Montag, 28. Juli 2014

Dem Schnitter die Tür




Hier ist es bald soweit,
doch wir lassen ihn noch ein wenig warten,
und weisen ihm mutig die Tür.
Beschwernissen des Sommers
folgen oft bleiernde Nebel des Herbstes, 
doch dessen Farbenpracht gibt Freude und Zuversicht.
Auf auf !!

Mittwoch, 23. Juli 2014

Sommerliche Beschwernisse



Schon lange hatte ich bemerkt, dass mein eigener Pulsschlag nicht mehr dem der übrigen Welt entsprach. Die meisten Menschen schienen mir wie betäubt, wie unter dem Einfluß schwerer  Tranquiliser oder hoch dosierten Schlafmitteln. Jetzt war auch noch mein  rechter Fuß übergelaufen auf diese dösende andere Seite, hatte sich von mir abgewandt, machte gemeinsame Sache mit einer mir fremden unverständlichen  Schläfrigkeit. 
Auf auf!!! 

Dienstag, 15. Juli 2014

Unterwegs

Lange habe ich nicht in so einem Waggon der Bahn gesessen.

Es ist so einer, wie sie schon lange nicht mehr fahren, mit Fenstern, die man noch per Hand herunterschieben kann, und genau diese Fenster ließen mich zurückdenken. Ungefähr 40 Jahre ist es her, und doch noch wie gestern.

Wie wir Jungs, die meisten waren noch Schüler, wie ich, uns am Freitag nachmittag versammelten am Bahnbetriebswerk Langenfelde, bei Herrn Starke unsere Wagennummer mit Belegungsliste entgegennahmen, gespannt auf den
Dienstplan schauten, um zu sehen mit welchem Reiseleiter wir diesmal fahren würden, und dann, nach den üblichen Ermahnungen, über die endlosen Gleise des Abstellbahnhofs zogen, um unseren Zug zu finden, auf dem wir nun das Wochenende verbringen würden.

Hergefahren war ich mit der S Bahn, und dann später mit meinem kleinen Auto, einem Fiat 850, der so verrottet war, das man durch das Bodenblech die Straße sah, und die Beifahrertür zugeschweißt war, da sie sonst beim Öffnen herausfiel. Aber es war mein ganzer Stolz und verdient hatte ich mir ihn mit diesem Job als Liegewagenbetreuer bei der SBG, der SonderzugBetriebsGesellschaft der TUI.

Es waren wunderschöne dunkelblaue Waggons, mit dem Schriftzug "Touropa" an der Seite, und „unsere“ hatten wir bald gefunden, und auch das „Aufrüsten“, das Ausstatten der einzelnen Abteile mit dem nötigen Bettzeug war schnell erledigt.Dann saßen wir meist rauchend in der offenen Waggontür, oder trafen uns am Speisewagen, wo wir uns noch mit den zu verkaufenden Getränkepaletten einzudecken hatten.

Irgenwann ging dann ein leichter Ruck durch den Zug, und wir wußten, dass nun unsere „110“ vorgespannt war, und bald schlängelte sich die endlose Wagenreihe über die Abstellgleise.Ich stand immer am offenen Fenster und habe es genossen. Dieses Geräusch, wenn sich die Räder über die Weichen schoben, oder es kreischend in enge Kurven ging, und der Zug zuletzt quietschend im Altonaer Bahnhof ankam und unsere Reise durch die Nacht begann.

„Kreiensen Kreiensen, hier ist Kreiensen“! Diese Lautsprecherdurchsage ist mir immer noch im Ohr. Es ist ein Städtchen zwischen Hannover und Göttingen. Es kamen dann noch Bebra und Fulda, und ab da schliefen fast alle meine Gäste, und ich stand wieder am offenen Zugfenster, schaute in die Nacht und genoß den kühlen Fahrtwind und das „Tadangtagang Tadangtadang“ der eisernen Räder auf den Schienen. Ich war unterwegs.






Donnerstag, 3. Juli 2014

Vorbeigucken oder " Ich nehme die Burka"





Aber wenn man sich zu selten ansieht, lässt  der Schreck  nicht nach, das Zurückprallen. So  oft wie nur möglich sollten wir uns uns zumuten, in jedem erbarmungslosen Zustand. Morgens nach dem Erwachen, am besten in unvorteilhaftestem Licht, nach Heul- und Wutanfällen,  im  grellem Ladenlicht, in Umkleidekabinen.Beim Friseur! Den Blick fest  auf dein neues Gesicht über dem vom zugezurrten Halsverschluss  des Umhangs gekräuselten ehemaligen Schwanenhals gerichtet. Je größer die Vertrautheit mit der veränderten Erscheinung, umso eher hat man die erste  Stufe des Schreckens überwunden.
Im Moment guck ich auch noch angestrengt an mir vorbei. 
Aber nicht mehr lange!