Ich bin mal wieder unterwegs auf der A
23 Richtung Itzehoe. Ich will zu unserem Bruder Konstantin, die Reste
unseres gemeinsamen Abenteuers hier, welches wir nachher mit
„Hitzehoe at the River Speck“ betitelten, einzusammeln, Dein
weißes Tuch, und mein gesamtes Gepäck, welches beim Aufbruch
liegenblieb.
Auch habe ich die Bücherregale für ihn mit,
damit die Einichtung seiner neuen Wohnung komplettiert wird, und er endlich einräumen kann.
DieA 23 bin ich sonst fast nie
gefahren, aber das hat sich in den letzten Monaten geändert und sie wird
nun wohl zu einer meiner Hausstrecken.
Es ist ein trüber, niedeliger
Tag. Erika hat diese Zeit nach der großen Blüte immer als „Die
große Salatschüssel“ bezeichnet, und so sieht es auch aus. Fettes
Grün wuchert wohin man sieht, hin und wieder ein verblassendes
Rapsfeld, Pusteblumen, ein wenig violetter Flieder, blaue Lupinen.
Weiß und gewaltig leuchtet der Weißdorn und die wilde Möhre
begleitet den Weg.
Ich passiere Orte, wie Pinneberg,
Quickborn, Horst, Steinburg, Elmshorn, auf der Raststätte rechts ist
nur wenig los, wie auf der ganzen Strecke, denn es ist noch früh,
und Feiertag.
Im Radio erfahre ich einiges über die
Anfänge des „Damenradelns“ in den 90er Jahren des neunzehnten
Jahrhunderts. Damals eine Ungeheuerlichkeit, zumal auf das Korsett
verzichtet werden mußte und auch die langen Röcke hier gänzlich
ungeeignet waren. Mutig waren sie, die Frauen, die sich hier nicht
unterkriegen ließen, zumal die niederträchtigsten Anfeindungen von
ihren Geschlechtsgenossinnen kamen. Weiter lerne ich etwas über das
"Barockschloß Bothmer" in Mecklenburg und über den dieses erbauenden
Freiherren, der Ende des 18ten Jahrhunderts englischer „Prime
Minister“ in „Bothmerhouse“, heute Downingstreet 10, wurde, und
sein Schloß in Mecklenburg nie bewohnte.
Vor Lägerdorf kommt dann die
Zementfabrik, oder was auch immer es ist, in Sicht und ich verlasse
die Autobahn Beim Abzweig „Itzehoe Süd“. Der neue Kreisel glüht
gelb vom Ginster, links geht´s nach Dägeling, wo ich von einer
Heidi vor einigen Wochen einen Küchenschrank erwarb. Ein weiterer
Besuch dort verbietet sich für heute. Ich hab´was anderes vor.
Durch ein Loch im Grün erblicke ich
kurz ST. Laurentius, eingerahmt von zwei unschönen weißen
Hochhäusern. Wie wir ja wissen war Laurentius ein Märtyrer des
frühen Christentums. Er führt auf Abbildungen immer den Rost mit,
auf dem er zu Tode gefoltert wurde.
An „Aral“ vorbei überquere ich
bald die Stör, passiere die alte Industriebrache, gefolgt von
„Famila“, „Burger King“, und „Mediamarkt“, biege rechts
ab und erreiche das umfangreiche Parkplatzangebot der Stadt. Noch
einmal rechts und ich bin da.
Zum Frühstück gibt es frische
Brötchen, geholt vom „Langen Peter“, dem „Besten Bäcker
Schleswig Holsteins“: „Haben was, die Brötchen, oder?“ „Ja
haben sie, und die Wohnung auch“.
Wir bauen die Regale auf, trinken noch
einen Kaffee, und dann rausch´ ich wieder ab. Den gleichen Weg
zurück. Im Radio erfahre ich erneut etwas über die Anfänge des
Damenradelns, sowie über den Freiherrn von Bothmer, aber lausche
dann gespannt dem Hörspiel „Gespensterjäger im Feuerspuk“,
lerne etwas über MUG´s, UEG´s und das GRUBLIGEI, welches böse ist
und zum Schluß im Meer explodiert, und weiß ab heute: „Wer etwas
merkt, ist noch nicht tot“!
Bei Pinneberg nimmt der Verkehr stark
zu. Pfingstrückreise. Ich rutsche durch vorm großen Stau.
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