Wenn dann, was nicht oft vorkam,
ein paar Groschen zum Verschnoopen in unseren Kinderhänden waren,
trieb es uns meist die Beamtenlaufbahn lang zum Bahnhof.
Der eigentliche Bahnhofskiosk war wenig
attraktiv. Die Frau, die dort residierte war streng, stets steif und schwarz gekleidet, und wenig nett. Sie mochte keine Kinder.
Aber draußen davor in dem winzigen
Eckladen wartete ein wahres Paradies.
Dort gab es Eis, noch lange für 10
Pfennig. Es war ein Eis am Stiel von „Mili“, Vanillegeschmack,
und etwas luftig in der Konsistens.
Große Gläser standen dort auf dem für
uns recht hohen Tresen. Dauerlutscher, steinharte Bonbonkugeln,
einzeln zu kaufen für einen Pfennig. Salinos und Lakritzschnecken
und natürlich die beliebten Salmitüten. Man konnte sich die kleinen
scharfen Lakritzen mit Spucke zu kleinen Sternen auf die Hand kleben,
die dann weich und schmierig wurden, und dann langsam ablecken.
Ahoi Brausepulver war immer schon ein
Renner, die ganze Tüte auf einmal in den Mund geschüttet, wurd
immer zu ´ner riesen Sauerei.
Dann gab es Salmilollis, sehr beliebt,
und bunte Teufelchen aus Weingummi, oder Schlangen , kleine mit
Silber überzogene Salmiakpastillen, alles einzeln zu kaufen, bei
einer Engelsgeduld der Verkäuferin, denn die Entscheidungsfindung
war oft schwer und dauerte.
Ganz selten gab´s für uns ´ne
Wundertüte, diese papiernen Tüten mit Puffreis und einer kleinen
Überraschung, die meistens ´ne Enttäuschung war. Und dennoch
hofften wir, mal um mal aufs neue, auf die Erfüllung eines kleinen
Traums.
Manchmal wagten wir uns auch zur
Bahnhofsgaststätte „Pukies“ gegenüber. Hier gab es Kugeleis,
drei Sorten, Vanille, Erdbeer, Schoko. Zu teuer für uns, doch hin
und wieder gab´s auch dies. Dann lugten wir voll Neugier in den
verrauchten Raum hinter dem Durchgang, wenn die Bedienung die Tür
ein wenig offen lies, versuchten etwas zu erhaschen von der Welt, die
wir nicht kannten, bestaunten hier Betrunkenheit und auch mal draußen
Schlägerei.
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