Es
liegt lange zurück, die kleine Szene, die mir gestern Nacht beim Einschlafen in
den Sinn kam.
„Kat-ze,“
hörten wir durch die dünne Sperrholzwand, hinter der unsere erstgeborenen
Kinder, unsere eineinhalb jährige
Tochter und unser sechs Monate alter
Sohn in ihren Bettchen lagen. Draußen fegte der Wind durch die hohen dicht
stehenden Fichten, in deren Schutz
unsere kleine Hütte stand.
Noch
einmal „ Kat-ze.“
Mit
lautem Stimmchen intonierte sie, die Silben deutlich und sauber getrennt.
Fich-teeeh, A-bend-brooot, Gum-mi-ted-die, Lu-pi-neeeh,“
hörten wir unser Töchterchen ihre neu
gelernten Wörter üben.
Jeden
Abend vor dem Einschlafen formte sie die Laute, spitzte die Lippen, rollte sie ihre
kleine Zunge bis sie einschlief.
Jetzt,
fünfunddreißig Jahre später, liege ich
nachts wach auf meinem Lager und flüstere Worte, lausche gespannt meiner
Intonation, prüfe die Gewandtheit meiner Sprechmuskeln
„
Kat-ze“ übe ich nun selber, „ Mar-me- la-de „Schlüs-sel-bund, Zir-kus-kind...“
Mein
nächster Gedanke gefiel mir dann weitaus
besser als mein sorgenvolles Nachspüren, was die Funktionen meiner
Sprechmuskeln angeht.
Selbst
wenn mir die Stimme versagt irgendwann, ich hab schon genug geredet in meinem
Leben, mich zu Wort gemeldet, mündlich, schriftlich wie auch musikalisch habe
ich mich eingemischt, mich beteiligt und
Stellung bezogen. Was gibt es da in Zukunft noch wirklich Wesentliches
hinzuzufügen? In den letzten Monaten bemerkte ich schon eine deutliche Abnahme
meines Interesses mich hinein zu begeben in Gespräche, in Geselligkeiten jeder
Art, spürte immer seltener den Impuls mich zu beteiligen. Ganz unabhängig
davon, dass es mich rein körperlich Kraft kostet, mich physisch erschöpft,
wächst in mir eine Sehnsucht nach Stille, geht meine Lust mich zu äußern
verloren. Ich werde viel Zeit fürs Zuhören haben.
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