Sonntag, 20. Dezember 2015

Zurechtgerückt

Ich radle durch die Dunkelheit des Dezembermorgen zur Arbeit.
Wenige Tage noch bis Weihnachten.
13 Grad plus und Nieselregen.
Ein Wetter zum schlechte Laune kriegen.
Meine ist gut.

Mein Fahrrad hat Licht.

Mein altes blaues Damenrad aus den Siebzigern hat schon eine Weile ausgedient.
Jahrelang hat es bei jedem Wetter oft tagelang auf mich gewartet.

Am Bahnhof.

Dann ist es müde geworden und nun gestorben.
Das Licht ging schon lange nicht mehr.
Das Neue ist ein langweiliges Herrenrad.
An die blöde Stange muß ich mich erst gewöhnen.
Sie ist im Weg, und der kühne Schwung des Beines über den Sattel muß wieder geübt werden.

Es ist eigentlich alles wie immer kurz vor Weihnachten morgens kurz vor acht.
Die Straßen sind großartig ausgeleuchtet.
Noch sieht das kaum jemand.
Der kleine Weihnachtsmarkt schläft noch.
Die Menschen eilen schweigend ihrem Tagwerk zu.
Die am Straßenrand aufgestellten Tannenbäume stehen etwas schief im Nieselwind
größtenteils ihres Schmuckes beraubt,
der abseits liegt.

Sie werden später schon zurechtgerückt.

Die Ampel geht von „Grün“ auf „Rot“.
Ich warte,
Fahre weiter.
Das rote Tuch hängt dort an seinem Platze,
und  winkt mir zu.

Montag, 14. Dezember 2015

Ich staune


Meine Schrift verändert sich. Vor einigen Tagen habe ich zum ersten Mal etwas Unvertrautes bemerkt, als ich mein Notizheft  aufschlug, die Seiten auffächerte. Das Schriftbild war leserlicher, strukturierter linearer. Die ausladenden Schwünge meiner fließenden Handschrift nur noch über die ersten Zeilen am Seitenanfang, dann hatte ich, ohne es zu bemerken, angefangen Druckbuchstaben zu schreiben. Das Blatt gefiel mir nicht, das war eine fremde, mir  unbekannte Schrift.
 Jetzt setzte ich zur Selbstkontrolle an, schrieb ich staune   in alter lässiger Gewohnheit  mit fließenden Übergängen zwischen den Buchstaben. Ich hätte es nicht entziffern können, wenn ich es  nicht grad eben niedergeschrieben hätte. 
    Ich staune    schreibe  ich noch einmal. Ganz groß.
Jetzt schreibe ich nicht wie gewohnt in alter Manier, pro  Wort einen Ansatz, einen Schwung, vom ersten bis zum letzten Buchstaben. Ich  schreibe langsamer, gebe mir Mühe mit den Kurven und Linien der Zeichen und  ihren  Übergängen, beinahe wie in der Schönschreibstunde in der Grundschule, mit der Zungenspitze zwischen den Lippen. Das kann ich lesen. Sogar  gut.
Ich  will noch mehr scheiben aber dann klappe ich das Heft zu und schiebe es so weit es geht von mir weg, gebe ihm noch einen kräftigen Schubs  bis es  von der gegenüber liegenden Tischkante plumpst.



Freitag, 4. Dezember 2015

Fehlkauf


Es gibt wichtige Entscheidungen und belanglosere, manche haben drastische Folgen und einige sind ohne nennenswerte Bedeutung. Zu den letzteren gehören Fehlkäufe. Meistens resultieren  solche Fehlkäufe durchaus nachvollziehbaren Impulsen und Bedürfnissen, wo unsere Vorstellungskräfte weit ins Blaue hinaus geschossen sind und sich das Erworbene  bei genauerem  Betrachten als untauglich erweist. Es gibt aber auch Impulse, deren Ursprung und Antrieb völlig unerklärt bleibt.
 Im Traum kaufte ich gestern Nacht zwei ungefähr armdicke und fast einen halben Meter lange Welse. Sie waren eingeschweißt. In der Klarsichtpackung war Wasser und oben ein wenig Luft. Ich sah ihre Mäuler an der durchsichtigen Plastikhaut  auf und zu gehen. Ab und zu stiegen sie kurz zur Luftblase hoch  und tauchten wieder ab.
Zu Hause angekommen hielt ich die beiden dicken eingeschweißten Welse auf Armes Länge vor mich hin, betrachtete  die sich windenden glänzenden dunklen Fischleiber und ihre schnappenden Mäuler und selbst im Traum gab es keinerlei Hinweis, wie ich zu dem Bedürfnis nach diesen Fischen gekommen war. Weder gibt es einen Teich oder Tümpel im Garten, noch waren es Kochwelse, noch hatten diese dicken Fische ein sinnvolles Julklappgeschenk abgeben können.
In meiner Ratlosigkeit  hab ich sie dann erstmal draußen auf dem nassen Rasen zwischen den Maulwurfshügeln ausgekippt. Als ich nach dem Aufwachen vorsichtig die Terrassentür aufmachte und in den Garten schaute, waren sie Zu meiner großen Erleichterung verschwunden.