Freitag, 4. März 2016

Geist aus der Decke


Die letzten Nächte schlief ich unter meiner neuen bezaubernden Geburtstagsdecke, in vielen Stunden genäht und gequiltet von unserer jüngsten Tochter. Seitdem mache ich mich des Nachts auf wundersame Weise auf die Socken, freihändig und auf meinen zwei angeborenen Beinen durchstreife ich Wiesen und Waldlichtungen, setze  bewegliche Zehen und Sohlen auf Feldwege und überspringe dunkle Bachläufe.
Wenn ich auch in meinen Träumereien anfangs stets verzagt vor scheinbar nicht zu bewältigen Schwierigkeiten stehe, so spendiert mir das Träumen nach kurzer Zeit des Ringens einen Geistesblitz, der mir meine naturgegebene Fortbewegungsart zurückbringt. Nicht immer erinnere ich nach dem Erwachen die erlösende Zauberformel aber die der letzten Nacht entsinne ich lebhaft. Vielleicht, ihrer Einfachheit wegen.
Ich stand vor einer blühenden Wildwiese, vor mir ein kleiner Graben, im Hintergrund die Silhouette eines Waldes. Eine Szene wie aus der Hasenschule. Meine Augen schweiften ruhig über die Landschaft und dann huschte der Geist aus der Flasche, fiel der Groschen, ich sah ihn fast vor mir auf den Feldweg plumpsen. Traumscharf begriff ich, dass dieses Mal das Tempo die Lösung sei, dass vorsichtiges, unsicher tastendes langsames Vorwärtsgehen mich der vor mir liegenden Wiese keinen Zentimeter näher bringen konnte. Ich nahm einen tiefen Atemzug,  setzte über den Graben  und lief  einfach drauflos,  rannte mit angehaltenem Atem und dicht am Körper gehaltenen Ellenbogen in einem Affenzahn über Hubbel und Disteln, über Maulwurfshügel und Mauselöcher, zwischen Schafgarbe und Sauerampfer hindurch bis ich am Waldrand zwischen kleinen Kiefernzapfen und einem halb skelettierten  Karnickel  ins kurze  Gras fiel.

Ich freue mich auf  die Schlafenszeit.

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