Montag, 29. April 2013

Frühstücksbrief IX


Morgenstund ist sehr gesund, hat Milch im Schlund, ist gar nicht rund,  küßt keinen Mund, ist niemals bunt, kühlt keine Wund, gibt schlechte Kund von dieser Welt - wem sie gefällt, ist schnell geprellt.

Herzlichst  Tobias

Versunkene Kathedralen



In meiner Vorstellung gleichen die ersten Bilder unserer Existenz den letzten. Manchmal nur ein Geruch, eine Bewegung, die Geste einer Hand, die Farbe und Beschaffenheit eines Kleides oder Mantels, ein bestimmtes Licht ein Klang.
Manchmal glaube ich mich erinnern zu können, eingehüllt in Decken zwischen den steil neben mir aufragenden, leise hin- und her schaukelnden Wänden meines Kinderwagens durch das Leben geschoben zu werden, an dem ich nur aus weiter Ferne schon teilnahm. Wo ich, mein Gesicht von einem fahlen gelblichen Verdeck beschattet, auf das Geraune um mich her lauschte, ohne etwas zu verstehen, ohne mich zu rühren, einfach nur so rücklings ausgestreckt die Wolkenfetzen am Himmel vorbeiziehen sah, die Baumkronen im Wind und einzelne Gesichter, die sich ab und zu vor Himmel und Bäume, vor eine Häuserecke oder eine Straßenlaterne schoben; wie ich von Armen auf- und hochgenommen wurde, einen kurzen Moment in der Schwebe blieb, um wieder zwischen Tüchern, Stoff, Haut und Atmen eingebettet zu werden.


Samstag, 27. April 2013

Zugzwang???

Die verlorene Zeit? 

Die verborgene Zeit!

Was bleibt von über 50 Jahren Erinnerung?
Kurze Fragmente aus der frühen Kindheit. Später wird es etwas mehr. Manchmal fehlen ganze Jahre. Ich muß mich anstrengen, die Dinge, Ereignisse und Gedanken hervorkramen. Ich muß sie mir mühsam erarbeiten, wieder hervorwühlen aus dem riesigen Haufen angesammelter Zeit.

Gestapelte Zeit.

Aufeinandergeschichtet wie ein Haufen alter Bretter, unüberschaubar, unten schon fast verfault. Tritt man dagegen, staubt es kurz, und dann liegt der Stapel wieder da, für Jahre, Jahrzehnte, ewig.
Ich stelle mir das Bild vor. Ein Schuppen voller Dinge. Einfach so zusammengeworfen.
Wichtiges,wertvolles, und nutzloser Kram ohne Wert. So muß ich ans aufräumen gehen, Stück für Stück herausklauben, entstauben, prüfen, betrachten und entscheiden. Müll Oder doch ein paar Gedanken wert?
Wie kam es hierher? Jedes Stück, und sei es noch so wertlos, ist ein Teil meiner Geschichte, ein Teil meiner Zeit, 
ist eine Geschichte, 
wenn man sie zu erzählen versteht.
Ich muß einfach anfangen, irgendwo, ohne Reihenfolge.
Wo liegen sie, meine ersten Erinnerungen?

Zugzwang







Es bahnt sich was an. Sobald die Nase des Zuges sichtbar wird, setzten sich alle in Bewegung, laufen ein Stück neben ihm her, in Fahrtrichtung. Immer der Nase nach. ( Das Kamel hat schon die Schnauze im Zelt). Käme der Zug rückwärts fahrend an ihnen entlang gerollt, würden alle in die entgegengesetzte Richtung laufen.
Im Zug ist man dicht dran an den Landschaften, Dörfern und Städten.Mitten durch zieht er seine  Bahn auf festen schmalen Trassen, fast wie ein Fahrradweg durch Felder. In Italien und auch im Osten Norddeutschlands  sind die Bahnsteige nicht viel höher als unsere  Kantsteine. Autostraßen reißen breitere Flächen aus dem Land.
Ich hab Bahnfahren schon immer schön gefunden, nicht nur das U- Bahnfahren durch Hamburg. Vor allem die Regionalzüge nach draußen an den Landschaften vorbei. Mit Karacho durch die Schranken in den Ortschaften, vor denen Kinder warteten mit ihren Fahrrädern und alte Leute mit Einkaufsnetzen.
Als Kind haben mich eigentlich nur die ganz Jungen und die ganz Alten interessiert. Die Leute dazwischen, so wie wir jetzt, dieses Mittelalter, schien mir nichts sagend. Da sah niemand so richtig nach jemandem  aus. Am traurigsten fand ich es, wenn man den Leuten noch ansehen konnte, wie sie früher mal ausgesehen haben könnten, wenn an  ihren Körpern und Gesichtern noch so ein Rest Jungsein zu erkennen war. Eingeschlagene Gebäude durch deren aufgerissene  offene Seiten man auf Kinder und Jugendzimmer schauen konnte, wo unter den Betten noch ihre Rollschuhe und selbstgebaute Drachen lagen. 
Ich hätte damals schon gerne dieses Mittelalter übersprungen, dieses Übergangsstadium zwischen jung und alt, in dem mir alle mehr oder weniger form- und farblos vorkamen. Nur ganz am Anfang und am Ende schienen  mir die Menschen   entweder ganz süß oder ziemlich böse auszusehen.

Freitag, 26. April 2013

Auf Rollschuhen




Ich weiß noch genau, welche Klamotten ich getragen hatte, als mir Kanalarbeiter Egon alias Rio in einem Affenzahn auf der von ihm erst kürzlich frisch geteerten Straße unter der U- Bahnbrücke zwischen den Bahndämmen in seinem Bulli entgegen kam. Ich fuhr mit zurückgelegtem Kopf mit meinen neuen Rollschuhen unter der Brücke durch, meine Augen eher in die Bäume als auf die Straße gerichtet und ich trug über der langen Turnhose mit dem ausgeleierten Gummizug an den Knöcheln und einem blauen Troyer meinen neuen Mantel. Ich glaub von Höppi! Er hatte einen kleinen Schlitz hinten und schwarzgraues Glencheckmuster. Die Steppnähte im Futter bildeten ein feines Salmimuster und Erika  hatte neue rote Knöpfe angenäht.  Die roten Knöpfe hatten überhaupt nicht zu dem Muster und den Farben gepasst, aber es war trotzdem der schönste Mantel, den ich je gehabt hatte.
 Egon hatte sein Gesicht aus dem offenen Fenster seines gelben Bullis  gestreckt und mich die ganze Zeit nicht aus den Augen gelassen und ich hatte auch meine Augen vom Himmel genommen, während er  mit unverminderter Geschwindigkeit an mir  vorbei bretterte. 
Ich war dann über den Bürgersteig stolpernd in die frisch beschnittene Hecke neben dem Radweg gestürzt, um nicht auf die direkt vor mir auftauchende Baustelle zu geraten. 


Donnerstag, 25. April 2013

Frühling

Und erinnerst Du unseren Weg dann zum Bahndamm?
Unter der U-Bahnbrücke durch, links an der großen Weide vorbei, jetzt mit silbrigen Kätzchen, durch den Knick und über den kleinen klaren Bach, durch das Sumpfgebiet, voll mit gelben Sumpfdotterblumen, dann schräg hinauf auf den Damm?

Der Bahndamm!

Spielplatz für die Kinder des Dorfes, in der Erinnerung immer warm und von der Sonne beschienen, mit dem hohen grauen abgestorbenen Gras des letzten Sommers, auf dem es sich so herrlich auf dem Hintern, oder auf kleinen Pappstückchen, hinunterrutschen ließ.
Heute sind dort U-Bahngleise und abgestellte Züge.
Kinder sind dort keine mehr, und auch kein Bach, keine Sumpfdotterblumen und keine Weide.








Als ich heute Morgen in der Frühe   die Terrassentür öffnete, wehte mir der Wind  den Duft unseres blühenden Pflaumbaumes ins Gesicht. Bis vor  einigen Tagen war die riesige Baumkrone nicht mehr als schwarzbraunes Geäst. Ein abseits stehendes unbelaubtes Baumskelett. Fein  geädert wie  Blutgefäße,  geformt  aus Stamm, schwarzen Ästen und Zweigen.  Korallengewächs!  Eigentlich ist mir die Natur im Frühjahr  am liebsten. Wenn hinter dunklem Geäst  und  braunen Stämmen nur vereinzelt kleine Farbflecken zu sehen sind.  Erste Pinselstriche auf einer Bleistiftskizze; zwischen wintertrockenen Baumgerippen eine plötzlich auftauchende zarte, rötlich oder weiß  blühende Krone.
Als ich heute im frischen Wind auf der Terrasse stand, mit dem Blütenduft um mich her, tauchte ich ab in den verwilderten Garten  der Hoisdorfer Landstraße 48.   Wir liefen damals  raus in den Garten, wenn wir am Abend vorher schon die kleinen weißen Spitzen entdeckt hatten, noch umschlossen und eingepackt in den Knospen,   es  einfach in  der Luft lag an  den Tagen vorher. Manchmal schon in  Kniestrümpfen  Sandalen und nackten Beinen, drängelten wir uns gegenseitig die Treppe hinab, stürmten zu viert raus auf den Joringelpfad,  hinters Haus, wo der Kirschbaum bereit war, seinen  Blütenzauber zu entfachen.Wer die erste Blüte sah, war seliger Sieger und alle durften sich am Nachmittag in der Bahnhofskneipe bei Pukkies das erste  Eis des Jahres holen.



Mittwoch, 24. April 2013

Hühnergott

Hier eine kleine Geschichte zu einem Stein mit Loch
http://www.zeit.de/1963/03/der-huehnergott

Fr`ühstücksbrief  VIII

Tobias  Liebeserklärung an das kalte Herz:
So ein   steinernes Herzchen besitzt bei genauerer Betrachtung  weit mehr Attraktivität als der anfällige und wankelmütige pulsierende klumpige Schrittmacher  hinter unseren Rippen, obwohl  ihm im Gegensatz zu unserem Pumpmuskel eine gewisse Hartherzigkeit und Trägheit nachgesagt wird. Dauerhaft und verlässlich seine kühle glatte Oberfläche, unerschütterlich in  Gestalt,  Form und Farbe, vielseitig einsetzbar als  Haferflockenzerkleinerer,  Briefbeschwerer und Fingermuskeltrainer. In Reihe an Schnüren hängend, reizvoll in der Hand liegende Gebetsketten für morgen- wie abendländische Meditationsübungen, 


fantastisch geeignet zur Beruhigung und Kühlung aufgeregter Schläfen, zum Einschlagen von Zeltheringen wie von Eierköpfen...! Und es sieht un- wankel-vergäng- erschütter- ewig  unend- lich sehr schön aus.   



Ansicht einer oberen Hälfte

Dienstag, 23. April 2013

Das Herz aus Stein

Das Herz aus Stein
Es liegt hier auf meinem Schreibtisch
Es fühlt sich gut an
In der Hand
Und es sieht wunderbar aus


Der Schneider von Ulm hatte Pech.  Oder Glück?
Er hatte die Aufwinde am Ulmer Münster auf der Rechnung, durfte sich von diesem aber nicht hinunterstürzen. Man traute seinen Künsten wohl nicht recht. Das hat ihm wohl das Leben gerettet.
An der Donau, wo seine Vorführung dann stattfand, fehlten diese Winde und er scheiterte kläglich, aber lebend.
Den Spott mußte er trotzdem ertragen.

Ich hab mal die Hintergrundfarbe rausgenommen. Ich glaub, Marygold liegt gar nicht so falsch mit ihrem Vorschlag. Simply black on white. Nur Tobias bleibt blau. Und du?







So wollte der Schneider von Ulm eigentlich nach oben fallen. Im Grunde wollen wir das ja alle...Er ist ins Wasser gefallen, genauer in die  die Donau. Also nach unten, wie zu erwarten war. Aber hier guckt  er noch ganz zuversichtlich...




                                      Anbei das Dokument  seines kläglichen Scheiterns... 

Montag, 15. April 2013


Ich schaue Ihr einfach mal ein Weilchen zu.
Mal sehen, was sie zu bieten hat.
Das ein oder andere wird mir schon gefallen.






Frühstücksbrief VII

Tobias hatte einen Schwächeanfall. Deshalb konnte er das Geschirr nicht für das Frühstück bereitstellen. Er wird hoffentlich wieder auf die Beine kommen und dann nie nicht mehr keine Tassen hinstellen. Er bittet freundlich darum, ihn zu entschuldigen.
P.S. Er entschuldigt sich doppelt...





... Für die   Zeit kann man gerne ein Weilchen  Halt machen. Ich hab beschlossen, eine Zeit lang zu bleiben. Und je länger ich mit ihr so zusammen bin, umso  mehr hab ich Lust, dass sie bleibt. Egal, ob sie in meinem Rücken, neben mir oder vor mir her spaziert.

Hauptsache, sie bleibt in Bewegung.
Auf die nächsten Tage bin ich besonders scharf.

Sonntag, 14. April 2013



Frühstücksbrief VI

Der Mensch ist und besteht nur eine Ewigkeit! Wenn er sich misst und vergeht, wird's höchste Zeit, daran zu denken, dass ein Faulbeerbaum ohne Absicht blüht, dass der Wind im Ofen musikalischer ist als ein Steinway Flügel, dass der Schneider von Ulm eigentlich nach oben fallen wollte und dass es egal ist, wer einem  im Traum begegnet...!




Da die Fähigkeit des Erinnerns, und ausschließlich diese,  unsere Identität  ausmacht, müssen wir wohl dem Gewesenen mindestens so viel  Respekt entgegen bringen wie der nur eventuellen Zukunft, die noch nicht mal gesicherte Existenz ist und   von geringerer  Bedeutung für  die Entstehung  unserer  Individualität. 




 ... Wir  haben




im wahrsten Sinne des Wortes alle Zeit der Welt!

Samstag, 13. April 2013

Ein Gedanke zur Zeit

Wohl wahr, wenn wir die Zeit,die vor uns liegt, als die zu gestaltende und zu erlebende betrachten.
Aber ist nicht auch die Zeit, die wir schon erlebt, die vergangen ist, noch gestaltbar?
Gerade durch Zurückschauen und Neubewertung vergangener Ereignisse ist es uns möglich, diese zu verändern, weil wir in der Lage sind, diese aus heutiger Sicht anders zu bewerten und zu erleben.
So wird die immer kürzere Zeit, die vor uns liegt, immer neu addiert mit der länger werdenden vergangenen, eine gewaltige. 
Vergangenheit ist so nicht Verlorenes, sondern  unschätzbarer Reichtum.



 ... Zumindest die  bleibende Zeit liegt, glaub ich, vor uns... hoffentlich!




Freitag, 12. April 2013

Wo ist,,,?

Wo ist der Weg
Der uns führt

Wo ist das Licht
Das uns trägt 

Wo ist die Kraft
Die uns treibt

Wo ist die Zeit
Die uns bleibt


Frühstücksbrief V





- Der Kragen frisch gestärkt -

Gebet einer Schwester

Oh Allmächtiger!

Erleuchte die Seele meines  Bruders, Prinz Georg. Erhalte ihm den scharfsinnigen Witz, mit dem er unsere erschöpften Gemüter so inniglich erheitert. Vertreibe die Wolken von seinem Gemüt, die durch den Schrottwert eines jämmerlichen Vehikels entstanden, seine Stirn umwölken. Verscheuche den Pöbel dieses altersschwachen Dorfes, das mit geiferndem Gekläff und blödem Gezisch den Blechwert einer Seifenkiste hofiert. Lehre ihn, meinen Prinzen, mit flammendem Schwert dieses lästige Geschmeiß zu verjagen! 

Donnerstag, 11. April 2013

Das Floss

Nach der heldenhaften Zerstörung der gerade nicht besetzten  Burg, vom feindlichen Stamm als Festung errichtet auf einem Erdhügel im entstehenden Neubaugebiet, genossen wir unseren Erfolg auf unserem Floss, einem armseligen Gebilde, zusammengebunden aus einigen Fässer und alten Brettern.
Der Dorfteich war unser Revier, hier waren wir die Herren.
Uns in dieser Sicherheit wiegend bemerkten wir viel  zu spät, das wir von der gedemütigten Bande, Kindern, die neu hierhergezogen waren,  umstellt waren. Erst fühlten wir uns noch sicher, denn wir waren ja hier auf dem Wasser unerreichbar.
 Die Steine, die dann nach und nach neben dem Floss ins Wasser platschten, machten uns dann doch recht deutlich, dass unsere Lage aussichtslos war.

Unter einem Hagel von Steinen mußten wir  unsere Flagge streichen. Es war eine kleine kanadische, rot mit Ahornblatt. Wir bezogen gnadenlos Prügel.
 Unseren Stolz hat das nicht gebrochen, es waren sechs oder sieben, und wir waren zu zweit, und es wurde noch so manche spätere Schlacht siegreich beendet.
Das Floss wurde damals zerstört und versenkt, die Flagge zerrissen.
Immer wenn der Teich abgelassen wurde, kamen, noch Jahre später, die traurigen, tief im Schlamm eingebetteten  Reste für einige Tage ans Licht.

Mittwoch, 10. April 2013




...auf der Straße ging so Einiges! An Himmelfahrt zogen mit großer Verlässlichkeit blutend geraufte  Ausflügler an unserem Aussichtsplatz vorbei, den beladenen Bollerwagen im Schlepp,  an Wochentagen charismatische blauäugige Straßenarbeiter in kirschroten Baggern. Dazwischen Koller, der Dorfdepp.
Bei dem mehlbestaubten Eckepup  hab ich mir einen Streifen Kaugummi, an der einen Seite geriffelt, in meine Schürze gesteckt und wurde verraten.Von der Mutter eines der Jungs aus dem Eckhof gegenüber vom Dorfteich, mit denen eure Gang sich eindrucksvolle Gemeinheiten rund um das aus Ölkanistern zusammengezurrte Floß lieferten.

...aber Tobias hat noch was zu melden:


Frühstücksbrief IV

- Der Pullover kratzt II –


BBC Broadcast. Latest news.
Dear Breakfast friends. I want you a nice Tea!  In ten minutes you all have to creep to school. But I can sleep and dream till the heaven sends me a beautiful angel, who pulls my nose a little bit to awake in this dirty world. But my life is sheet, when nobody says „ I like the rising sun and thee little friend, you are my Butterfly, your skin is my sky and your eyes are y pie.“ 
In this fucking world in the hell of this morning.When it seems to be grey, we all have to pay a penny for luck. I like Donald Duck in California, which is my flag in this fucking world of lonelyness, poverty, hunger and dead. But when i can kiss you, I never feel mad. My underclothing is pink and the oranges are red in  California!
Yeah, yeah, I never can drink a cup of tea, because I love thee, uah California!













Dienstag, 9. April 2013

Kindheit

Erinnerst Du Dich, wie wir in dem Eichenbaum, zur Straße hin, hockten, im Sommer immer mit nackten Beinen, über Gummistiefeln oder heruntergerutschten Socken, meist schmutzig und mit aufgescheuerten Knien, und beobachteten, was sich auf der Strasse tat, oder in dem kleinen Laden gegenüber, mit dem typischen "Milch" Schild, blau mit weißer Schrift, über der Tür?
Dem kleinen Laden, in dem Milch noch aus der eisernen Kanne abgefüllt wurde, von Frau Dreitich, vor der wir immer ein wenig Angst hatten, obwohl sie eigentlich niemals böse war. Aber sie war streng mit uns, und das flöste uns Respekt ein.
 Der Laden wechselte dann mehrfach den Besitzer, die Milchkanne wurde zur "Eisernen Kuh", später gab es sie in Flaschen mit Aluminiumverschluss. Irgenwann wurde der Laden dann aufgegeben.

Was blieb war "Eckepup"

..Merde! Hatte aus Versehen alles gelöscht. ...Nun wieder da. ... Baba Jaga dilletantissima! xxx



Frühstücksbrief III


Hallo Graf von der Daumenlage!

Bist du schon wach? Ich hab gehört, dass du heute morgen wieder irrsinnige Schulleistungen vollbringen musst, obwohl du als Musiker ja nur bis vier zählen brauchst, weil auch ein Stradivari Cello nur vier Saiten hat. Du musst nur während der Mathearbeit  daran denken, dass alle Ameisen Kacker sind, dass nur die Grillen, die Musik aus ihrem Leben machen, wirklich was zu sagen haben. Es ist also  eine Ehre für eine Grille als Ameise restlos zu scheitern! In diesem Sinne hustest du heute deine Zahlen aufs Papier!
Dein alter Tobias







Frühstücksbrief II

- jeden Morgen-

Hier findet jeden Morgen der 1. Akt zum westeuropäischen Trauerspiel „Stressfrühstück“ statt. Die Akteure sind nach 3566 Generalproben etwas abgeschlafft. Der Schrei „Wo sind Habis?“ wird nach jeder Probe matter. Na ja, essen Sie mal 5 Zentner Haferflocken und 3 Zentner ordinären Rübenzucker! Sie können dann bestimmt keinen Schrei mehr ablassen! Aber hier findet das immer noch statt. Jeden Morgen diese Vitalität, nachgerade ein Phänomen in der Nahrungsaufnahme.
Aber bedenken Sie auch, dass der Schauspielerberuf einen ungeheuren Verschleiß in der modernen Gesellschaft bedeutet. Sich so zu verausgaben für transzendente Leistungen im imaginären Raum, kann nur einen imensen  Haferflockenkonsum nach sich ziehen!







Zeitzeuge

Frühstücksbriefe an die wilden Kinder Prinz Seidenhaar, Mütterchen Rußland, Graf von der Daumenlage und  Frau Detsch. Ende 60-er Anfang 70-er Jahre.  Ausgewählte Briefe  von insgesamt 3566.
Verfasser: Tobias.


-Zähmungsversuch-

Morgengruß an Prinz Seidenhaar!

„ Erhebe dich goldgelockter Jüngling zur allmorgendlicher Verrichtung. Lausche begierig den klugen Worten deiner Lehrer. Sauge ihre Wörter ein wie Kölln`s feine Haferflöckchen. Lass sie auf deiner Zunge vergehen wie süßen Schmand und denke an deine Zukunft in Brasilien`s Hain, in dem du Tempel deines Geistes und deiner Phantasie pflanzt wie Gurken und Radieschen die Bauersfrau mit nerviger Hand. Wie glücklich wirst du sein, wenn du am Abend nach gataner Arbeit dich an dem Lohn, einer goldgelben Banane, satt essen kannst. Beim Gesang der Zikarden, Gezisch der Klapperschlangen und dem Gekrächze der Pleitegeier!“