Dienstag, 26. Mai 2015

Pfingstmontag oder: "Wer etwas merkt ist noch nicht tot"

Ich bin mal wieder unterwegs auf der A 23 Richtung Itzehoe. Ich will zu unserem Bruder Konstantin, die Reste unseres gemeinsamen Abenteuers hier, welches wir nachher mit „Hitzehoe at the River Speck“ betitelten, einzusammeln, Dein weißes Tuch, und mein gesamtes Gepäck, welches beim Aufbruch liegenblieb.
Auch habe ich die Bücherregale für ihn mit, damit die Einichtung seiner neuen Wohnung komplettiert wird, und er endlich einräumen kann.
DieA 23 bin ich sonst fast nie gefahren, aber das hat sich in den letzten Monaten geändert und sie wird nun wohl zu einer meiner Hausstrecken. 
Es ist ein trüber, niedeliger Tag. Erika hat diese Zeit nach der großen Blüte immer als „Die große Salatschüssel“ bezeichnet, und so sieht es auch aus. Fettes Grün wuchert wohin man sieht, hin und wieder ein verblassendes Rapsfeld, Pusteblumen, ein wenig violetter Flieder, blaue Lupinen. Weiß und gewaltig leuchtet der Weißdorn und die wilde Möhre begleitet den Weg.
Ich passiere Orte, wie Pinneberg, Quickborn, Horst, Steinburg, Elmshorn, auf der Raststätte rechts ist nur wenig los, wie auf der ganzen Strecke, denn es ist noch früh, und Feiertag.
Im Radio erfahre ich einiges über die Anfänge des „Damenradelns“ in den 90er Jahren des neunzehnten Jahrhunderts. Damals eine Ungeheuerlichkeit, zumal auf das Korsett verzichtet werden mußte und auch die langen Röcke hier gänzlich ungeeignet waren. Mutig waren sie, die Frauen, die sich hier nicht unterkriegen ließen, zumal die niederträchtigsten Anfeindungen von ihren Geschlechtsgenossinnen kamen. Weiter lerne ich etwas über das "Barockschloß Bothmer" in Mecklenburg und über den dieses erbauenden Freiherren, der Ende des 18ten Jahrhunderts englischer „Prime Minister“ in „Bothmerhouse“, heute Downingstreet 10, wurde, und sein Schloß in Mecklenburg nie bewohnte.
Vor Lägerdorf kommt dann die Zementfabrik, oder was auch immer es ist, in Sicht und ich verlasse die Autobahn Beim Abzweig „Itzehoe Süd“. Der neue Kreisel glüht gelb vom Ginster, links geht´s nach Dägeling, wo ich von einer Heidi vor einigen Wochen einen Küchenschrank erwarb. Ein weiterer Besuch dort verbietet sich für heute. Ich hab´was anderes vor.
Durch ein Loch im Grün erblicke ich kurz ST. Laurentius, eingerahmt von zwei unschönen weißen Hochhäusern. Wie wir ja wissen war Laurentius ein Märtyrer des frühen Christentums. Er führt auf Abbildungen immer den Rost mit, auf dem er zu Tode gefoltert wurde.
An „Aral“ vorbei überquere ich bald die Stör, passiere die alte Industriebrache, gefolgt von „Famila“, „Burger King“, und „Mediamarkt“, biege rechts ab und erreiche das umfangreiche Parkplatzangebot der Stadt. Noch einmal rechts und ich bin da.
Zum Frühstück gibt es frische Brötchen, geholt vom „Langen Peter“, dem „Besten Bäcker Schleswig Holsteins“: „Haben was, die Brötchen, oder?“ „Ja haben sie, und die Wohnung auch“.
Wir bauen die Regale auf, trinken noch einen Kaffee, und dann rausch´ ich wieder ab. Den gleichen Weg zurück. Im Radio erfahre ich erneut etwas über die Anfänge des Damenradelns, sowie über den Freiherrn von Bothmer, aber lausche dann gespannt dem Hörspiel „Gespensterjäger im Feuerspuk“, lerne etwas über MUG´s, UEG´s und das GRUBLIGEI, welches böse ist und zum Schluß im Meer explodiert, und weiß ab heute: „Wer etwas merkt, ist noch nicht tot“!
Bei Pinneberg nimmt der Verkehr stark zu. Pfingstrückreise. Ich rutsche durch vorm großen Stau.

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