Als vorhin ein Sonnenstrahl auf unseren trockenen,
abgetretenen aus einfachen Fichtenbrettern gezimmerten Boden fiel, kam mir wieder eine
Szene aus frühester Kindheit in den Sinn. Der frisch gebohnerte Dielenboden im
Bauernzimmer der Reetdachkate mit den an zwei Wänden entlanglaufenden Holzbänken. Zum Polieren
banden wir uns alte Wolllappen an die Füße und rutschten auf den duftenden, feucht
glänzenden Dielenbrettern entlang, immer in der Richtung der Maserung, nie
gegen den Strich, sonst bremste ein hochgerissener Splitter unsere Fahrt.
Zuerst ging es noch mühsam auf dem noch stumpfen Holz aber nach ein paar Runden
auf jedem Brett wurde es glitschiger, ging es schneller. Wir schlitterten von
der Ofenecke zur Bankreihe unter dem Fenster, stützten uns kurz mit den Händen
am Rand der Bank ab, schnellten herum und rutschten wieder rüber zum großen
Kachelofen, stießen uns ab und drehten.
Der Boden wurde nie spiegelblank. Immer verloren wir die Lust an diesem Vergnügen lange
bevor der Boden den eigentlich erwünschten Glanz erreichte. Allenfalls unsere
wachsgetränkten, von den Füßen gezogenen Lappen kamen dem gewünschten Ergebnis
eines professionell gebohnerten Bodens nahe.
Zum Abschluss holten wir uns jeder einen Buntstift, legten
uns flach auf die Dielenbretter, die Köpfe dicht beieinander, die Wangen neben
unseren freien, mit weit aufgefächerten Fingern fest auf die duftende Glätte des
Holzes geschmiegten Händen lagen wir lange da in dem Bienenwachsgeruch und schoben unsere Buntstifte in
den mit Bohnerwachs verkleisterten Fugen hin und her.