Ich war ganz sicher gewesen, meine drei
zusammengehörende Sockenpaare in der Waschtrommel verstaut zu haben, und
hinterher waren mal wieder zwei einzelne
Socken dabei, die zu keinem anderen gehörten.
Ich sang „ In darkness let me dwell“ von John
Dowland, während ich mein heißes Gesicht
gegen die kühlende Verschalung der Waschtrommel presste, mit einem Arm in das
metallene Innere langte und meine Hand an deren löchrigen hubbeligen
Rundungen entlang fahren ließ. Wenn ich es genau nehme, brauche ich
schon seit langem nur noch zwei Paar
Socken in der Woche. Jeden Abend wenn ich
die Socken ausziehe, sind meine Füße trocken und warm wie die Stofftatzen von meinem alten Teddy, dessen Bauch eine kreisrunde,
haarlose, blanke grau-schwarze Verfärbung von ranziger fünfzigjähriger Niveacreme aufweist, und aus
deren aufgeplatzer dünner Fellhülle, von Nen damals mit einem Stück roten Stoff
und großen Stichen schwarzen Zwirns notdürftig geflickt, die staubige
Strohfüllung herausquillt. Jeden Abend staune
ich über meine einwandfrei, wie Kinderhaut nach frischer Wolle und trockenem Sand duftenden verzauberten Füße. Erst nach
drei Tagen tue ich die Socken in die
Wäsche, obwohl sie noch total sauber sind. Im Grunde nur, weil ich mich ein bisschen schäme, so
lange die gleichen Socken zu tragen, und
auch weil ich meiner Wahrnehmung misstraue,
ihr ebenso wie meinen Füßen die Möglichkeit zur Veränderung, das Recht zu überraschendem Wandel ihrer Fähigkeiten
zubillige. Nicht nur die Füße, auch Achseln und Handflächen, sonst unaufhörlich
schwitzend, sind zu staubtrockenen Zonen geworden. Nur Hals, Kopf und Ohren sind
davon ausgenommen, erfahren den Zauber umgekehrt.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen