Meine einstige Welt verkleinert sich Tag für Tag, mein Handlungsspielraum
verengt sich. Die Dimensionen verändern sich, das Haus, die Abmessungen des Gartens, selbst die Höhe
der Akazien hinten am Zaun zum Nachbarn wirkt absurderweise seltsam verändert. Eine alles umfassende Enge,
eine erst einmal geschrumpfte Existenz.
Gestern Nacht staunte ich über eine überraschende Weite, die
meine neue enge Welt in sich barg. Aus praktischen Gründen habe ich die Bettseite gewechselt,
bin mit meinem Lager nur einen guten Meter weiter nach links gerückt und doch
war es ein Umzug mit neuer Perspektive und neuem Ausblick. Das Licht fiel in
anderem Winkel in den Raum, die Wände weiteten sich nach außen, gaben den Blick
frei auf bisher verborgene Ecken, veränderte Farben, nie wahrgenommenes Licht und Schatten.
Mein erster Impuls war, den übervollen Aschenbecher, der auf meinem frisch eroberten, nun geräumigen
Nachttisch zwischen Stapeln von Papieren stand, zu leeren.
Dann habe ich die Zeitschriften auf den viel kleineren
runden Nachttisch auf meiner ehemaligen Seite gestapelt. Da blieb nicht mehr
viel übrig von der Tischfläche, alles hing über den Rand hinaus. Die vielen
Taschentücher packte ich obendrauf. Die Lampen ausgetauscht und die
Taschentücher obendrauf auf den riesigen Stapel. Es hat mir außerordentliches
Vergnügen bereitet dieser Umzug, Ich zog
den bisher unten zu einem dicken Knoten verschnürten weißen Leinenvorhang vor
das kleine rechteckige Fenster auf meiner neuen Seite zu, so dass er auch das
schäbige schmuddelige Stück Wand darunter verdeckte. Ich kann jetzt durch die offene
Tür in die Küche schauen, die Außentür zum Garten nur eine gute Armlänge von
mir. Es gefällt mir hier.