Samstag, 2. Januar 2016

Flüsterer


Bevor ich gestern Abend den Laptop ausmachte, ging ich noch einmal  kurz auf die Seite mit den "Flüsterern".Vor einigen Wochen fand ich diese Seiten auf der Suche nach Anleitungen zur Fußmassage. Inzwischen habe ich  meine beiden Lieblinge, zu denen ich immer mal wieder zurückkehre. "Low Voice" zum Beispiel massiert nicht nur flüsternd menschliche Körperteile, sondern lässt auch unbelebte Gegenstände des Alltags in den Genuss ihrer feinfühligen Finger kommen. Auf einem Video bereitet sie eine Teezeremonie, ein anderes mal bürstet und spielt sie mit dem langen dunklen Haar einer Frau, faltet Handtücher und Schals oder schminkt ihr eigenes Gesicht vor dem Spiegel. Sie hat einen großen Busen und schönes dickes blondes Haar. Mit leiser englischer Flüsterstimme und leichtem russischen Akzent begleitet sie die Bewegungen ihrer weißen Hände, die sie langsam durch raschelndes Haar, über zirpende Bürsten und Kämme, über Verpackungen von Schminke und Teebeuteln, über knisternde Seide und flauschige Frotteehandtücher gleiten lässt. Ab und zu lässt sie ihr leises Atmen hören, ein Seufzen, ein feines Räuspern oder ein zart fragendes  von unten nach oben aufsteigendes „So, like this?“ Manchmal auch nur ein kaum hörbares gesummtes  „Hmm“.
Und es gibt Massimo. In manchen Videos nennt er sich auch Wassili. Massimo-Wassili trägt entweder ein weißes Hemd mit Rüschen auf der Brust oder T-Shirts mit Aufdrucken, wenn er flüsternd massiert. Manchmal stößt Massimo-Wassili  beim Einatmen zwischen dem Flüstern einen leisen gutturalen Kehllaut aus, bevor er seinen Atem wieder in meinen Kopfhörer haucht und weiter vor einem Druck von Gustav Kliemt, auf einem Balkon oder auch am australischen Strand der Gold Coast Füße, Hände, Köpfe, Gesichter, Nacken, Schultern und Rücken  streichelt. 
Bei Massimo-Wassili wäre ich schon zweinmal beinahe vor dem Laptop eingeschlafen. Wenn ich mal wieder nicht schlafen kann, gehe ich ab jetzt einfach  zu den Flüsterern.



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