Donnerstag, 29. September 2016

Fahrradfahrt am Morgen

Es ist wohl eine der letzten morgendlichen Fahrten zu meiner Arbeit mit dem Rad
Der „Septembersommer“ ist vorbei
Es ist windig, schräg von vorn
Warm noch, doch
Regen ist angekündigt.

Gleich zu Beginn meiner Reise begegnet mir, wie immer der Mann mit dem großen Hund
Fröhlich grüßend rausche ich vorbei
Der Hund macht artig „Platz“
Biege ein in die „Kalte Ecke“
und bin schnell im nächsten Dorf.

Hundehalter und joggende Frauen kommen mir entgegen
oder werden überholt
Bekannte Gesichter
einige freundlich grüßend,
andere schauen weg.

Schnell durchs Dorf auf rubbeliger Straße
Berufsverkehr hat´s eilig
Die meisten biegen links ab zur Autobahn
Beim Bäcker haltgemacht trete ich freunlich ein.

Für´s spätere Frühstück verproviantiert
geht´s weiter unter Linden
Vorbei am Pferdehof und am Pfadfinderlager
mit den „4 Stühlen“
diese heute frisch aufgeräumt am Gartentisch.

Trödelde Schüler werden überholt
Die rote Ampel stoppt nur kurz dann meine Fahrt
auf schmaler Straße dann durch abgeerntete Felder
Überhole den Mann mit Aktentasche
Begegne der immer griesgrämigen Frau auf hohem Roß
und freue mich auf das Lächeln der jüngeren mit Zopf

Ich erreiche die „75“
fädele mich ein in den langsam fließenden Verkehr
wechsele die Straßenseite
und rausche dann am Stau vorbei die letzten Kilometer.

Ein Stück noch durch ein Waldgebiet
Ein Neubaugebiet der ´80er Jahre
Am Kindergarten ist viel Betrieb
Ein paar Kurven noch genommen auf kleinen Wegen
mit vielen Hunden an langen Leinen
erreiche ich für heute dann mein Ziel.

Immer jubelnd werde ich von Kaffe trinkenden begrüßt
Stelle mein Rad auf immer gleichen Platz
und bin dann da.

Dienstag, 20. September 2016

Kampfansage an Franz Kafka



Schon immer war Franz Kafka unserem Freund  ein Seelenbruder und eine Lust gewesen. Kafkas Leben und sein Werk, seine Briefe und Skizzen waren immer um ihn. Sie füllten seine Regale, sie lagen übereinander auf seinen Tischen und Stühlen, neben seinem Nachtlager, auf dem Grunde seiner Rucksäcke und Stoffbeutel trug er die zerlesenen und zerfledderten Bände mit sich. Wohin er auch unterwegs war, was immer sein Tagesplan sein mochte und welche Wege er einschlug, manches Mal ohne jede Orientierung, sie umgaben ihn zu seinem Schutz, boten ihm  Freundschaft. 
Heute Abend sitzt er wieder gierig und voller Sehnsucht vor seinem Radio, pünktlich zur Sendezeit der Kafka Lesung.

Die vorangehende Sendung geht dem Ende zu, in den letzten Beiträgen wird schon das Kafka Programm angekündigt. Nur noch ein oder  zwei Minuten und er könnte wieder eintauchen in diese von ihm geliebte Sprache, in die vertrauten Angstbilder und ihren Fluchten, könnte sich unter die Geister ihrer beider Einsamkeit, ihres Irreseins und ihrer Verstörtheit mischen. Er könnte sich Seite an Seite mit ihm, dicht an ihn geschmiegt, aufs Neue quälen.
Er steht auf von seinem Sessel, beugt sich vor und dreht langsam aber entschieden den Lautstärkenregler nach links, drückt die Stimme des Sprechers weg. Erst dann, mit einem ruhigen, tiefen befreienden Ausatmen  schaltet er das Radio aus und  lässt sich in den Sessel zurück fallen.

Freitag, 2. September 2016

Isländer



In meinem gestrigen Traum beschenkte ich mein gesamtes Kollegium mit identischen Isländer Pullovern. Sie glichen aufs Haar dem kratzigen Isländer meines Vaters aus grober störrischer Wolle mit dunkelbraunem Muster auf naturfarbenem Grund und mit engem Rollkragen. Ein Karton mit den Isländern stand auf dem großen rechteckigen Tisch in der Mitte des geräumigen Lehrerzimmers, weitere waren um den Tisch und auf den Stühlen gestapelt. Mit kantigen Bewegungen meiner Hände öffnete ich den Karton auf dem Tisch,  mit steifen Fingern  zerteilte ich mühsam das zarte Seidenpapier zwischen den vielen Lagen von grober Schafwolle und es kam immer der Gleiche zum Vorschein. Einige mir nahestehenden Kollegen hatten schon einen an, andere kämpften mit dem engen Kragen, manche standen staunend im Kreis um diese eigenartige Bescherung herum und traten von einem Bein aufs andere.
Das sieht ganz nach einem harten Winter aus.