Montag, 17. März 2014

van der Luppe


Erika und  und ihr kleiner Bruder  Klaus kauerten in regelmäßigen Abständen am Straßenrand im Wöhrendamm vor ihrem Elternhaus über dem Abflusssiel und waren mit einer Schnur zugange. An der Schnur hatten sie eine kleine Puppenstubenfigur befestigt. Mit feierlichem hoch konzentrierten Gesichtern ließen die beiden Geschwister  die halb verfaulte Puppe über dem Gulli pendeln, um sie im nächsten Augenblick kalten Herzens zwischen zwei Sielrippen verschwinden zu lassen. Stück für Stück ließen sie  mehr Schnur durch ihre Finger gleiten, bis  Puppe und Schnur im Dunkel  der Katakomben verschwunden waren und nur noch der Knoten zu sehen war, mit dem sie die Schnur  an einer der  eisernen Sielrippen festgebunden hatten. Gelegentlich fiel einem von beiden die Puppe ein, die sie, einen deutlichen Hinweis auf das politische Klima ihres Elternhauses gebend, Marinus van der Luppe nannten. Van der Luppe wurde heraufgezogen, um ihn lange zu betrachten, sich am fortschreitenden Zerfall der langsam verottenden, von  Schlamm und jauchigem Wasser immer elender zugerichteten  Kerl zu weiden. Wenn sie  ihn lange genug betrachtet hatten, wurde die Schnur überprüft, gegebenenfalls erneuert, und Van der Luppe wurde  langsam und feierlich wieder in die schwarze Finsternis hinabgesenkt.

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