Ich wache auf, weil ich geträumt hatte und irgendetwas Überraschendes in eben diesem Geträumten muss mich aus dem Schlaf gerissen habe. Daß wir in unseren Träumen doch schon von Natur aus mit unerwartetem Erleben reichlich beschenkt und ausreichend daran gewöhnt, uns nicht bei jeder Bagatellüberraschung gleich aus unserer Traumesruhe bringen lassen, ich jetzt aber mit staunend aufgerissenen hellwachen Augen auf den Kopfkissenzipfel neben mir starre, spricht für die Außergewöhnlichkeit meiner Traumüberraschung.
Es war eine Szene am Meer und anstatt, wie ich es gewöhnt war seit mein Körper mir nicht mehr gehorchte, entweder von meinen Kindern, Schwiegerkindern, meinen Geschwistern oder Nichten und Neffen auf einer Strandliege gebettet zwischen orientalischen Kissenrollen wie in einer Sänfte über den Strand ans Meer getragen zu werden, fühlte ich mich nun gewuchtet in einem großen zerbeulten alten Pappkarton, über dessen Rand ich gerade so eben die bebenden Schultern und schweißnassen Profile meiner Träger erkennen konnte.
Einen Augenblick später hockte ich nicht mehr zwischen den schwankenden Pappwänden, sondern stand mit beiden Beinen, die Füße im heißen Sand, etwas abseits von der Szene und betrachtete das Geschehen aus sicherer Entfernung.
Erst war ich unsicher aber dann erkannte ich fast etwas beschämt über diese Verwandlung die Gestalt im Karton. Es war mein kleiner Bruder.

