Samstag, 18. Februar 2017

HInter der Rhododendronhecke


Ich schaue aus dem Fenster hinüber zu der Rhododendronhecke, die unseren Garten vom Nachbargrundstück trennt, auf die dahinter im Dunst dieses trüben Februarnachmittages liegende ziegelrote Fassade des Nachbarhauses. Ich sehe unseren langjährigen Nachbarn bekleidet mit dunkelgrauer Wollmütze und hellem Wintermantel an einer Hausecke auftauchen, zwischen Hauswand und den Rhododendren langsam seinen Weg fortsetzen und um die  andere Ecke wieder verschwinden. Nach kurzer Zeit erscheint seine Mütze wieder an der Ecke, die er gerade eben umrundete, und nun geht er den gleichen Weg zurück, biegt um die Hausecke, wo seine graue Mütze das erste Mal auftauchte. Diese langsame Wanderung verfolge ich mit erstaunlichem Interesse. Schon das vierte Mal sehe ich durch vereinzelte Lücken im dunkelgrünen Rhododendronblattwerk wie die hellen Flecken von Mütze und Mantel in eben dieser Weise von rechts nach links und dann von links nach rechts langsam an der Hauswand entlang schweben.
Ich denke darüber nach,warum diese alltägliche Szene eines in seinem winterlichen Garten umherstreifenden Nachbarn meine Aufmerksamkeit weckt, zu  einer so intensiven Beobachtung Anlass bietet, mich fragen lässt,was ihn wohl zu dieser Wanderung veranlasste, was ihm durch den Kopf geht unter seiner Strickmütze während er dort umherstromert.
Es gibt wohl Phasen und Umstände im Leben, die gekennzeichnet sind durch eine deutlich geschärfte Sinneswahrnehmung für unsere Umgebung, die uns umgebende Natur, für die Menschen, Tiere und Pflanzen in unserem Lebensraum, wo jedes kleinste Detail unseres Alltags, unseres Tagesablaufes Gewicht und Bedeutung erfährt.
Vielleicht hat unser Nachbar nur  mit dem Hochdruckreiniger die Steinplatten ums Haus abgespritzt.

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