Freitag, 13. September 2013

Frisch verknallt





Nach vier Wochen Wasserbarmbek verliebte ich  mich  wieder in die Hoisdorfer Lanstraße 48. 
In die vom Kirschbaumast herab hängende Schaukel, in die durch den dicken Ast getriebenen großen eisernen Haken, an denen die Karabiner der Schaukelseile quietschten, in den Joringelpfad ums Haus, wo wir mit Stöcken unsere Felder beim Länderklauen  in den Sand ritzten, in die verbeulte alte Zinkwanne neben dem Entsafter hinterm Haus, voller leerer eingeweichter Weinflaschen, deren abgelöste Etiketten wir heraus fischten und zu kleinen Bällchen zusammendrehten. In das  Stückchen roten Schlauches und  die silberne Klemme  am  Ende, mit der wir den heißen, in die blanken grünen Flaschen strömenden  Saft abquetschen konnten. 
Ich  saß wieder  auf  der um die ganzen Wände des Bauernzimmers verlaufenden Bank aus groben Holzbrettern, an denen ich mir einen zwei Zentimeter langen Splitter in den Oberschenkel rammte, den ich nach vergeblichen Versuchen, ihn zu bergen, einfach vergaß und der immer noch friedlich in meinem Körper zirkuliert. Rausgekommen ist er jedenfalls nirgendwo.
Nur zu der zweiten, vor dem alten Scheunentor zur besseren Isolierung neu gemauerten  Wand im Atelier blieb ich auch nach den Ferien auf Abstand. Manchmal verirrte sich in dem engen  Spalt zwischen den beiden Wänden eine Schwalbe oder ein Star und ich konnte das tagelange immer schwächer werdende Flattern nicht ertragen. Man hätte die Wand niederreißen müssen, um die Vögel  zu befreien.


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