Samstag, 27. April 2013

Zugzwang







Es bahnt sich was an. Sobald die Nase des Zuges sichtbar wird, setzten sich alle in Bewegung, laufen ein Stück neben ihm her, in Fahrtrichtung. Immer der Nase nach. ( Das Kamel hat schon die Schnauze im Zelt). Käme der Zug rückwärts fahrend an ihnen entlang gerollt, würden alle in die entgegengesetzte Richtung laufen.
Im Zug ist man dicht dran an den Landschaften, Dörfern und Städten.Mitten durch zieht er seine  Bahn auf festen schmalen Trassen, fast wie ein Fahrradweg durch Felder. In Italien und auch im Osten Norddeutschlands  sind die Bahnsteige nicht viel höher als unsere  Kantsteine. Autostraßen reißen breitere Flächen aus dem Land.
Ich hab Bahnfahren schon immer schön gefunden, nicht nur das U- Bahnfahren durch Hamburg. Vor allem die Regionalzüge nach draußen an den Landschaften vorbei. Mit Karacho durch die Schranken in den Ortschaften, vor denen Kinder warteten mit ihren Fahrrädern und alte Leute mit Einkaufsnetzen.
Als Kind haben mich eigentlich nur die ganz Jungen und die ganz Alten interessiert. Die Leute dazwischen, so wie wir jetzt, dieses Mittelalter, schien mir nichts sagend. Da sah niemand so richtig nach jemandem  aus. Am traurigsten fand ich es, wenn man den Leuten noch ansehen konnte, wie sie früher mal ausgesehen haben könnten, wenn an  ihren Körpern und Gesichtern noch so ein Rest Jungsein zu erkennen war. Eingeschlagene Gebäude durch deren aufgerissene  offene Seiten man auf Kinder und Jugendzimmer schauen konnte, wo unter den Betten noch ihre Rollschuhe und selbstgebaute Drachen lagen. 
Ich hätte damals schon gerne dieses Mittelalter übersprungen, dieses Übergangsstadium zwischen jung und alt, in dem mir alle mehr oder weniger form- und farblos vorkamen. Nur ganz am Anfang und am Ende schienen  mir die Menschen   entweder ganz süß oder ziemlich böse auszusehen.

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