Dienstag, 31. Januar 2017

Offener Leserbrief zu "Der Aufschrei" Berliner Zeitung 30.01 2017

Ich sitze hier mit der heutigen Berliner Zeitund und kann es alles nicht glauben.
Nicht die Tatsachen, die dieser US-Präsident uns auf die Teller packt (wer hat schon anderes erwartet?),sondern die Reaktionen darauf.
Was hat unsere Kanzerin dazu zu sagen? Sie „bedauert es“, dass Menschen aus sieben Ländern dieser Erde, nicht mehr in die USA einreisen können. Armseliger geht es kaum noch. Wer befreit uns blos von dieser A...kriecherin, die von diesem Mann, während seines Wahlkampfes, beleidigt und diffamiert wurde, und der dazu nichts weiter einfällt, als „zu bedauern“, und diesen gleichzeitig zum G20 Gipfel nach Deutschland einzuladen. (Wenn der kommt, wird es hoffentlich Demonstrationen geben, wie sie dieses Land noch nie gesehen hat)
„Martin Schulz! Bitte finde Du die richtigen Worte und rette uns vor weiteren vier Jahren mit dieser Frau als Regierungschefin, die ich für Ihren Mut während der „Flüchtlingskrise 2015“ durchaus auch bewundert habe.
Und Herr Nouripour? Der bekennende USA Fan jammert rum, dass er wohl nicht in diese einreisen kann. Wie wäre es denn mal mit einem Aufruf zum Boykott. „Wir wollen gar nicht in dieses Land“.
Es gibt genügend Alternativen,dort, wo wir willkommen sind, wo wir uns nicht schon bei der Einreise wie Verbrecher behandeln lassen müssen. „Wir wollen Euch gar nicht besuchen und auch nicht sehen, Ihr, die Ihr diesen Mann zu Eurem Präsidenten gewählt habt, nach einem Wahlsystem aus der Postkutschenzeit. (Hättet Ihr doch mal den Mumm gehabt, dieses der modernen Zeit anzupassen, dann hättet Ihr die wirkliche Gewinnerin Eurer Wall an seiner statt, und wir auch).
Ja, wie wäre es denn mal mit einem Boykott dieses armseligen Staates, einem Boykott aller Menschen dieser Erde, vielleicht für 4 Monate, anstatt diesen Menschenverachtern noch hinterherzulaufen. Lassen wir sie doch mal in ihrem eigenem Saft schmoren, dann wird ihnen schnell klar werden, spätestens an der leeren Geldbörse, dass Gemeinsamkeit zum Ziel führt und nicht Abschottung, Ausgrenzung und Diskriminierung anderer. Und, wenn unsere Geldbörse dann vielleicht auch ein wenig leerer geworden ist, hat sich dieses tausendmal gelohnt.

Freitag, 13. Januar 2017

Zungenschlag



Es liegt lange zurück, die kleine Szene, die mir gestern Nacht beim Einschlafen in den Sinn kam.
„Kat-ze,“ hörten wir durch die dünne Sperrholzwand, hinter der unsere erstgeborenen Kinder, unsere  eineinhalb jährige Tochter und unser sechs  Monate alter Sohn in ihren Bettchen lagen. Draußen fegte der Wind durch die hohen dicht stehenden Fichten, in deren Schutz  unsere kleine Hütte stand.
Noch einmal „ Kat-ze.“
Mit lautem Stimmchen intonierte sie, die Silben deutlich und sauber getrennt.
Fich-teeeh,  A-bend-brooot, Gum-mi-ted-die, Lu-pi-neeeh,“ hörten wir unser Töchterchen  ihre neu gelernten Wörter üben.
Jeden Abend vor dem Einschlafen formte sie die Laute, spitzte die Lippen, rollte sie ihre kleine Zunge bis sie einschlief.
Jetzt, fünfunddreißig Jahre später,  liege ich nachts wach auf meinem Lager und flüstere Worte, lausche gespannt meiner Intonation, prüfe die Gewandtheit meiner Sprechmuskeln
„ Kat-ze“ übe ich nun selber, „ Mar-me- la-de „Schlüs-sel-bund, Zir-kus-kind...“
Mein  nächster Gedanke gefiel mir dann weitaus besser als mein sorgenvolles Nachspüren, was die Funktionen meiner Sprechmuskeln angeht.
Selbst wenn mir die Stimme versagt irgendwann, ich hab schon genug geredet in meinem Leben, mich zu Wort gemeldet, mündlich, schriftlich wie auch musikalisch habe ich mich eingemischt, mich  beteiligt und Stellung bezogen. Was gibt es da in Zukunft noch wirklich Wesentliches hinzuzufügen? In den letzten Monaten bemerkte ich schon eine deutliche Abnahme meines Interesses mich hinein zu begeben in Gespräche, in Geselligkeiten jeder Art, spürte immer seltener den Impuls mich zu beteiligen. Ganz unabhängig davon, dass es mich rein körperlich Kraft kostet, mich physisch erschöpft, wächst in mir eine Sehnsucht nach Stille, geht meine Lust mich zu äußern verloren. Ich werde viel Zeit fürs Zuhören haben.