Sonntag, 4. Dezember 2016

Annabelle

Und wieder ist er da ,
der kleine Weihnachtsmarkt. 
Morgens leer und öde,
abends voller Leben.
Ganz klein ist er,
eine Imbiss und ein Glühweinstand, und einer mit Gebäck.
Es sieht gemütlich aus, und gerne würd´ich mal verweilen.
Doch da ist leider dieses Karussel.
Es dreht sich nicht zu leisen Weihnachtsklängen,
Schlagergedudel begleitet seinen Kreis,
unerträglich und gemein.
Beim eiligen Passieren sehe ich das kleine Mädchen.
Es ist so um die zwei,
sitzt einsam auf dem glatten Elefanten.
Es hält sich krampfhaft fest und schaut nach innen, zur
Mitte dieses Fahrgerätes.
Am Rande fuchtelt mit den Armen wild, die Mutter, schreit:
„Annabelle! Hier bin ich, Annabelle!!!!“
Annabelle hört sie nicht, ist wohl beschäftigt mit der Angst.
Sie möchte wohl so gern die Mutter sehen, 
dann wäre sie stark und groß.
Ich kümmere mich nicht weiter,
gehe weg.
Noch eine Weile höre ich die wilden Rufe.
„Hier.......Annabelle......Hier!“
Annabelle muß noch ein wenig warten.

Freitag, 2. Dezember 2016

Lauschgenuss



Ich hielt  meine  Augen geschlossen, saß still auf dem dreibeinigen Hocker im Atelier unseres Vaters. Ich hörte das Geräusch seiner Sohlen auf dem Steinfußboden, wie er seine Skulptur umkreisend mal stehenblieb, mal  zwei drei Schritte weiter ging, das leise Schaben seines Werkzeuges an dem noch feuchten Ton, ein leises Quietschen des drehbaren runden Arbeitstisches, das  Plätschern und Tröpfeln des Wassers in der Tonwanne, wenn er einen neuen Tonklumpen herauslöste oder einen  eingetauchten Lappen auswrang.
Von draußen drangen jetzt Stimmen durch die Fenster, ich hörte meinen Namen rufen, meine Geschwister riefen mich. Es schreckte mich auf aus meinem Lauschen, ich wollte weiterhin nur dieses kribbelige Vibrieren meiner Ohren in der Dunkelheit, kniff meine flatternden Augenlider wieder fest zu, ließ einfach die Rufe draußen geschehen und war dankbar, dass auch mein Vater einfach ruhig weiter seine Skulptur umkreiste und ich noch ein Weilchen da in der Stille und Abgeschiedenheit seines  Ateliers auf meinem Hocker  sitzen bleiben und den leisen Klängen zuhören konnte, die seine Arbeit begleiteten.