Erika und und ihr kleiner Bruder Klaus kauerten in regelmäßigen Abständen am
Straßenrand im Wöhrendamm vor ihrem Elternhaus über dem Abflusssiel und waren
mit einer Schnur zugange. An der Schnur hatten sie eine kleine Puppenstubenfigur
befestigt. Mit feierlichem hoch konzentrierten Gesichtern ließen die beiden
Geschwister die halb verfaulte Puppe
über dem Gulli pendeln, um sie im nächsten Augenblick kalten Herzens zwischen
zwei Sielrippen verschwinden zu lassen. Stück für Stück ließen sie mehr Schnur durch ihre Finger gleiten, bis Puppe und Schnur im Dunkel der Katakomben
verschwunden waren und nur noch der Knoten zu sehen war, mit dem sie die Schnur
an einer der eisernen Sielrippen festgebunden
hatten. Gelegentlich fiel einem von
beiden die Puppe ein, die sie, einen deutlichen Hinweis auf das politische
Klima ihres Elternhauses gebend, Marinus van der Luppe nannten. Van der Luppe wurde
heraufgezogen, um ihn lange zu betrachten, sich am fortschreitenden Zerfall der
langsam verottenden, von Schlamm und
jauchigem Wasser immer elender zugerichteten
Kerl zu weiden. Wenn sie ihn lange
genug betrachtet hatten, wurde die Schnur überprüft, gegebenenfalls erneuert,
und Van der Luppe wurde langsam und
feierlich wieder in die schwarze Finsternis hinabgesenkt.
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