Es war eine schöne Radtour
gewesen. Jetzt waren wir auf dem Weg zurück, es dämmerte schon.
„ Ich muss unbedingt nochmal
pinkeln, bevor wir in die Bahn steigen.“
„ Das wird nicht einfach werden
hier,“ rief ich über die Schulter zurück.
Wir standen vor der Ampel und warteten auf
grün. Beim Aufsteigen hörte ich wieder seine Stimme hinter mir: „ Jetzt müssen wir mal da links rüber!“
Ich fuhr vorneweg, die Straße
hoch. Irgendwann merkte ich, dass er nicht mehr hinter mir war. Ich war keine
100 Meter die Straße reingefahren. Nachdem ich abgestiegen war und etwas
gewartet hatte, kehrte ich um zu der Ampel, wo wir uns aus den Augen verloren
hatten.
Ich stellte mein Rad neben der Ampel auf den
Ständer und lehnte mich an die Steine der dicken Brücke, die in die Speichestadt
führte. Ich dachte, es wäre das beste, dahin zurückzukehren, wo wir uns verloren hatten. Ich wußte auch nicht, in welche Richtung er
gefahren sein könnte. Sicher würde er mich suchen, gleich da sein. Neben mir knutschte ein
Pärchen an die Mauer gelehnt und auf dem Kanalwasser glitzerten die Wirbel der
Strömung im Licht der Straßenlaternen.
Ich hatte kein Geld, keine
Tasche, keine Fahrkarte und kein Handy. Alles war in seinen beiden
Satteltaschen verstaut. Auch meine Jacke. Ich fröstelte, spähte die Brücke
hinunter, in die Straße hinein, drehte meinen Kopf in alle Richtungen. Ich lief
ein paar Schritte, um von dem knutschenden Paar wegzukommen und kam wieder zurück. Dann stand ich wieder
neben meinem Fahrrad, legte eine Hand auf den roten Sattel. Es war bestimmt
schon eine halbe Stunde vergangen und immer noch stand ich da neben meinem Rad
mit der Hand auf dem Sattel.
Es war inzwischen dunkel und ich
hatte kein Licht am Rad. Es wimmelte von Touristen. Eine schräg über meinem Kopf
hoch aufragende bläulich schimmernde Bronzestatue warf ihren dunklen Schatten
auf die immer noch aneinander gepressten Körper neben mir. Unterleib an
Unterleib reibend, Hände am Rumpf auf-und ab fahrend, leise glucksend und
hörbar atmend.
Ich überlegte, hinter der
Brückenmauer zu warten, um nicht so dicht an dem Pärchen stehen zu müssen, die
ab und zu ihre Köpfe kurz voneinander lösten und kichernd einen Blick zur Seite riskierten.
Aber dann konnte er mich nicht sehen, wenn er zurückkam. Wenn seine
Augen die Umgebung der Ampel, die Kanalmauer vorm Wasser absuchten.
Ich blieb wo ich war, schob das
Rad nur ein wenig zurück von der Straße, dichter ran an die Brückenmauer und
nahm meine Hand vom Sattel, ging einige Schritte auf die Brücke und betrachtete meinen roten Sattel aus drei
Meter Entfernung. So einen roten Sattel konnte man ja gut sehen. Das schwache
Licht der Straßenbeleuchtung ließ die rote Farbe neben der Ampelstange
aufleuchten wie ein zusätzlich, etwas tiefer angebrachtes rotes Ampelsignal.
Das würde er doch sofort bemerken, schon von der anderen Straßenseite würde es
ihm sofort auffallen.
Wie die Geschichte weiterging, würde ich zu gern wissen!
AntwortenLöschen..mal abwarten!
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