Mittwoch, 19. Juni 2013

Aufwachen



Das erste, was ich sah, waren die kleinen  Pinguine, die ich mit Wachsmalstiften auf die grobe Bretterverschalung meines Alkovens gemalt hatte. Alle sahen gleich aus, nach einem bestimmten einfachen Muster  gemalt, mit gelben breiten Schnäbeln, runden Körpern und kurzen Flügeln, die zur Seite und nach hinten abstanden.Erst war es nur einer, noch vorsichtig mit zarten Strichen versucht, irgendwann hatte ich alles dick voll gekritzelt. Immer der gleiche Pinguin. 
Das erste, was ich hörte, waren zarte gedämpfte Piepslaute, aus dem Alkoven neben mir. Wenn ich meinen Kopf etwas hob, mein Kissen an der Rückwand zu einer dicken Rolle getürmt hatte, sah ich ein aus mehreren Federdecken und Kopfkissen ringwurstartiges Nestgebilde, aus deren Tiefen  diese  kläglichen Laute drangen, die mich endgültig wach machten. Dann waren tapsende Schritte von der gegenüberliegenden Wand her zu hören, eine helle kleine Stimme die sich mit tröstenden Lauten dem  verzagten Bettwulst näherten. Die ersten Silben der Laute und Kosewörter kamen von  ganz oben, wie das Zirpen eines Vogels, eines Pinguins,  und fielen zum Ende hin ab, mündeten in einen beruhigenden warmen Singsang in der Mittellage, der das Fiepen und Piepen kurz verstummen ließ, bis es von neuem anschwoll und wieder besänftigt wurde.
Die Rollenverteilung blieb immer die gleiche, es wurde nie abgewechselt. 
Who is who?

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