Sonntag, 27. März 2016

Osterteller



Die Osternacht war lang gewesen. Bis morgens um halb drei Uhr früh haben wir wieder ums Feuer gesessen, sind dem von kurzen Windboen in unberechenbare Richtungen stiebenden Funkenregen ausgewichen, haben mit von der Hitze und dem Wein glühenden Gesichtern rauchend dem langsamen Verglühen der dicken frisch geschlagenen Baumstämme zugesehen.
Das morgendlichen Erwachen brachte die Vorstellung der zertrampelten Wiese, des abgegrasten Terrassentisches überseht von halb leer gegessenen Tellern, Gläsern voller Weinpfützen und leeren zerknüllten Plastikverpackungen, von letzten Baumstammleichen, die im angekündigten leisen Nieselregen  auf der feucht dampfenden  Feuerstelle vor sich hin   räucherten. 
Ich hörte vereinzelte Stimmen der von den Kindern früh Geweckten bei den Frühstücksvorbereitungen. 
Ich wollte jetzt nicht aufstehen und  mich dazu gesellen, zwischen den verkaterten Gestalten der unausgeschlafenen Erwachsenen und den vergnügten aufgeregten Stimmchen der Kinder meine düstere Stimmung im Zaun halten müssen.
„ Möchtest du Frühstück im Bett?“
„Ja, gerne.“
Ich schloss die Augen und ließ mich noch mal wegdämmern. In Erwartung des am Wochenende üblichen geschmackvollen Tabletts, den zwei Brötchenhälften mit Lieblingsaufschnitt auf meinem Lieblingsteller und heißem Kaffee in der Lieblingstasse, öffnete ich wieder die Augen und sah auf einen kalkweißen Teller mit drei blassen Brötchenhälften mit mir fremder aschfarbener  Wurst belegt. Keinen Kaffee.
Ich nahm einen Bissen und legte die Brötchenhälfte wieder auf den Teller zurück, schob  den weißen Teller auf dem weißen Laken weit von mir weg, wälzte mich herum  und drehte dem ganzen farblosen Zeug den Rücken zu.
Der Kaffeebecher  kam später. Er stand in einer hellbraunen Kaffeelache auf einem noch weißeren Teller.
Ich bin  trotzdem aufgestanden, obwohl sich meine Gesichtshaut kalkweiß anfühlte. Ich hab mir dann sicherheitshalber eine Sonnenbrille aufgesetzt bis die Sonne wirklich überraschend hinter den winterkahlen Geäst der Akazie  durchkam und mein abgekühltes Herz auftaute.  Danach war die allgemeine Stimmung  auch ohne dunkle Brille betrachtet, erstaunlich  ausgelassen. 






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