Heute morgen stand
ich still auf der Rolltreppe von der U-Bahnstation hoch zum Jungfernstieg und nahm neben mir
auf der breiten Fußgängertreppe das Gewoge der auf-und abwärts hastenden
Passanten wahr. Das Gewirr von leichtfüßig überholenden Füßen in Sneakern, dem
Stakkato der hohen Frauenabsätze, von sich kreuzenden Hosenbeinen und
fliegenden Röcken über flachen Sandalen.
Als ich fast oben war, lichtete
sich das wogende Dickicht der Gestalten und gab den Blick frei auf eine
einzelne Taube, die oben am Ende der Treppe Aufstellung genommen hatte und nun
aufmerksam die Stufen hinunter zum Bahnhofsgelände betrachtete. Sie trat ein-zweimal
von einem Bein auf das andere, suchte eine Lücke zwischen den letzten
Treppensteigern und begann ihren Abstieg. Was mich so fesselte, war die Art,
wie sie die Stufen nahm. Weder
flatterte, noch trippelte, noch flog sie. Im geschlossenen Sprung, beide
Krallenfüße anmutig nebeneinander gesetzt, setzte sie ihre „Schritte“ von Stufe
zu Stufe. Ich benutze bewußt das Wort Schritte, weil anders lässt es sich kaum
beschreiben. Sie schritt die Treppe hinunter, in aufrechter stolzer Haltung und
ohne Innehalten oder Zögern auf den einzelnen Stufenabsätzen. Es gab kein
mehrfaches Aufsetzen der Füße auf den relativ breiten tiefen Stufen, kein Nachsetzten oder erneutes
Ansetzen der Schritte. Pro Stufe einen eleganten Schwung und den nächsten und übernächsten.
In einer einzigen harmonisch fließender Bewegung tänzelte sie hinunter und
verschwand im Gewusel des Bahnhofes. Chapeau!

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