Mittwoch, 24. August 2016

Gedankenspiele

„Allein, das Leben baut nichts auf, wozu es nicht die Steine anderswo abbricht“
An diesem Satz, geschrieben von Robert Musil in „Der Mann ohne Eigenschaften“ blieb ich hängen.
Nun ist das keine Weisheit, die großes Erstaunen auslöst, aber es derart wunderbar in Worte zu fassen, ist schon fantastisch und lies mich innehalten. Ein Stein, ein Klumpen Erde, eine Schaufel Sand, sogar eine Windböe, begibt sich nur an einen anderen Ort, wenn sie dem derzeitigen entnommen wird. Niemals wird etwas mehr. Es wird lediglich verrückt, verschoben. Und nun habe ich darüber gebrütet, ob dies denn wirklich nur für die greifbaren Dinge gilt, oder etwa auch für unser Gedanken, unser Denken im Allgemeinen. Gibt es überhaupt neue Gedanken, Erkenntnisse, Theorien, oder ist alles Denken immer schon vorhanden und wird nur hier und dort neu zusammengesetzt, irgendwo entnommen, dort vergessen, um hier neu zu entstehen. Fischen wir beim Denken nur in einem großen galaxienartigem Pool nach Teilen, die zu neuen Erkenntnissen, für uns, oder bei großen Denkern, für die Menschheit, führen, aber eigentlich immer vorhanden waren, nur anders zusammengesetzt.
Haben wir etwas vergessen, kurz, oder für immer, weil jemand anders in seinem Denken gerade stärker war und dieses Teil gerade in seinem Puzzle brauchte?
Und, wenn wir diesen verrückten Kram weiterspinnen kommen wir schnell an den Punkt einmal zu hinterfragen: „Was ist Denken eigentlich? Woraus bestehen Gedanken?“ Nun gut, es ist eine Form der Arbeit unseres Gehirns. Aber sind Gedanken Materie? Haben sie Masse, also meßbares Gewicht? Sie können doch nicht einfach „Nichts“ sein, „Nichts“ im Sinne von physikalischer Greifbarkeit.............

Samstag, 13. August 2016

Affenfelsen



Manchmal zwingt einen das Leben, alte Gewohnheiten abzulegen und neue zu entwickeln. So erlebe ich gerade, dass ich lieb gewordene Plätze verlassen muss, und schaue mich um nach neuen Ecken, neuen Blickwinkeln.
Plötzlich wird deutlich, wie unbeweglich wir in unserem Leben festsitzen, wie festgefahren in unseren alltäglichen Verrichtungen, in unserer Entschiedenheit, bei dem zu verharren, wofür wir uns vor langer Zeit einmal entschieden haben. Solange keine Gewalt von außen uns von unseren Lieblingsplätzen und Gewohnheiten vertreibt, rühren wir uns nicht wirklich von der Stelle. Äußerlich wie auch innerlich.
Ob wir auf ein Fleckchen im Garten beharren, unter einem bestimmen Baum, wo wir vor Jahrzehnten unseren Sommerplatz eingerichtet haben oder auf eine einmal gewonnene innere Position zu bestimmten Themen, auf unseren  Blick auf  die Welt. Das Verlassen  unserer Stammplätze, unserer Affenfelsen fällt schwer.
Mein neuer Platz im Garten liegt mitten auf der Wiese hinterm  Haus. Etwas erhöht throne ich auf  eindrucksvollem  Pharaonensitz.
In meinem Rücken die Wand aus wilden Hundsrosen, direkt hinter meinem Kopf Erikas  Hortensienstrauch aus dem Radeland, dessen blaue Blüten sich in den vielen Jahren, in denen er hier auf der Wiese seinen Platz hat, ihre natürliche Zartheit zurück erobert haben.  Meine nackten Zehen berühren fast die Blüten des Mohns und der Kornblumen, die wir im Frühjahr auf dem Rund unseres Osterfeuerplatzes ausgesät haben.