Montag, 28. April 2014

Ampelmännchen

Wie an fast jedem morgen in der Woche stand ich mal wieder bei"Rot" an der immer gleichen Ampel und wartete, an einen Pfeiler gelehnt, so dass ich nicht von meinem Fahrrad absteigen mußte.
Mir gegenüber auf der anderen Straßenseite stand eine junge Frau mit Kinderwagen. Ihre kleine Tochter, vielleicht drei bis vier Jahre alt, mit kleinen Zöpfen, die etwas wild nach den Seiten abstanden, stand daneben, mit einer roten Puppenkarre, darin eine blonde, gut zugedeckte Puppe, denn es war noch recht kühl, morgens um kurz vor acht.
Das Mädchen schaute,zumindest sah es so aus, sehr konzentriert auf das Zeichen der Ampel, während ihre Mutter ihr irgendetwas erklärte. Ich vermute,dass sie ihr sagte, dass die Ampel jetzt ein rotes Männchen zeigte und, wenn dieses grün werde, sie die Straße überqueren könne.
Ich war mir nicht sicher, ob das Kind wirklich sah, was ihre Mutter glaubte. Als die Ampel auf"Grün" sprang erfolgte bei dem Kind keinerlei Reaktion. Die Mutter schob es schließlich an, und es setzte sich in Bewegung. Als es an mir vorüberging hatte ich den Eindruck, der Blick hafte immer noch an einem unbekannten Punkt, irgendwo im Nichts. 
Was es dort gesehen hat, weiß ich nicht, die Ampelmännchen waren es jadenfalls nicht.

Samstag, 12. April 2014

Jogger

Ich seh´sie schon von weitem

Zwei Jogger sind´s

Trabend ins Gespräch vertieft

Der enge Weg versperrt



„Ich muß nicht klingeln“ hoffe ich

Mein altes Rad ist laut und scheppert

Geräuschvoll fahr´ ich über Steine

Ein strenger Blick von vorn sagt mir: “Erfolg!“

Ein lautes „Bitte“ trifft mich beim Passieren



So ist das „Danke“ nicht mehr zu vermeiden

Erzwungen ist´s,

Wie die Passage auch

Läden


Einer der letzten Kioske dieser Art hat erst vor einem viertel Jahr aufgegeben. Am U- Bahnhof Kiekut konnten sich Schulkinder bis zuletzt aus bauchigen Bonbonieren, die auf der Fensterbank standen, Stück für Stück ihre Lieblingsteile in kleinen bunten Körbchen zusammenstellen und an der Kasse wurden diese dann  einzeln herausgenommen, ihr Preis in die Kasse getippt, und dann verschwanden sie in kleinen, blau gepunkteten Tüten.
Heute gibt es andere Läden. Als ich vorhin bei Penny an der Kasse wartete, die beiden flachgelegten Weinflaschen, die Zahnbürsten und die Tüte mit den Weingummiteddies  beobachtete, wie sie auf dem Band langsam nach vorne zuckelten, sah der Kassierer zu drei Kunden hoch, sagte freundlich  Hallo, verabschiedete sich lächelnd und wünschte einen guten Tag.
Wie viele Leute laufen durch so einen Laden am Tag? In den wenigen  Minuten, die ich dort wartete, standen schon drei  an der Kasse vor mir, und hinter mir wartete auch noch jemand. Also ungefähr fünf in fünf Minuten. In einer Stunde zwölf mal fünf und das ganze  mal acht. Fast vierhundert. Natürlich weniger, das geht ja nicht den ganzen Tag so weiter. Die Hälfte? Als ich meine Sachen  nahm, überhörte ich die Frage nach einem Tragebeutel  und blickte verwundert auf den Kassierer mit dem Namensschild auf der hellblauen Kitteltasche, auf den am Taschenrand festgeklemmten Kugelschreiber. Tag für Tag in geschlossenen Räumen zwischen Regalen vor der  Kasse zweihundert  Mal lächeln, die gleichen Worte sagen, eine Tüte anbieten. Fast wäre mir schwindlich geworden, und ich lehnte mich kurz an den Rahmen  der Eingangstür und atmete ganz langsam ein-und aus.


Donnerstag, 10. April 2014

Dauerlutscher

Wenn dann, was nicht oft vorkam, ein paar Groschen zum Verschnoopen in unseren Kinderhänden waren, trieb es uns meist die Beamtenlaufbahn lang zum Bahnhof.
Der eigentliche Bahnhofskiosk war wenig attraktiv. Die Frau, die dort residierte war streng, stets steif und schwarz gekleidet, und wenig nett. Sie mochte keine Kinder.
Aber draußen davor in dem winzigen Eckladen wartete ein wahres Paradies.
Dort gab es Eis, noch lange für 10 Pfennig. Es war ein Eis am Stiel von „Mili“, Vanillegeschmack, und etwas luftig in der Konsistens.
Große Gläser standen dort auf dem für uns recht hohen Tresen. Dauerlutscher, steinharte Bonbonkugeln, einzeln zu kaufen für einen Pfennig. Salinos und Lakritzschnecken und natürlich die beliebten Salmitüten. Man konnte sich die kleinen scharfen Lakritzen mit Spucke zu kleinen Sternen auf die Hand kleben, die dann weich und schmierig wurden, und dann langsam ablecken.
Ahoi Brausepulver war immer schon ein Renner, die ganze Tüte auf einmal in den Mund geschüttet, wurd immer zu ´ner riesen Sauerei.
Dann gab es Salmilollis, sehr beliebt, und bunte Teufelchen aus Weingummi, oder Schlangen , kleine mit Silber überzogene Salmiakpastillen, alles einzeln zu kaufen, bei einer Engelsgeduld der Verkäuferin, denn die Entscheidungsfindung war oft schwer und dauerte.
Ganz selten gab´s für uns ´ne Wundertüte, diese papiernen Tüten mit Puffreis und einer kleinen Überraschung, die meistens ´ne Enttäuschung war. Und dennoch hofften wir, mal um mal aufs neue, auf die Erfüllung eines kleinen Traums.
Manchmal wagten wir uns auch zur Bahnhofsgaststätte „Pukies“ gegenüber. Hier gab es Kugeleis, drei Sorten, Vanille, Erdbeer, Schoko. Zu teuer für uns, doch hin und wieder gab´s auch dies. Dann lugten wir voll Neugier in den verrauchten Raum hinter dem Durchgang, wenn die Bedienung die Tür ein wenig offen lies, versuchten etwas zu erhaschen von der Welt, die wir nicht kannten, bestaunten hier Betrunkenheit und auch mal draußen Schlägerei.