenmal wählen und taten dies mit Begeisterung.
"Willi wählen"
"Wo ein Willi ist ist auch ein Weg"
oder
"Lieber reiner Korn als Rainer Barzel".
In meinem Zimmer hing ein hellblaues Poster, eine Zeichnung:
Du als "Easy Rider" auf einem Harley Davidson Chopper und Walter hinten drauf.
Du hast die Wahl damals gewonnen - gegen die geifernde Reaktion,
bei über 90 % Wahlbeteiligung .
"Schlaf schön weiter Willi"
Mittwoch, 11. Dezember 2013
Brief eines naiven Menschen an Barak Obama
http://www.youtube.com/watch?v=xzh6Efg52T8
http://derstandard.at/1385170435914/Johannesburger-Stadion-oeffnet-fuer-Trauerfeier-fuer-Mandela
auf deutsch, da der naive Mensch des englischen nicht genügend mächtig, und jetzt auch keinen Bock auf die Mühe hat.
Dear Barak Obama,
eine wunderbare Rede haben Sie da zu
Ehren Madibas gehalten. Nun ist es doch verwunderlich, dass sie, der
Sie ihn als Ihr Vorbild bezeichnen, sowenig in seinem Sinne handeln.
Ich appelliere deshalb an Sie, das Erbe
dieses großartigen Menschen anzutreten, endlich so zu handeln, wie
es Nelson Mandela an Ihrer Stelle getan hätte. Führen Sie sein
begonnenes Werk und auch das seines amerikanischen Vor- und Mitkämpfers
Martin Luther King weiter. Sie haben die Macht dazu, sitzen nicht in
einer Gefängniszelle sondern an der wohl mächtigsten Stelle dieser
Welt, müssen nicht folternde Polizei oder Dunkelhaft und jahrelangen
Kerker fürchten. Fangen Sie an, das zu tun, was ER an Ihrer Stelle
getan hätte.
Machen Sie sich nicht länger zum
Henker und stoppen Sie den Drohnenkrieg in Pakistan durch den täglich
Unglück und Kummer über viele Menschen gebracht wird, und Unzählige
täglich in Angst und Schrecken hält.
Stoppen Sie die Hinrichtungen zum Tode
verurteilter in Ihrem Land und setzen Sie sich ein,dass dies auch in
anderen Ländern nicht mehr geschieht.
Schließen sie endlich das Gefängnis
in Guantanamo und sorgen Sie dafür, dass die Gefangenen dort einen
fairen Prozess bekommen.
Hören Sie auf die Bevölkerung der
Erde auszuspionieren und jeden für Ihren Feind zu halten.
Begnadigen Sie Chelsea Elizabeth
Manning, deren einziges Verbrechen darin bestand, damals noch als
Bradley Manning, Kriegsverbrechen der Armee Ihres Landes öffentlich
zu machen. Dafür wurde sie zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt.
Heben Sie die Haftbefehle auf gegen
Edward Snowdon und Julian Assange, und beenden Sie die Jagd auf
Menschen, die die dunklen und auch in Ihrem Land rechtswidrigen
Machenschaften von Armee und Geheimdiensten aufdecken.
Sorgen Sie besser dafür, das
Kriegsverbrecher, auch Angehörige der US Armee, vor Gericht gestellt
und verurteilt werden und nicht diejenigen, die sie entlarven.
Verringern Sie die Gefahr durch
Amokläufer durch konsequente Waffengesetze in Ihrem Land. Stellen
Sie sicher, das Kinder wieder frei und sicher in ihre Schulen gehen
können.
Das alles sind nur einige Missstände in Ihrem
eigenen Land.
Nelson Mandela hätte diese Dinge als
Präsident Ihres Landes niemals geduldet und hätte gegen sie
gekämpft, ohne Rücksicht auf Waffenlobby, reaktionäre
Interessenvertreter und ein evtl schlechtes Wahlergebnis seiner
Partei. Haben Sie nur einen Bruchteil seines Mutes und fangen Sie
an. Denken Sie an die kleine Anekdote die Madiba gerne erzählt hat
und die zu einem Leitfaden seines Lebens wurde; wie er als junger Kerl
stolz einen kleinen von ihm geschossenen Vogel präsentierte, und ein
kleines Kind leise fragte: „Wie die Mama von dem Vogel sich jetzt
wohl fühlt“
Nie wieder sollte ein anderes Lebewesen
durch seine Schuld zu Tode kommen.
Reden Sie nicht nur über ihn als
Vorbild, sondern handeln Sie nach seinem Vorbild. Vielleicht hält
dann ja eines Tages ein ehemaliger Todeskandidat aus einem Ihrer
Gefängnisse eine ebenso schöne Rede an Ihrem Grab, wie Sie gestern
in Johannesburg. Wäre doch was.
Dienstag, 10. Dezember 2013
Advent
Sie war keine Frau, die sich
gerne und viel bewegte. Im Sommer gab es die seltenen Fahrradtouren mit uns
Kindern auf dem Radwanderweg, auf den ehemaligen Trassen der schon lange
stillgelegten und dann geteerten Bahnlinie zu den Seen draußen. Aber sie
schwamm auch nicht gerne, blieb immer am Schilfufer, hatte Angst vor einem plötzlichen
Herzanfall. Selten verließ sie in ihrer freien Zeit das Grundstück, außer zum Einkaufen und zum Friseur. Einen Winter
lang ging sie in der Adventszeit einmal die Woche zur Gymnastik zu Frau Möhring
in die Hütte bei den Rauhen Bergen. Dass da in der Hütte nicht nur geflötet
wurde, sondern auch geturnt, dass da überhaupt genug Platz für Gymnastik war,
ist mir bis heute unerklärlich. Es kann ja auch sein, dass sie woanders
hinging...
Womöglich war ihr von Doktor Horstmann
geraten worden, sich wegen ihrer Herzschwäche ein wenig mehr zu bewegen. So
ungern sie sich dann aufmachte in die Dunkelheit der Winternachmittage, so gut
gelaunt und zu Späßen aufgelegt kehrte sie zurück, führte in der Diele unter
dem großen, immer nadelnden Adventskranz, zwischen seinen unaufhörlich leise rieselnden Fichtenadeln
die Übungen vor, die sie gelernt hatte. Sie beugte abwechselnd die Knie, warf
die Arme links und rechts zur Seite, durchmaß mit großen Schritten ihrer schlanken Beine die Diele in ihrer ganzen Länge, erklärte uns, die wir auf der alten Treppe saßen und
ihre Vorstellung verfolgten, wie man aus der Hüfte den Schritt ansetzten musste anstatt
aus den Kniegelenken, ließ Kopf und Hüfte kreisen, patschte laut mit den entblößten Füßen auf den Betonboden während sie laut sang. Sie sang drei sich wiederholende Silben: En-schlack-tie, en-schlack-tie zur Melodie von im Frühtau zu Berge...
Wir gingen begeistert mit auf unseren Tribünenplätzen auf
der Treppe, feuerten sie an, sangen en-schlack-tie,
en-schlack-tie, wir ziehn fallera. Es grünen die Wälder die Höh`n fallera...
Meistens hing er schief...
Samstag, 7. Dezember 2013
Noch dunkel
um halb acht
an einem Samstag, morgens, im Dezember.
Die kleine Stadt scheint noch zu schlafen.
Müde Gestalten eilen ein wenig gebückt vorbei.
Der Bus steht wartend da und leuchtet.
Viel weihnachtlicher Schmuck ist noch vom Sturm zerzaust,
schon bald wird alles wieder glänzen.
Die angefrorene Schneematschdecke knirscht beim Gehen.
Erste Waren warten vor der Ladentür.
Siegreiche Fahrräder hängen wie erschöpft an ihren Schlössern,
ein Tannenbaum liegt schmucklos und verschmutzt auf einem Parkplatz.
Ein Übriggebliebener der vergangenen Nacht pisst an die Wand im Bahnhofstunnel.
Man schaut pikiert und stört ihn nicht.
Geschlossen starren die Buden auf dem Weihnachtsmarkt ins Leere,
das Karussel ruht schweigend aus.
Und während in den Kronen der Bäume die Krähen lärmen,
ist es beim Bäcker warm und freundlich.
an einem Samstag, morgens, im Dezember.
Die kleine Stadt scheint noch zu schlafen.
Müde Gestalten eilen ein wenig gebückt vorbei.
Der Bus steht wartend da und leuchtet.
Viel weihnachtlicher Schmuck ist noch vom Sturm zerzaust,
schon bald wird alles wieder glänzen.
Die angefrorene Schneematschdecke knirscht beim Gehen.
Erste Waren warten vor der Ladentür.
Siegreiche Fahrräder hängen wie erschöpft an ihren Schlössern,
ein Tannenbaum liegt schmucklos und verschmutzt auf einem Parkplatz.
Ein Übriggebliebener der vergangenen Nacht pisst an die Wand im Bahnhofstunnel.
Man schaut pikiert und stört ihn nicht.
Geschlossen starren die Buden auf dem Weihnachtsmarkt ins Leere,
das Karussel ruht schweigend aus.
Und während in den Kronen der Bäume die Krähen lärmen,
ist es beim Bäcker warm und freundlich.
Freitag, 6. Dezember 2013
Weiter
"Xaver" zieht vorbei und läßt uns hier zurück.
Ratlos suchend.
Draußen ist "Wetter",
Kalt und naß.
Ich sitze hier und hab´ es warm.
St. Pauli führt 2.0 in Aue.
Ratlos suchend.
Draußen ist "Wetter",
Kalt und naß.
Ich sitze hier und hab´ es warm.
St. Pauli führt 2.0 in Aue.
Donnerstag, 5. Dezember 2013
XAVER
Busfahren ist zuweilen eine
vergnügliche Angelegenheit. Heute waren wegen des heraufziehenden Sturmes XAVER nicht nur die vorzeitig entlassenen
Schülermassen irgendwie durcheinander.
Neben mir auf der anderen Seite
des berstend vollen Busses saß sich ein bejahrtes Paar gegenüber. Er nestelte
oben an seiner Jackentasche herum.
„ Was hast du, ist da was?"
Er hörte schweigend auf zu
nesteln.
„Das ist ja alles kaputt da oben,
warum sagst du mir denn nichts? Das ist ja unerhört!“
„ Ja ja.“
„Du sagst jaja. Alle können sehen
wie das da alles kaputt ist bei dir.“
Er krempelte die kaputte Tasche
nach innen und schaute aus dem Fenster auf die Unheil verkündend tänzelnden Äste
der vorbeifliegenden Bäume.
„Dann schmeiß sie doch weg, die
Jacke!“
„ Mach ich auch.“
Hoffentlich sind sie gut nach Hause gekommen...
Hoffentlich sind sie gut nach Hause gekommen...
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