Donnerstag, 27. April 2017

Seelenheilung

Die Seele durch die Sinne heilen und die Sinne durch die Seele heilen.
(aus: "Das Bildnis des Dorian Gray" von Oscar Wilde)

Die Seele durch die Sinne heilen.

Ein nicht kalter aber dunkler Winter ist vorbei. 
Trübe Tage laß ich zurück, 
nicht vergessen, aber durchlebt und bearbeitet.
Klarer Frost liegt über dem frühen Morgen. 
Ich nehme die Luft auf und genieße . 
Die noch frühe Sonne durchdringt mich voller Freude. 
Die Stare singen den Frühling.

Samstag, 22. April 2017

Hey Alter

Hey Alter,
ich muß gerade mächtig an Dich denken.

War gerade in Dagebüll. 
Was abliefern am Hafen. 
Für Föhr.
Danach dann am Deich entlang und angehalten.
Rauf da und den Wind um die Nase wehen lassen.
Weites Land.
Viel Gras und Schafe.
Und Windräder ohne Ende.
Auf´m Rückweg nicht zur Autobahn,
sondern die B5 runter Richtung Husum.

Und dann fuhr da dieser Zug.

Genau auf dieser Strasse sind wir vor ca. 45 Jahren langgegangen.
Es war Nacht und eisekalt.
Herbstferien, nach unserer Klassenfahrt mit Köhnke.
Zehnte Klasse. Nach Dänemark.
Silkeborg, Odensee, Faborg.
Was wollten wir eigentlich da?
Egal.

Wir sind dann nochmal los.
Du, Jörn und ich.
Schnüssi hat uns nach Gelting gebracht, zur Fähre nach Sonderburg.
Da wollten wir gar nicht hin, wollten trampen, nach Jütland.
War aber von hause aus verboten.
Also Nebelkerze!
Und kaum war er weg,
Daumen raus und ab in die andere Richtung.
Nach Silkeborg, in die JH. Hatte uns gefallen.
Wir waren jetzt die einzigen Gäste.
Die Lampe, die Du vor ein paar Wochen mit einem gezielten Kissenwurf von der Decke geholt hattest, war immer noch kaputt.

Es war Scheißwetter. Wir haben eigentlich nur Karten gespielt.
Dann irgendwie vorzeitiger Abbruch
und ab Richtung Heimat.
Jörn trampte allein, wir zusammen.
Zu dritt wären wir unmöglich weggekommen.
Irgendwie sind wir dann an die Westküste geraten.
Tonder!
An der Grenze natürlich gefilzt.
Weiter nach Niebüll.
Und dann war Ende.

Wir sind die Nacht über diese verfluchte Landstrasse langgegangen.
Niemand nahm uns mit,
und eisiger Fahrtwind der LKW´s zwang uns immer wieder an die Seite.
Zu Rauchen war auch nichts mehr da.
Tabak noch´n Rest, aber keine Blättchen.
Wir haben dann aus ´ner alten Pfeiffe geraucht, die Du noch aus einer Deiner Taschen zaubertest.

Und dann dieser schön warm beleuchtete Zug.
Er rauschte vorbei.
Lange schauten wir hinterher.
War bestimmt mollig geheizt,
und in zwei Stunden in Hamburg.
Half uns aber nichts.

Irgendwie kamen wir dann gegen morgen weg.
Nach Schleswig an die A7.
Kriegten dann einen Laster nach Hamburg.
Es war ein „Däne“, ein alter Skania Vabis mit Riesiger Schnauze und kleinen Fenstern.
In der Kabine stank es nach alten Socken, Schweiß und Ölsardinen.
War auch egal.
Wir sackten schnell weg in dieser muffigen Wärme.

An der „Budapester“ auf´m Kiez standen wir dann wieder draußen, fuhren mit der U-Bahn aus der Stadt, versteckten uns noch hinter einer Telefonzelle,
weil Dein Alter gerade vorbeifuhr auf dem Weg zur Arbeit.
Sollte keiner wissen, dass wir wieder da sind.
Wir trampten dann zu Jörn und lungerten noch einige Tage in seiner Mansarde herum,
schlugen Zeit tot und spielten Karten.
War ´ne tote Zeit 
Und irgenwie nichts los.

Oder doch?





Montag, 3. April 2017

Schlafwanderung


 
 Heute Nacht gab es zum Thema Schlafwanderungen wieder eine überraschende Wende. Ich träumte mich ins Schwimmbad und da Wasser den Körper ja bekanntermaßen um einen Großteil seines irdischen Gewichtes erleichtert, wanderte ich dank dieses zauberhaften physikalischen Gesetzes bis zu den Schultern im Wasser des Nichtschwimmers von Beckenrand zu Beckenrand. 
Irgendwann hatte ich genug vom Wasserlaufen und watete mutig einfach ins Flache, weiter bis nur noch die Zehen umspült waren, wohl wissend, dass ich längst schon den gefährlichen Bereich überschritten hatte, wo meine Beine üblicherweise ihren Dienst verweigerten.
 Traumwandlerisch trugen sie mich weiter, den ganzen Weg durch die Ankleidekabinen, vorbei an den an Pfosten hängenden Haarföngeräten, durch die Drehtür an der Kasse bis nach draußen ins Freie, wo ich verwundert einen schillernden Fischschwanz auf einer grünen Bank vorfand, ihn mir unter den Arm klemmte und meinen Weg fortsetzte, obwohl der Schwanz sehr schwer, glitschig und nasskalt war und die Schuppen die dünne Haut auf der Innenseite meiner Unterarme aufscheuerten.