Donnerstag, 21. August 2014

Fremde



Ich hab Tobias gesehen. Das heißt zuerst hab ich ihn überhaupt nicht gesehen. Dass ich Leute nicht mehr sofort erkenne, dass mir vertraute, lange nicht getroffene Freunde, Bekannte oder Verwandte, wenn ich sie nach  nach langer  Zeit wieder treffe, fremd erscheinen, beschäftigt mich manchmal.
Es ist noch gar nicht so lange her, da kam ich im Kiekut Bahnhof die Treppen hoch und durchquerte den Bahnhof , ging auf die Eingangstür zu. Ich bemerkte ein sehr altes Paar, das durch die Tür trat und sich dann am Schalter zu schaffen machte. Ich weiß, dass mir das greise Paar auffiel, aber  dass es Tante Imme und Onkel Heinz waren, die mir da entgegen kamen, wurde mir erst klar, als Imme mich   lächelnd  begrüßte. Ich glaube, sie hat gemerkt, dass ich um Haaresbreite an ihnen vorbeigelaufen wäre.
So ähnlich war die Begegnung mit Tobias und seiner Frau. Ich hatte den ersten Zebrastreifen vom Kreisel überquert, dann den zweiten und lief vorsichtig und behutsam auf meine Schritte achtend  rüber zu Edeka. Da standen mir wieder lächelnd zwei Menschen gegenüber.  Wenn es auch nur ein kleiner Moment war, dieser Augenblick bis ich wußte, wen ich vor mir hatte. Er schien mir lang genug, dass sie sich unerkannt fühlen mussten.
Haben die sich so verändert oder bin ich das? Wahrscheinlich beides.




Sonntag, 10. August 2014

Im Badezimmer


Die Pumpe hinterm Haus war schon einige Zeit abgebaut.
Wir hatten jetzt ein WC und ein Badezimmer mit fließend kaltem Wasser.
Im Durchgang zwischen Bauern- und Wohnzimmer war es entstanden.
Ein schmaler Durchgang führte von dem einen ins andere, mit einer schmalen,zweibrettrigen grob gezimmerten Tür zum Wohnzimmer hin, die oben gerundet war.
An der Außenseite dieses Ganges war jetzt ein Kleiderschrank eingebaut,
zur anderen Seite hin ging es ins Badezimmer.
Dieses war sehr schmal und eng. Links war ein Waschbecken und geradezu eine Sitzbadewanne,
und ein mit Holz zu feuernder weiß emaillierter Badebeuler, der später durch einen elektrischen ersetzt wurde.
Darüber führte der Querzug des Schornsteins, und wenn der Schornsteinfeger da war, hörten wir ihn hier immer besonders gut rascheln, denn er mußte in den Schornstein hinein, und von drinnen fegen. Einsteigen tat er in eine große eiserne Klappe in der Diele und wir warteten immer gespannt, bis er oben aus dem Dach herauskam, und dann auf dem Schornsteinkopf stand, uns fröhlich zuwinkte und mit seinem Werkzeug hantierte.
Baden war immer ein gewaltiger Angang. Der alte Boiler mußte eingeheizt werden, und ich erinnere mich noch gut an das Geräusch, wenn das Wasser darin kochte. Oft schoss es auch kochend heiß aus dem Hahn, und wir durften niemals selbst daran rühren. Gebadet wurde dann meist zu zweit und mit viel Spielzeug und es gab eigentlich immer Streit. Meistens darum wer wie lange im „Tiefen sitzen durfte“. Wir hockten immer so lange in der Wanne, bis wir geholt , und dann sauber ins Handtuch gewickelt und mit frischem Schlafanzug ins Bett mußten.
Weniger beliebt war das Haarewaschen. Das Schampoo gab es in kleinen eckigen Kunststoffkissen, die geöffnet wurden, indem eine Ecke einfach abgeschnitten wurde. Ich erinnere diese Kissen nur in gelb oder weiß. Bohnerwachs gibt es bis heute noch in ähnlichen Verpackungen, nur größer und mit Schraubverschluß. 
Unsere Köpfe hingen beim Haarewaschen über dem Waschbecken, und es gab immer ein riesen Geschrei:
"Es brennt! Es brennt!" 
Denn die Seife lief uns in die Augen, während wir auf das warme Wasser warteten, welches unsere Mutter immer im Tauchsieder aus der Küche holen mußte, und es dauerte natürlich, bis alle Seife ausgespült war.