Samstag, 7. September 2013

Abgesang

Ich glaube, Haus 7 wurde nur von uns bewohnt.
Nie habe ich irgendetwas von Vor- oder Nachmietern gehört oder gesehen.
Es gab auch nie irgendwelche Spuren.
Das einzige, was wir fanden, waren unsere Spuren, aus dem letzten Jahr.
Ich denke, diese Art von Sommerhaus war auch in den 60er Jahren nicht mehr wirklich zu vermieten.
Es war einfach eine Bruchbude.
Die Zimmer hatten keinerlei Verbindung untereinander. Jedes war nur von außen zu erreichen.
Es regnete an vielen Stellen durchs Dach , und entsprechend feucht war es im Haus.
Teilweise hing die Deckenverkleidung eingebeult herab.
Aber es waren immer wieder wunderbare Ferien.
1966 war Onkel Hans lange da, er wohnte in einer kleinen Holzhütte mitten im Brennnesselfeld, zu der wir erst einen Weg freischlagen mußten. Wir hörten auf seinem Transistorradio die Übertragungen der Fußballweltmeisterschaft, meist auf einer Decke liegend unter dem kleinen Eichenbaum der auf der Wiese vorm Haus stand. Onkel Hans hatte damals eine weiße Isabella Coupe mit roten Ledersitzen. Vati kam mit dem grünen Frosch.

1967 war dann das letzte Jahr in Haus 7, und auch das letzte Jahr meiner Kindheit.
Danach kam Aerö, dann 1969 Fanö, es war das Jahr der Mondlandung, und vieler anderer Ereignisse.
Hanni war auf einmal eine kleine Frau. Ich hatte gelauscht und war dann ganz durcheinander.

Ich war plötzlich  alleine.

Dann kam Juelsminde.
Aber da war ich kein Kind mehr.

Haus 7 steht noch. Aufgebrochen und mit kaputten Scheiben.
Das Kaminhaus der Familie Drewitz auch.
Das Blockhaus ist zusammengefallen.
Den Teekessel, ein paar Eierbecher und die Frühstücksbrettchen hab´ich hier zu hause.

Sie sind immer noch in Gebrauch.





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