Heute auf dem Weg zur U-Bahn ging
vor mir ein etwa achtjähriges
Schulmädchen. Sie trug einen Lederranzen, keinen Rucksack, wie sonst heute
üblich, auch keinen mit grellpinken Lilli-Feen oder Ponys geschmückten
Plastikranzen. Das schlichte dunkelbraune
Leder der Lasche über dem metallenen mittig angebrachten Verschluß kräuselte
sich an den äußeren Enden zu zwei kleinen angelegten Eselsohren. Ich sah auf
ihren Rücken, auf den hin-und her schaukelnden kleinen Vintage-Kasten, und je
länger ich hinter dem Mädchen herlief, umso klarer wurde das Bild meines
eigenen Ranzens, konnte ich seinen Verschluß öffnen, den Nubsi runterdrücken und
durch den Metallriegel schieben. sah ich hinein auf die paar Hefte in
durchsichtigen verschieden farbigen Umschlägen, wild durcheinander gemischt
zwischen der Fibel Tür und Tor, Zeichenblock, Tuschkasten, Federtasche und den
Turnschuhen, und mir stieg sein Geruch
in die Nase: Der Geruch von Leder, mehrmals benutzen, mit alter verschmierter
Butter getränkten Haferflockentüten, Apfelgriebschen, Tinte, Radiergummi und Marmeladenbroten. Als ich an ihr
vorbeiging, sie beim Überholen fast mit dem Ärmel berührte, hab ich gar nichts
gerochen. Nur den vom Wind herübergetragenen leichten Duft der voll
aufgeblühten Forsythien am Wegesrand.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen