Samstag, 23. April 2016

Einen Zweig pflücken



Schon immer waren Streifzüge durch die frühlingshafte Natur fester Bestandteil meines  Lebens gewesen. Mein hingeworfenes Rad  neben einem  Feldweg, zwei drei Schritte die Böschung hoch, wo ich mir im Knick ein paar  weiß blühende Zweige abbrach,ein Sprung zurück auf den schmalen Pfad und wieder aufs Rad, die Zweige quer über dem Lenker und die zarten weißen Blüten baumelten über dem Vorderreifen.
Jetzt bin ich wieder in den Feldern unterwegs. Seit fast zwei Jahren war mir das nicht mehr möglich gewesen. An Stelle meines Fahrrads und meiner zwei Beinchen unter mir das leichte Beben meines neuen Gefährts, welches durch seine ausgeklügelte Balancetechnik fast wie etwas Lebendiges anmutet. Es folgt meinem Schenkeldruck und den Bewegungen meines Körpers wie ein Reittier.
Am Wegesrand das weiße Aufblitzen der Blüten. Zentaurisch schwinge ich mich die Böschung hinauf, durch leichte Verlagerung  des Körpers gebe ich meinem Tier die richtige Ausrichtung, meine Hände greifen  den Zweig, und noch einen, den da hinten auch noch. Eine leichte Wendung, ein Beugen des Oberkörpers und ich bin wieder auf dem Weg.

Ich setze meinen Streifzug fort. Die zarten weißen Blüten wippen über meinem leichten Herzen.

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