Mittwoch, 27. Januar 2016

Betrugsmanöver


 Aka, meine beste Freundin aus dem Nachbarhaus hinter der Buchenhecke, hatte ein kleines Brüderchen bekommen. Meine kleine Schwester war da schon etwa drei Jahre alt und  ich wünschte mir sehnlichst auch noch ein kleines Geschwisterchen. An einem schönen Frühlingsmorgen packte ich meine Babypuppe Hansi in den ausrangierten alten Korbkinderwagen, in dem meine kleine Schwester manchmal noch wie in einem Ställchen zwischen ihren Spielsachen hockte. Hansi setzte ich eine Babymütze auf, zog sie tief bis über seine Augen, holte von oben aus meinem Bett das dicke große Kopfkissen und türmte es über Hansi auf, so dass es als mächtiger Wulst über den Rand des Kinderwagens hing und Hansis starres Puppengesicht fast bedeckte.
Dann stolzierte ich am Zaun zu Aka entlang, von der Sandkiste bis zu den drei Birken und wieder zurück, ganz dicht am Zaun, so dass alle mich sehen konnten, wie ich mit unserem neuen Baby spazieren fuhr.
Akas Mama kam von ihrer Terrasse hinunter zu mir an den Zaun, schaute verwundert zu mir herüber.
„ Wir haben auch ein neues Baby,“ erzählte ich stolz.
„ Oh wie schön, zeig mal. Ist es ein Junge oder ein Mädchen?"
Ich hob den schweren Kinderwagen etwas an, balancierte ihn mit Mühe auf den hinteren beiden Rädern, damit Akas Mama die Babymütze  sehen konnte."  
" Ein Junge, er heißt Hansi."
„ Aber das ist ja eine Puppe,“ rief Akas Mama. 
„ Nein, er schläft. “
 Ich ließ den schweren Kinderwagen hart auf seine vier Räder zurückplumpsen,wandte  mich von dem erbarmungslosen Blick hinter der Buchenhecke ab und zuckelte beschämt und mit heißen hochroten Ohren davon.


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