Freitag, 21. Juni 2013

Mufen




Es gab den Frühlingsweg und den Herbstweg. Der Frühlingsweg führte vorbei an Höppi`s gelbem Haus, die Sandstraße hoch und vorm Wasserwerk rechts rein in den Wald mit den Anemonen und Schlüsselblumen. Für den Herbstweg mussten längere Vorbereitungen getroffen werden. Wenn der Herbstweg dran war, dauerte es manchmal ziemlich lange, bis wir endlich loszogen, den Beimoorweg rauf, beim Puppendoktor vorbei. Beim Puppendoktor war es still, kühl und dunkel und es  roch nach Leim und Klebe. 
Zwischen erstem und zweiten Bahndamm bogen wir in die Mielerstede ab. Auf dem Rückweg durch die trübe, Nebel verhangene Dämmerung zeigten die Kopfweiden in den Knicks wilde Fratzengesichter und wir drängten uns dicht um den von sicherer Hand gelenkten großen Korbkinderwagen. 
Der Herbstweg war dran und der Kinderwagen wurde nach draußen geschoben, stand, geräumig wie ein Ställchen auf Rädern vor der zwei geteilten Tür. Lulu in einer Art Halfter, welches um ihre Brust in der grün- weiß melierten Wolljacke und unter ihren Ärmchen verlief und mit zwei Riemen an so kleinen runden Metallnupsis befestigt war, mit denen das Verdeck vor- und zurückgeschoben werden konnte. Drinnen suchten wir unsere Gummistiefel, Anoracks und Mützen zusammen für den Spaziergang.
Mufen spritzte und pisste, was das Zeug hielt und so auch an diesem Herbstnachmittag. Er strich um den Kinderwagen in immer enger werdenden Kreisen, stellte seinen buschigen schwarzen Schwanz auf, richtete sein Hinterteil aus und markierte mit kräftigem Strahl direkt auf das süße  kleine  Schutzblech.
Im Sommer und Winter gab es keine Spaziergänge, da waren wir einfach nur irgendwie draußen.  


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