Die
letzten Nächte schlief ich unter meiner neuen bezaubernden Geburtstagsdecke, in
vielen Stunden genäht und gequiltet von unserer jüngsten Tochter. Seitdem
mache ich mich des Nachts auf wundersame Weise auf die Socken, freihändig und
auf meinen zwei angeborenen Beinen durchstreife ich Wiesen und Waldlichtungen, setze bewegliche
Zehen und Sohlen auf Feldwege und
überspringe dunkle Bachläufe.
Wenn
ich auch in meinen Träumereien anfangs stets verzagt vor scheinbar nicht zu bewältigen Schwierigkeiten stehe, so spendiert
mir das Träumen nach kurzer Zeit des
Ringens einen Geistesblitz, der mir meine naturgegebene
Fortbewegungsart zurückbringt. Nicht immer erinnere ich nach dem Erwachen die erlösende Zauberformel aber die der letzten Nacht entsinne ich lebhaft. Vielleicht, ihrer Einfachheit wegen.
Ich stand vor einer blühenden Wildwiese, vor mir ein kleiner Graben, im Hintergrund die Silhouette eines Waldes. Eine Szene wie aus der Hasenschule. Meine Augen schweiften ruhig über die Landschaft und dann huschte der Geist aus der Flasche, fiel der Groschen, ich sah ihn fast vor mir auf den Feldweg plumpsen. Traumscharf begriff ich, dass dieses Mal das Tempo die Lösung sei, dass vorsichtiges, unsicher tastendes langsames Vorwärtsgehen mich
der vor mir liegenden Wiese keinen Zentimeter näher bringen
konnte. Ich nahm einen tiefen Atemzug, setzte über den Graben und lief einfach drauflos, rannte mit angehaltenem Atem und dicht am Körper gehaltenen Ellenbogen in einem Affenzahn über Hubbel und Disteln, über Maulwurfshügel und Mauselöcher, zwischen Schafgarbe und Sauerampfer hindurch bis ich am Waldrand zwischen kleinen Kiefernzapfen und einem halb skelettierten Karnickel ins kurze Gras fiel.
Ich
freue mich auf die Schlafenszeit.
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