Am Rand der Straße saß er
mit aufgesperrtem Schnabel.
Ein zweiter, welcher daneben saß, flog auf.
Ich hielt an und näherte mich.
Ich nahm den offensichtlich verletzten Vogel auf,
verfrachtete ihn vorsichtig in meine Fahrradtasche,
so dass der Kopf herausschaute und fuhr nach Hause.
Dort starb er.
Samstag, 31. Mai 2014
Montag, 26. Mai 2014
Im Fond
Ich sitze träumend mit meiner etwa
drei Monate alten Tochter hinten auf dem Rücksitz eines Autos. Der Fahrer vorn
ist ein alter Mann. Mein Baby hat eine Kapuze auf, so dass die Haare verdeckt
sind und nur das kleine süße Gesichtchen vorne herausguckt. Meine Tochter liegt neben mir auf dem Rücksitz und ich schau auf sie
hinunter. Gleich daneben sehe ich plötzlich ein zweites Baby liegen, auch mit
Kapuze. Sie sehen aus, als wären sie etwa im gleichen Alter.
„ Ihr scheint ja wohl fast gleich
alt zu sein,“ höre ich mich sprechen.
Da setzt sich das fremde Baby
auf, nimmt die Kapuze vom Kopf und ist eine alte Frau. Die Frau vom Fahrer...hmpf!
Donnerstag, 15. Mai 2014
Gedankenfetzchen
Ich wollte mir etwas Wichtiges
notieren, als wir vier unterwegs waren. Es war am ersten Abend an der Küste in Eastbourne glaub ich, in
der Pizzeria. Ich hatte aber keinen Zettel und Stift dabei. Ich hatte noch
daran gedacht, mein Notizheft und Kuli einzustecken, als ich meine Sachen
packte, kurz bevor ich losfuhr. Hab es gelassen, dachte, dies wäre keine Zeit
für Kritzeleien.
Noch in der Pizzeria, eine
halbe Stunde später, hatte ich es noch gewußt, hatte es mir extra nochmal
eingeprägt, geglaubt, damit wäre die Sache gesichert in meinem Hirn abgespeichert. Wir hatten sogar noch
darüber geredet.
Ich muss alles sofort
hinkritzeln. Ich vergesse die Hälfte meiner Einfälle. Sie verschwinden trotz meiner eiserner Konzentration
und meines festen Willens, bevor ich wieder an einen Stift komme.
Ich muss an meine Angewohnheit
denken, jedes Mal, wenn ich eine Zeile in
mein Notizheft geschrieben habe, meine Hand mit dem Stift zwischen Daumen,
Zeige- und Mittelfinger über das Geschriebene hinweg über die Heftseite gleiten
zu lassen. Von links unten nach rechts oben. Je öfter ich das mache, umso
weniger ist es nur einfach eine Bewegung mit der Handfläche übers Papier. Es
verwandelt das erst einmal schnell Skizzierte, Hingeworfene in etwas
Bedeutendes. Ein liebkosendes Streichen der Hand über meine Gedankenfetzen.
Sonntag, 4. Mai 2014
Mit Katzen verbrachte Zeit ist nie verschwendet
Ich war mit dem Staubsauger zugange gewesen. Seit zwanzig Jahren hatte ich mit breitem Tesaband die Schadstellen gekittet, das Band regelmäßig erneuernd um Bruchstellen und Undichtigkeiten im Schlauchsysem gewunden. Ich war auf der Suche nach dem Staubsauger, dessen maroder Schlauch unseren Vermieter interessierte, der Ersatzteile mitgebracht hatte, war in Begleitung des „Großgrundbesitzers“ so heftig in dem schmalen dunklen Gang über einen im Weg liegenden Sack mit Bootszubehör gestürzt, dass ich grün im Gesicht und mir den Arm haltend aus der Kammer des Staubsaugers auftauchte und mich auf einen Stuhl ihm gegenüber setzte, entsetzt über den fremden Schmerz eines ausgekugelten Schultergelenks.
„ Kannst du den Arm bewegen?
Der Großgrundbesitzer und ich
duzen uns.
Ich hatte mich nicht getraut ,
den Arm zu bewegen. Da war eindeutig was nicht in Ordnung.
„ Guck mal, ob sich das links wie
rechts anfühlt,“ hatte ich ihn aufgefordert.
Obwohl ich vorher heftig mit ihm
gestritten hatte, war er hinter mich getreten und hatte mich vorsichtig massiert.
„ Ich glaub hier fühlt sich das
normal an.“
„ Weiter unten?“
Er hatte sich vorsichtig nach unten
vorgetastet, während ich unseren Kater betrachtete, der auf dem Stuhl neben mir
seine Vorderbeine streckte, einen Buckel machte und sich wieder einrollte.
Vorsichtig bewegte ich meine Hand auf den Kater zu, einige Zentimeterchen
weiter, drehte meinen Arm dabei in winzigen Kreisen um das Gelenk, und als meine
Finger das weiche getigerte Katerfell berührten, machte es Plop, ein eigenartiges nie gekanntes
Gefühl und Geräusch, und es war gut.
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