Sonntag, 16. Juni 2013

Schwindel


Es hatte noch ein bisschen Schnee auf dem Holzriegel der kleinen Tür zum Atelier gelegen und ich hatte meinen Teddy dabei gehabt. Anstelle des zweiten Teddyauges baumelte an  schwarzem Zwirn ein grauer Wäscheknopf und Don F. hatte so ganz flach zusammengedrückte Zigaretten geraucht, als wäre er aus Versehen drauf getreten. Aber er hatte es mir dann erklärt: Ägyptische! Er hatte mir meinen Teddy aus der Hand genommen, so dass ich  das Fellohr loslassen musste, an dem ich herumgezurrt hatte, dann hatte er sich über den Arbeitstisch gelehnt, die Zigarettenschachtel umgedreht und war langsam mit seinem braunen Zeigefinger die Buchstaben der Aufschrift entlanggefahren. Immer wenn der Finger über einem Buchstaben halt machte, sprach er den laut aus und zog den Finger einen Buchstaben weiter: Khhh...Y..hh..R..hh...Ihh...A..T...Z...I..
Der Rauch der Kyriatzi roch schöner und feierlicher als die anderen Filter Zigaretten wie Lux oder HB und mir wurde ein bisschen schwindlig davon. Schwindlich werden fand ich eigentlich gar nicht so schlecht, da war so ein kribbeliges Streichelgefühl, dass sich  die Körperhaare aufstellten, dann bekam mein Teddy und  Don F.s Hände weiche Umrisse  und mein Körper fühlte sich an wie so ein Strichmännchen, aus Ammas Malbuch. Im Atelier schwindlich werden war  noch besser als anderswo, weil hier waren keine Gerüche durcheinander gemischt,  sondern alles roch klar und deutlich und ganz für sich alleine.
Die grob verputzen Wände, die Farben, der nasse Ton in der Wanne, das Karbolineum, die Kyriatzi, das Holz und die Steine des Fußbodens und der Geruch von Don F. selbst. Sogar die unterschiedlichen Teile von ihm rochen für sich alleine. Seine Hände anders als sein Gesicht, das Hemd nicht wie der Hosenstoff und um die Augen herum   roch er am besten.

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