Ich hab eine
Krähe an den Bahngleisen beobachtet. Eine Krähe ist nichts Besonderes, wie das
Leben an sich nichts Spektakuläres an sich hat. Sie hat schwarz
glänzendes Gefieder, einen strammen muskulösen Körper, einen wachen klugen Blick und sie
führt ihr Leben bis sie verendet. Ihre Tage reihen sich aneinander in ewiger
Wiederholung und Abfolge derselben nötigen Tätigkeiten. Sie sucht Nahrung,
vertreibt andere Krähen, die ihr das Futter streitig machen, pickt hier und da
etwas auf, kopuliert hin und wieder mit ihren Artgenossen, sucht sich zur
Nachtruhe ein geeignetes Plätzchen, wo sie die Augen schließt, um sie am frühen
Morgen wieder zu öffnen und aufs Neue den hereinbrechenden Tag zu begrüßen.
Und doch konnte ich meine Augen nicht von ihr lassen, hatte sie mich gefangen genommen, wie sie da über den Bahnsteig stolzierte, kurz
innehielt, um zu kacken, wie sie sich bewegte, ihren Kopf mit den aufmerksamen runden
Augen in die eine oder andere Richtung
wendete, stolz die Welt überblickte, mit Krallen und Schnabel eine weggeworfene
Papiertüte mit den Resten eines Croissants oder einer Zimtschnecke systematisch
öffnete, Stück für Stück, bis alles zerfleddert um sie herum verstreut lag und
sie mit ihrem Fang im Schnabel laut schnarrend und triumphierend in eleganten
Flug sich davon machte.
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