Als ich heute Morgen in der Frühe die Terrassentür öffnete, wehte mir der Wind den Duft unseres blühenden Pflaumbaumes ins Gesicht. Bis vor einigen Tagen war die riesige Baumkrone nicht mehr als schwarzbraunes Geäst. Ein abseits stehendes unbelaubtes Baumskelett. Fein geädert wie Blutgefäße, geformt aus Stamm, schwarzen Ästen und Zweigen. Korallengewächs! Eigentlich ist mir die Natur im Frühjahr am liebsten. Wenn hinter dunklem Geäst und braunen Stämmen nur vereinzelt kleine Farbflecken zu sehen sind. Erste Pinselstriche auf einer Bleistiftskizze; zwischen wintertrockenen Baumgerippen eine plötzlich auftauchende zarte, rötlich oder weiß blühende Krone.
Als ich heute im frischen Wind auf der Terrasse stand, mit dem Blütenduft um mich her, tauchte ich ab in den verwilderten Garten der Hoisdorfer Landstraße 48. Wir liefen damals raus in den Garten, wenn wir am Abend vorher schon die kleinen weißen Spitzen entdeckt hatten, noch umschlossen und eingepackt in den Knospen, es einfach in der Luft lag an den Tagen vorher. Manchmal schon in Kniestrümpfen Sandalen und nackten Beinen, drängelten wir uns gegenseitig die Treppe hinab, stürmten zu viert raus auf den Joringelpfad, hinters Haus, wo der Kirschbaum bereit war, seinen Blütenzauber zu entfachen.Wer die erste Blüte sah, war seliger Sieger und alle durften sich am Nachmittag in der Bahnhofskneipe bei Pukkies das erste Eis des Jahres holen.
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