Freitag, 2. Dezember 2016

Lauschgenuss



Ich hielt  meine  Augen geschlossen, saß still auf dem dreibeinigen Hocker im Atelier unseres Vaters. Ich hörte das Geräusch seiner Sohlen auf dem Steinfußboden, wie er seine Skulptur umkreisend mal stehenblieb, mal  zwei drei Schritte weiter ging, das leise Schaben seines Werkzeuges an dem noch feuchten Ton, ein leises Quietschen des drehbaren runden Arbeitstisches, das  Plätschern und Tröpfeln des Wassers in der Tonwanne, wenn er einen neuen Tonklumpen herauslöste oder einen  eingetauchten Lappen auswrang.
Von draußen drangen jetzt Stimmen durch die Fenster, ich hörte meinen Namen rufen, meine Geschwister riefen mich. Es schreckte mich auf aus meinem Lauschen, ich wollte weiterhin nur dieses kribbelige Vibrieren meiner Ohren in der Dunkelheit, kniff meine flatternden Augenlider wieder fest zu, ließ einfach die Rufe draußen geschehen und war dankbar, dass auch mein Vater einfach ruhig weiter seine Skulptur umkreiste und ich noch ein Weilchen da in der Stille und Abgeschiedenheit seines  Ateliers auf meinem Hocker  sitzen bleiben und den leisen Klängen zuhören konnte, die seine Arbeit begleiteten.




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