Donnerstag, 21. August 2014

Fremde



Ich hab Tobias gesehen. Das heißt zuerst hab ich ihn überhaupt nicht gesehen. Dass ich Leute nicht mehr sofort erkenne, dass mir vertraute, lange nicht getroffene Freunde, Bekannte oder Verwandte, wenn ich sie nach  nach langer  Zeit wieder treffe, fremd erscheinen, beschäftigt mich manchmal.
Es ist noch gar nicht so lange her, da kam ich im Kiekut Bahnhof die Treppen hoch und durchquerte den Bahnhof , ging auf die Eingangstür zu. Ich bemerkte ein sehr altes Paar, das durch die Tür trat und sich dann am Schalter zu schaffen machte. Ich weiß, dass mir das greise Paar auffiel, aber  dass es Tante Imme und Onkel Heinz waren, die mir da entgegen kamen, wurde mir erst klar, als Imme mich   lächelnd  begrüßte. Ich glaube, sie hat gemerkt, dass ich um Haaresbreite an ihnen vorbeigelaufen wäre.
So ähnlich war die Begegnung mit Tobias und seiner Frau. Ich hatte den ersten Zebrastreifen vom Kreisel überquert, dann den zweiten und lief vorsichtig und behutsam auf meine Schritte achtend  rüber zu Edeka. Da standen mir wieder lächelnd zwei Menschen gegenüber.  Wenn es auch nur ein kleiner Moment war, dieser Augenblick bis ich wußte, wen ich vor mir hatte. Er schien mir lang genug, dass sie sich unerkannt fühlen mussten.
Haben die sich so verändert oder bin ich das? Wahrscheinlich beides.




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