Sonntag, 8. September 2013

Milch







Der Laden war direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite. Meistens kauften wir Milch, Brot, Tee, Speck und Pfeffer.  Aber oft auch nur Milch. Die Kanne war weiß und innen blau oder schwarz. Mit der Kanne raus aus der geteilten Tür, ein Stück Joringelpfad  am Haus vorbei, bei der Kastanie  auf den Bürgersteig und dann schräg über die breite, noch ungeteerte Sandstraße zum Laden rüber.
Auf dem Rückweg nahm ich den Deckel von der Milchkanne in meine linke Hand und schleuderte sie mit der rechten weit ausholend in einer Kreisbewegung über vorne über meine Schulter nach hinten und dann am Schenkel vorbei und aufs Neue. Mit wild um mich herum geschleuderter Milchkanne erreichte ich die andere Straßenseite. Dass kein Tropfen verlorenging, hat mich jedes Mal begeistert. Eigentlich war nur das Beenden der Schleuderei anfangs ein Problem. Ich musste den Arm, nachdem ich das Tempo der Bewegung allmählich gedrosselt hatte, auf der letzten Hälfte seiner  Kreisbewegung noch ein wenig über den  tiefsten Punkt neben meiner Hüfte vorbei nach vorne ausschwingen lassen, damit die Milchkanne sich dann  ruhig wieder zurück in die normale Position einer getragenen Milchkanne einpendeln konnte.  
Irgendwann kam dann Milch in Schläuchen.


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