Samstag, 12. April 2014

Läden


Einer der letzten Kioske dieser Art hat erst vor einem viertel Jahr aufgegeben. Am U- Bahnhof Kiekut konnten sich Schulkinder bis zuletzt aus bauchigen Bonbonieren, die auf der Fensterbank standen, Stück für Stück ihre Lieblingsteile in kleinen bunten Körbchen zusammenstellen und an der Kasse wurden diese dann  einzeln herausgenommen, ihr Preis in die Kasse getippt, und dann verschwanden sie in kleinen, blau gepunkteten Tüten.
Heute gibt es andere Läden. Als ich vorhin bei Penny an der Kasse wartete, die beiden flachgelegten Weinflaschen, die Zahnbürsten und die Tüte mit den Weingummiteddies  beobachtete, wie sie auf dem Band langsam nach vorne zuckelten, sah der Kassierer zu drei Kunden hoch, sagte freundlich  Hallo, verabschiedete sich lächelnd und wünschte einen guten Tag.
Wie viele Leute laufen durch so einen Laden am Tag? In den wenigen  Minuten, die ich dort wartete, standen schon drei  an der Kasse vor mir, und hinter mir wartete auch noch jemand. Also ungefähr fünf in fünf Minuten. In einer Stunde zwölf mal fünf und das ganze  mal acht. Fast vierhundert. Natürlich weniger, das geht ja nicht den ganzen Tag so weiter. Die Hälfte? Als ich meine Sachen  nahm, überhörte ich die Frage nach einem Tragebeutel  und blickte verwundert auf den Kassierer mit dem Namensschild auf der hellblauen Kitteltasche, auf den am Taschenrand festgeklemmten Kugelschreiber. Tag für Tag in geschlossenen Räumen zwischen Regalen vor der  Kasse zweihundert  Mal lächeln, die gleichen Worte sagen, eine Tüte anbieten. Fast wäre mir schwindlich geworden, und ich lehnte mich kurz an den Rahmen  der Eingangstür und atmete ganz langsam ein-und aus.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen