„
Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf
ihre eigene Weise unglücklich.“
So
beginnt Leo Tolstois Anna Karenina. Als ich letzte Woche in meinem Bücherbord
umsortierte, weil ich mir vorgenommen habe, durch den monatlichen Kauf eines
neuen Buches die kleine Buchhandlung zu unterstützen, in der eine unserer
Töchter arbeitet, stieß ich wieder auf diesen Satz, an dem sich schon immer meine Gedanken festhakten, wenn
ich das Buch zur Hand nahm.
Diese
Gegenüberstellung von Glück und Unglück und seinen Hintergründen in dieser provozierend
einfachen Formulierung hat mich jedes Mal zu Überlegungen herausgefordert, die
mich gereizt und voller Widerworte
zurückließ, obwohl ich ahnte, dass etwas Wesentliches, womöglich Wahres dieser
so klaren Einteilung zugrunde lag.
Ich
scheiterte jedes Mal bei dem Versuch, die Familie, aus der wir kommen, dem einen oder anderen
Muster zuzuordnen, und inzwischen scheint mir Tolstois kühne These nicht mehr
ganz so starr und unbeweglich.
Womöglich
ähneln sich die glücklichen Familien in der Art und Weise, wie sie ihrem Unglück
begegnen und ihr Glück erkennen.
Mein
dreijähriger Enkel hat das schon viel früher begriffen als ich:
" Ich bin dlücklich, Moma! Hab dich lieb, weil du meine Füße küsst."
" Ich bin dlücklich, Moma! Hab dich lieb, weil du meine Füße küsst."

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