Grauenvoll
Es ist nass und kalt
Der Herbst ist angekommen
Überfällt uns mit Nässe und Kälte
Nicht vorbereitet stehe ich frierend im Regen
Zuguterletzt noch vor Weihnachtsgebäck im Supermarkt
Und mein Zug nach hause hat Verspätung
Mittwoch, 25. September 2013
Sonntag, 22. September 2013
Ein Vogel kackt
Ich hab eine
Krähe an den Bahngleisen beobachtet. Eine Krähe ist nichts Besonderes, wie das
Leben an sich nichts Spektakuläres an sich hat. Sie hat schwarz
glänzendes Gefieder, einen strammen muskulösen Körper, einen wachen klugen Blick und sie
führt ihr Leben bis sie verendet. Ihre Tage reihen sich aneinander in ewiger
Wiederholung und Abfolge derselben nötigen Tätigkeiten. Sie sucht Nahrung,
vertreibt andere Krähen, die ihr das Futter streitig machen, pickt hier und da
etwas auf, kopuliert hin und wieder mit ihren Artgenossen, sucht sich zur
Nachtruhe ein geeignetes Plätzchen, wo sie die Augen schließt, um sie am frühen
Morgen wieder zu öffnen und aufs Neue den hereinbrechenden Tag zu begrüßen.
Und doch konnte ich meine Augen nicht von ihr lassen, hatte sie mich gefangen genommen, wie sie da über den Bahnsteig stolzierte, kurz
innehielt, um zu kacken, wie sie sich bewegte, ihren Kopf mit den aufmerksamen runden
Augen in die eine oder andere Richtung
wendete, stolz die Welt überblickte, mit Krallen und Schnabel eine weggeworfene
Papiertüte mit den Resten eines Croissants oder einer Zimtschnecke systematisch
öffnete, Stück für Stück, bis alles zerfleddert um sie herum verstreut lag und
sie mit ihrem Fang im Schnabel laut schnarrend und triumphierend in eleganten
Flug sich davon machte.
Schönheiten
Diese kleinen, verkommenen, im Wald versprengten Hütten
faszinieren uns weil wir wenig geliebte Plätze unserer Geschichte so
unverändert vorfinden. In gleicher Umgebung, zwischen ähnlicher Vegetation, nicht
angerührt von späteren, unsere Spuren verwischenden Geschichten. Wir können
unmittelbar in einen Teil unseres frühen Lebens zurückkehren, darin umherspazieren.
Die Hütten stehen da, verrottete Schönheiten noch mit auf der Tapete hinterlassenen Abdrücken unserer
Handflächen. Fast können wir unsere Schritte ums Haus hören auf dem Streifen
grauen Sandes um die Mauerwände, stehen vor den geöffneten rot-gelben Türen, vor der Kuhle im schwarz gesprenkelten Sand bei der großen Fichte, wo Konsti das
vom in den Boden gerammten Stock schlapp herabhängende blau-weiß gewürfelte Küchenhandtuch als Segel in der Faust hielt.
Wir werden immer wieder dahin zurückkehren, solange es
uns und diesen von der Zeit unberührten Platz zwischen den Tannen gibt.
Samstag, 21. September 2013
Wasserbarmbek
Ich muß nochmal zurück zu Haus 7.
Ich war heute da, ganz allein.
Ich war ganz aufgeregt.
Es war ein schon recht herbstlicher Sonnabend.
Ostseemänner waren viele unterwegs, braungebrannt, in Jogginganzügen mit ihren Klapprädern.
Ich parkte das Auto vor dem Grundstück und ging zum Tor.
Es war herausgerissen und lag am Boden.
Vorsichtig stieg ich drüber und machte mich auf.
Einen Weg gab es nicht mehr.
Ich mußte mich durch dichtes aber niedriges Brombeergestrüpp arbeiten.
Hier und da lag altes Mobiliar verrottet im Unterholz.
Leicht erhöht lag dann das Kaminhaus da,
und gleich danach ging es rechts den kleinen Weg zum Blockhaus.
Ich ging langsam den damals so dunklen Weg durch die Tannen,
und dann war ich wieder da.
Haus 7 lag da, wie vor 50 Jahren, nur zerstört und
verfallen,
aber es war alles noch da, verstreut im und ums Haus, verfault und halb vergraben.
Zum Klo konnte ich nichtdurchkommen. Ich hätte einen Machete benötigt.
Wie man sieht sind die Türen nicht, wie in meiner Erinnerung grün, sondern gelb mit rot.
Reingehen tun wir dann das nächste mal.
Ich war heute da, ganz allein.
Ich war ganz aufgeregt.
Es war ein schon recht herbstlicher Sonnabend.
Ostseemänner waren viele unterwegs, braungebrannt, in Jogginganzügen mit ihren Klapprädern.
Ich parkte das Auto vor dem Grundstück und ging zum Tor.
Es war herausgerissen und lag am Boden.
Vorsichtig stieg ich drüber und machte mich auf.
Einen Weg gab es nicht mehr.
Ich mußte mich durch dichtes aber niedriges Brombeergestrüpp arbeiten.
Hier und da lag altes Mobiliar verrottet im Unterholz.
Leicht erhöht lag dann das Kaminhaus da,
und gleich danach ging es rechts den kleinen Weg zum Blockhaus.
Ich ging langsam den damals so dunklen Weg durch die Tannen,
und dann war ich wieder da.
Haus 7 lag da, wie vor 50 Jahren, nur zerstört und
verfallen,
aber es war alles noch da, verstreut im und ums Haus, verfault und halb vergraben.
Zum Klo konnte ich nichtdurchkommen. Ich hätte einen Machete benötigt.
Wie man sieht sind die Türen nicht, wie in meiner Erinnerung grün, sondern gelb mit rot.
Reingehen tun wir dann das nächste mal.
Donnerstag, 19. September 2013
Drachenzeit
Und dann sind wir wieder am Bahndamm.
Und es ist Herbst und Drachenzeit.
Bunte Papierdrachen standen an schönen Tagen am Himmel, einige ganz nah, andere
an endlos langen Schnüren weit weit weg.
Die Schnurrollen waren der ganze Stolz der Besitzer und wuchsen Jahr für Jahr.
Die dickste Rolle hatte immer Peter M..
Gebaut wurden die Drachen selbst.
Anstehen bei Tischler Steffen um ein paar Leisten, so um 1,50 Meter lang, dann gekreuzt zusammengebunden im Verhälnis 1:4, Oberteil zu Unterteil, Bindfaden einmal rum und Spannseil für die Qwerleiste. Jetzt sorgsam mit Papier bespannt:
"Dann fliegt er einwanfrei und ohne Schwanz."
Und dann der erste Start.
Der eine "stand wie ´ne 1",
der andere mit kleinen Gewichten in den Ecken aus Papier oder trockenem Gras.
Und andere wollten einfach nicht.
Bohrten sich knatternd senkrecht in den Boden, entledigten sich ihres Papierkleides und machten wieder Arbeit.
Aber irgenwann gesellten sich alle zusammen am Himmel, die Schnurrolle wurde irgenwo verankert, weil die Lust sie zu halten bald verging.
Später wurden brennende Laternen von ihnen in den Nachthimmel getragen , und am Boden brannten die Lagerfeuer.
Irgendwann kam dann ein neues Gesetz. 100 Meter Schnur waren noch erlaubt:
"Es könnten Flugzeuge gefährdet werden"
Vorbei war´s mit der Drachenpracht
Und es ist Herbst und Drachenzeit.
Bunte Papierdrachen standen an schönen Tagen am Himmel, einige ganz nah, andere
an endlos langen Schnüren weit weit weg.
Die Schnurrollen waren der ganze Stolz der Besitzer und wuchsen Jahr für Jahr.
Die dickste Rolle hatte immer Peter M..
Gebaut wurden die Drachen selbst.
Anstehen bei Tischler Steffen um ein paar Leisten, so um 1,50 Meter lang, dann gekreuzt zusammengebunden im Verhälnis 1:4, Oberteil zu Unterteil, Bindfaden einmal rum und Spannseil für die Qwerleiste. Jetzt sorgsam mit Papier bespannt:
"Dann fliegt er einwanfrei und ohne Schwanz."
Und dann der erste Start.
Der eine "stand wie ´ne 1",
der andere mit kleinen Gewichten in den Ecken aus Papier oder trockenem Gras.
Und andere wollten einfach nicht.
Bohrten sich knatternd senkrecht in den Boden, entledigten sich ihres Papierkleides und machten wieder Arbeit.
Aber irgenwann gesellten sich alle zusammen am Himmel, die Schnurrolle wurde irgenwo verankert, weil die Lust sie zu halten bald verging.
Später wurden brennende Laternen von ihnen in den Nachthimmel getragen , und am Boden brannten die Lagerfeuer.
Irgendwann kam dann ein neues Gesetz. 100 Meter Schnur waren noch erlaubt:
"Es könnten Flugzeuge gefährdet werden"
Vorbei war´s mit der Drachenpracht
Freitag, 13. September 2013
Frisch verknallt
Nach vier Wochen
Wasserbarmbek verliebte ich mich wieder in die Hoisdorfer Lanstraße 48.
In die
vom Kirschbaumast herab hängende Schaukel, in die durch den dicken Ast
getriebenen großen eisernen Haken, an denen die Karabiner der Schaukelseile
quietschten, in den Joringelpfad ums Haus, wo wir mit Stöcken unsere Felder
beim Länderklauen in den Sand ritzten, in
die verbeulte alte Zinkwanne neben dem Entsafter hinterm Haus, voller leerer
eingeweichter Weinflaschen, deren abgelöste Etiketten wir heraus fischten und
zu kleinen Bällchen zusammendrehten. In das Stückchen roten Schlauches und die silberne Klemme am Ende, mit der wir den heißen,
in die blanken grünen Flaschen strömenden Saft abquetschen konnten.
Ich saß wieder auf der um die ganzen
Wände des Bauernzimmers verlaufenden Bank aus groben Holzbrettern, an denen ich
mir einen zwei Zentimeter langen Splitter in den Oberschenkel rammte, den ich
nach vergeblichen Versuchen, ihn zu bergen, einfach vergaß und der immer noch friedlich
in meinem Körper zirkuliert. Rausgekommen ist er jedenfalls nirgendwo.
Nur zu der zweiten, vor
dem alten Scheunentor zur besseren Isolierung neu gemauerten Wand
im Atelier blieb ich auch nach den Ferien auf Abstand. Manchmal verirrte sich
in dem engen Spalt zwischen den beiden Wänden
eine Schwalbe oder ein Star und ich konnte das tagelange immer schwächer
werdende Flattern nicht ertragen. Man hätte die Wand niederreißen müssen, um die
Vögel zu befreien.
Sonntag, 8. September 2013
Milch
Der Laden war direkt
gegenüber auf der anderen Straßenseite. Meistens kauften wir Milch, Brot, Tee, Speck und Pfeffer. Aber oft auch nur Milch.
Die Kanne war weiß und innen blau oder schwarz. Mit der Kanne raus aus der geteilten Tür,
ein Stück Joringelpfad am Haus vorbei,
bei der Kastanie auf den Bürgersteig und
dann schräg über die breite, noch ungeteerte Sandstraße zum Laden rüber.
Auf dem Rückweg nahm
ich den Deckel von der Milchkanne in meine linke Hand und schleuderte sie mit
der rechten weit ausholend in einer Kreisbewegung über vorne über meine
Schulter nach hinten und dann am Schenkel vorbei und aufs Neue. Mit wild um
mich herum geschleuderter Milchkanne erreichte ich die andere Straßenseite.
Dass kein Tropfen verlorenging, hat mich jedes Mal begeistert. Eigentlich war
nur das Beenden der Schleuderei anfangs ein Problem. Ich musste den Arm,
nachdem ich das Tempo der Bewegung allmählich gedrosselt hatte, auf der letzten
Hälfte seiner Kreisbewegung noch ein
wenig über den tiefsten Punkt neben
meiner Hüfte vorbei nach vorne ausschwingen lassen, damit die Milchkanne sich dann ruhig wieder zurück in die normale Position
einer getragenen Milchkanne einpendeln konnte.
Irgendwann kam dann Milch in Schläuchen.
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