Sonntag, 22. September 2013

Ein Vogel kackt





Ich  hab eine Krähe an den Bahngleisen beobachtet. Eine Krähe ist nichts Besonderes, wie das Leben an sich nichts Spektakuläres an sich hat. Sie  hat schwarz glänzendes Gefieder, einen strammen muskulösen Körper, einen wachen klugen Blick  und sie führt ihr Leben bis sie verendet. Ihre Tage reihen sich aneinander in ewiger Wiederholung und Abfolge derselben nötigen Tätigkeiten. Sie sucht Nahrung, vertreibt andere Krähen, die ihr das Futter streitig machen, pickt hier und da etwas auf, kopuliert hin und wieder mit ihren Artgenossen, sucht sich zur Nachtruhe ein geeignetes Plätzchen, wo sie die Augen schließt, um sie am frühen Morgen wieder zu öffnen und aufs Neue den hereinbrechenden Tag zu begrüßen.
Und doch konnte ich meine Augen nicht von ihr lassen, hatte sie mich gefangen genommen, wie sie da über den Bahnsteig stolzierte, kurz innehielt, um zu kacken, wie sie sich bewegte, ihren Kopf mit den aufmerksamen runden Augen  in die eine oder andere Richtung wendete, stolz die Welt überblickte, mit Krallen und Schnabel eine weggeworfene Papiertüte mit den Resten eines Croissants oder einer Zimtschnecke systematisch öffnete, Stück für Stück, bis alles zerfleddert um sie herum verstreut lag und sie mit ihrem Fang im Schnabel laut schnarrend und triumphierend in eleganten Flug sich davon machte.

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