Montag, 31. März 2014

Schulwege





Heute auf dem Weg zur U-Bahn ging vor mir  ein etwa achtjähriges Schulmädchen. Sie trug einen Lederranzen, keinen Rucksack, wie sonst heute üblich, auch keinen mit grellpinken Lilli-Feen oder Ponys geschmückten Plastikranzen. Das  schlichte dunkelbraune Leder der Lasche über dem metallenen mittig angebrachten Verschluß kräuselte sich an den äußeren Enden zu zwei kleinen angelegten Eselsohren. Ich sah auf ihren Rücken, auf den hin-und her schaukelnden kleinen Vintage-Kasten, und je länger ich hinter dem Mädchen herlief, umso klarer wurde das Bild meines eigenen  Ranzens, konnte ich seinen  Verschluß öffnen, den Nubsi runterdrücken und durch den Metallriegel schieben. sah ich hinein auf die paar Hefte in durchsichtigen verschieden farbigen Umschlägen, wild durcheinander gemischt zwischen der Fibel Tür und Tor, Zeichenblock, Tuschkasten, Federtasche  und  den Turnschuhen, und  mir stieg sein Geruch in die Nase: Der Geruch von Leder, mehrmals benutzen, mit alter verschmierter Butter getränkten Haferflockentüten, Apfelgriebschen, Tinte, Radiergummi  und Marmeladenbroten. Als ich an ihr vorbeiging, sie beim Überholen fast mit dem Ärmel berührte, hab ich gar nichts gerochen. Nur den vom Wind herübergetragenen leichten Duft der voll aufgeblühten Forsythien am Wegesrand.

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