Donnerstag, 14. Januar 2016

Essen


Vati war kein großer Kocher, aber wenn´s darauf ankam, war er fähig uns zu versorgen.

Erika war auch keine Hausfrau, wie sich die Gesellschaft  das so vorstellte, und auch keine große Köchin. Beide hatten auch überhaupt keine Lust dazu.

Bei Ferdinand kam dann hin und wieder ein Kochanfall, und er wirtschaftete dann mit großem Tamtam in der Küche herum. Das war hin und wieder zu Weihnachten, wenn er eine Gans aufgetrieben hatte. Ich erinnere daran haupsächlich die Schale mit dem ausgelassenen Gänseschmalz. Es war von bräunlicher Farbe, erstarrt und wurde als „Affenfett“ bezeichnet, und diente dann die nächsten Wochen als Brotaufstrich, von dessen besonderer Qualität „wir“, das waren alle außer seinem Bruder und ihm, „Keine Ahnung“ hatten, da wir es verschmähten. Es schmeckte einfach grausig. Sonst gab´es Weihnachten meisten Pute mit Rotkohl und Kartoffeln. Aber das machte dann Erika. Ferdinand war das dann nicht gewaltig genug.



Satt wurden wir immer.

Hauptnahrungsmittel bildete neben Brot mit Mett-oder "Jachtwoast", "Camenbert" und Harzer Roller, Haferflocken mit Milch und Zucker. Bevorzugt wurden von uns die Köllnflocken in der blauen Tüte, wie es sie heute noch gibt, mit kleinen Sammelbildern drin, die wir bei Omi in große Alben einklebten. Aber die waren teuer, und meistens mußten wir mit billigeren Produkten vorliebnehmen.


Von der Schule kommend war unser erster Weg zum Backofen in der Küche, wo dann das Essen für uns warm gestellt war. Es war dann schon ziemlich trocken und oft schon an der Grenze der Genießbarkeit. Aber wir hatten Hunger und haben uns nie beschwert.

Die alltäglichen Gerichte, die sich in regelmäßigen Abständen wiederholten waren:

-Weiße Bohnen mit Speck und Kartoffel(Kartoffeln gab es eigentlich immer. Die laß ich bei der weiteren Aufzählung mal weg).

-Selbige mit Speckstippel und Apfelmuß( ess´ ich heute noch gerne).

-Leber mit Zwiebelringen

-Grützwurst, meist ohne Rosinen

-Bratwurst.

-Frikadellen.

-Sauerkraut mit Kochwurst(für jeden ´ne halbe)

-als Gemüse meist Erbsen und Wurzeln(aus der Dose) in Mehlspitze, Blumenkohl, Rosenkohl,

oder einfach Apfelmuß.

-Pfannkuchen im Stapel, so dass wir uns ein entsprechendes Tortenstück herausschneiden konnten.

-Milchreis mit ausgelassener Butter, Zimt und Zucker.

-Eier in Senf- oder Petersiliensoße.

-Kohlroulladen aus der Dose.
-Spinat mit hartgekochten Eiern

-Arme Ritter.

-Spiegeleier.

-Erbsen- oder Linsensuppe, mal mit Wurst, mal ohne.

-Fünfmarksuppe, ein von Ferdinand entwickeltes Gericht, bestehend aus Dosentomaten und etwas ausgelassenem Speck, welches für die ganze Familie keine fünf Mark kostete. Wenn dieses uns am Mittag erwartete, war die Enttäuschung kaum zu verbergen.

Frischen Salat gab es hin und wieder. Immer mit Zitronensaft und Zucker.

Selten mal geriebenen Apfel oder Wurzeln.
Nachtisch gab es nie



Am Wochenende war der Tisch dann etwas üppiger gedeckt:

-Schweinebraten mit Rotkohl

-Steckrüben mit Schweinebauch

-Grünkohl mit Schweinebacke

-Kohlroulladen

-Kohlpudding

-Königsberger Klopse

-Goullasch

-Birn´Bohn´und Speck
Dann gab es auch mal Schokoladenpudding. Mit dicker schwarzer Haut und Klumpen. Das liebten wir besonders. Dazu Vanilliensoße .

Ganz hart wurde es nur selten. Ich erinnere mich nur an von Ferdinand gekochtes Hammelfleisch in Weißkohl. Es ging einfach nicht. Ich konnte es nicht essen. Aber: „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt“ war noch nicht so lange her, und erst als ich anfing zu würgen war´s dann gut, und ich nahm Reißaus.





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