Meine
Schrift verändert sich. Vor einigen Tagen habe ich zum ersten Mal etwas
Unvertrautes bemerkt, als ich mein Notizheft aufschlug, die Seiten auffächerte. Das Schriftbild war leserlicher, strukturierter linearer. Die ausladenden Schwünge meiner
fließenden Handschrift nur noch über die ersten Zeilen am Seitenanfang, dann
hatte ich, ohne es zu bemerken, angefangen Druckbuchstaben zu schreiben. Das
Blatt gefiel mir nicht, das war eine fremde, mir unbekannte Schrift.
Jetzt setzte ich zur Selbstkontrolle an,
schrieb
ich staune in alter lässiger
Gewohnheit mit fließenden Übergängen
zwischen den Buchstaben. Ich hätte es nicht entziffern können, wenn ich es nicht grad eben niedergeschrieben hätte.
Ich staune schreibe ich noch einmal. Ganz groß.
Jetzt
schreibe ich nicht wie gewohnt in alter Manier, pro Wort einen Ansatz, einen Schwung, vom ersten
bis zum letzten Buchstaben. Ich schreibe
langsamer, gebe mir Mühe mit den Kurven und Linien der Zeichen und ihren
Übergängen, beinahe wie in der Schönschreibstunde in der Grundschule, mit der Zungenspitze zwischen den Lippen. Das kann ich lesen. Sogar gut.
Ich will noch mehr scheiben aber dann klappe ich
das Heft zu und schiebe es so weit es geht von mir weg, gebe ihm noch einen kräftigen Schubs bis es von der
gegenüber liegenden Tischkante plumpst.

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