Dienstag, 23. Februar 2016

Morgen gibt`s nur 3 Grad



Obwohl es heute morgen wieder kalt und windig war, mit Temperaturen um 4 Grad, Böen von fast 50 kmh und Graupelschauer angesagt waren  und ich etwas mutlos durchs Fenster sah, entschloss ich mich doch, das Angebot meines Töchterchens, mich mit dem Auto zur  Arbeit zu bringen, auszuschlagen und mit dem Motorroller zu fahren. Ich hievte mich eingepackt in Skihose, Rollkragenpullover, zwei dicken Wolljacken unter winddichtem gefütterten Anorak, gegürtet mit dem Nierengurt von „Reusch“, zu doppeltem Umfang angeschwollen  auf den Rollersitz. Als ich mir den Helm aufsetzte, zwei Schals um Hals und Gesicht zurrte und mir mir klammen Fingern die Handschuhe umständlich anzog, schien  mir meine Entscheidung etwas rätselhaft.
Doch schon nachdem ich Ahrensburg hinter mir gelassen, die vielen engen Kurven von Bünningstedt genommen hatte, den kalten Fahrtwind am Gesicht, spätestens aber auf der langen Geraden Richtung Ammersbek, reckte ich den vermummten Hals, wurde mir froh ums Herz. Rechts und links die winterlichen Felder, vorbei an Knicks  und schiefen Zäunen, die kleine Weiden und Äcker voneinander trennen, an zwei im Dunst dicht aneinander geschmiegten grasenden Pferde neben einem wackeligen Unterstand, vorbei an den Kopfweiden in der Ferne vor den ersten Häusern des Ortes. Ein gerodetes Stück Land,  eine Scheune mit zwei dunkelgrün gestrichenen zweiflügeligen Toren. Mit vom Fahrtwind tränenden Augen hinter dem Visier grinste ich hinter  meinen Schals, flogen meine Augen über die Weite.
Morgen gibt’s nur 3 Grad. Dann zieh ich eben noch ein Wollhemdchen drunter.


Montag, 22. Februar 2016

Der Totenschädel



Zu unserem Haushalt gehört seit einigen Jahren ein kleiner täuschend echt aussehender Totenschädel aus Plastik, den ich vor Jahren im Aquarienhandel gekauft hatte. Erst schmückte er meinen Baba Jaga Zopf bei einem Bühnenauftritt mit Hexenspektakel, dann lag er zwei Jahre am Rande eines bemoosten Wassertellers zwischen Steinen, Muscheln Spinnen und Holzborken im ausrangierten und trocken gelegten Aquarium hinterm Haus, wo unser ältester Enkel Jungfrösche hielt. Lange Zeit blieb er unbeachtet in einer Ecke auf dem Fenstersims meines Arbeitszimmers liegen und die letzten beiden Sommer hatte er seinen Platz neben der großen Chinavase draußen auf dem Terrassentisch.
Als ich vorhin noch ein paar Holzscheite für den Kamin holen wollte, fiel mein Blick kurz auf den mit einer Plane winterfest verpackten Tisch und blieb an dem Totenschädel hängen, der zusammen mit einem Aschenbecher in Schildkrötenform und einigen herabgewehten Blättern und Zweigen in einer kleinen Pfütze auf der grünen Plane lag.
Plötzlich wollte ich ihn nicht mehr in meiner Nähe haben. Ich habe ihn mit spitzen Fingern angefasst und in hohem Bogen über die Hecke zum Nachbarn  rüber geschleudert.