Vati war kein großer Kocher, aber
wenn´s darauf ankam, war er fähig uns zu versorgen.
Erika war auch keine Hausfrau, wie sich
die Gesellschaft das so vorstellte, und auch keine große
Köchin. Beide hatten auch überhaupt keine Lust dazu.
Bei Ferdinand kam dann hin und wieder
ein Kochanfall, und er wirtschaftete dann mit großem Tamtam in der
Küche herum. Das war hin und wieder zu Weihnachten, wenn er eine Gans
aufgetrieben hatte. Ich erinnere daran haupsächlich die Schale mit
dem ausgelassenen Gänseschmalz. Es war von bräunlicher Farbe,
erstarrt und wurde als „Affenfett“ bezeichnet, und diente dann
die nächsten Wochen als Brotaufstrich, von dessen besonderer Qualität
„wir“, das waren alle außer seinem Bruder und ihm, „Keine
Ahnung“ hatten, da wir es verschmähten. Es schmeckte einfach
grausig. Sonst gab´es Weihnachten meisten Pute mit Rotkohl und
Kartoffeln. Aber das machte dann Erika. Ferdinand war das dann nicht
gewaltig genug.
Satt wurden wir immer.
Hauptnahrungsmittel bildete neben Brot
mit Mett-oder "Jachtwoast", "Camenbert" und Harzer Roller, Haferflocken mit Milch und Zucker. Bevorzugt wurden von
uns die Köllnflocken in der blauen Tüte, wie es sie heute noch
gibt, mit kleinen Sammelbildern drin, die wir bei Omi in große Alben
einklebten. Aber die waren teuer, und meistens mußten wir mit
billigeren Produkten vorliebnehmen.
Von der Schule kommend war unser erster
Weg zum Backofen in der Küche, wo dann das Essen für uns warm
gestellt war. Es war dann schon ziemlich trocken und oft schon an
der Grenze der Genießbarkeit. Aber wir hatten Hunger und haben uns
nie beschwert.
Die alltäglichen Gerichte, die sich in
regelmäßigen Abständen wiederholten waren:
-Weiße Bohnen mit Speck und
Kartoffel(Kartoffeln gab es eigentlich immer. Die laß ich bei der
weiteren Aufzählung mal weg).
-Selbige mit Speckstippel und Apfelmuß(
ess´ ich heute noch gerne).
-Leber mit Zwiebelringen
-Grützwurst, meist ohne Rosinen
-Bratwurst.
-Frikadellen.
-Sauerkraut mit Kochwurst(für jeden ´ne
halbe)
-als Gemüse meist Erbsen und
Wurzeln(aus der Dose) in Mehlspitze, Blumenkohl, Rosenkohl,
oder einfach Apfelmuß.
-Pfannkuchen im Stapel, so dass wir uns
ein entsprechendes Tortenstück herausschneiden konnten.
-Milchreis mit ausgelassener Butter,
Zimt und Zucker.
-Eier in Senf- oder Petersiliensoße.
-Kohlroulladen aus der Dose.
-Spinat mit hartgekochten Eiern
-Arme Ritter.
-Spiegeleier.
-Erbsen- oder Linsensuppe, mal mit
Wurst, mal ohne.
-Fünfmarksuppe, ein von Ferdinand
entwickeltes Gericht, bestehend aus Dosentomaten und etwas
ausgelassenem Speck, welches für die ganze Familie keine fünf Mark
kostete. Wenn dieses uns am Mittag erwartete, war die Enttäuschung
kaum zu verbergen.
Frischen Salat gab es hin und wieder.
Immer mit Zitronensaft und Zucker.
Selten mal geriebenen Apfel oder
Wurzeln.
Nachtisch gab es nie
Am Wochenende war der Tisch dann etwas
üppiger gedeckt:
-Schweinebraten mit Rotkohl
-Steckrüben mit Schweinebauch
-Grünkohl mit Schweinebacke
-Kohlroulladen
-Kohlpudding
-Königsberger Klopse
-Goullasch
-Birn´Bohn´und Speck
Dann gab es auch mal Schokoladenpudding. Mit dicker schwarzer Haut und Klumpen. Das liebten wir besonders. Dazu Vanilliensoße .
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